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Abenteuer Nahverkehr: Ein Selbstversuch quer durch die Alpen | BR24

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Um den Öffentlichen Nahverkehr in Bayerns Bergen zu testen, sind 13 junge Erwachsene der Alpenschutzkommission Cipra mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Bodensee nach Berchtesgaden gefahren. "Gönn Dir Öffi": hier das Ergebnis.

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Abenteuer Nahverkehr: Ein Selbstversuch quer durch die Alpen

Um den Öffentlichen Nahverkehr in Bayerns Bergen zu testen, sind 13 junge Erwachsene der Alpenschutzkommission Cipra mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Bodensee nach Berchtesgaden gefahren. "Gönn Dir Öffi": hier das Ergebnis.

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Bis Freitag soll das Klimaschutzpaket der Bundesregierung auf den Tisch kommen. Eine wichtige Rolle dabei spielt der Verkehr. Mit einem Selbstexperiment wollten 13 junge Männer und Frauen vom Jungen Forum der Alpenschutzkommission Cipra aufzeigen, woran es am meisten hapert, wenn man umweltfreundlich mit dem ÖPNV in den bayerischen Bergen unterwegs sein will. Sie haben eine zweitägige Expedition unternommen: einmal quer durch die gesamten bayerischen Alpen vom Bodensee an den Königssee nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, hatte Abenteuercharakter.

Schlechte Anschlüsse und überfüllte Busse

Schon in Kaufbeuren: der erste verpasste Anschluss wegen der verspäteten Ankunft aus Kempten. In diesem Fall aber lobt die Öffi-Gruppe der Alpenschutzkommission die Bahnmitarbeiterin. Die berät sie gut, so dass die Gruppe ihren Fahrplan in Füssen, wo etwas Pufferzeit eingeplant war, wieder einhalten kann.

Dann aber die nächste Überraschung: Der Bus nach Garmisch-Partenkirchen ist so voll, dass an den Königsschlössern Wartende sogar stehen gelassen werden, weil sie nicht mehr in den Bus passen. Die Nachfrage ist also da, folgert Frederick Manck vom Jungen Forum der Cipra - nur das Angebot ist nicht attraktiv genug.

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Kochel: Warten auf den Anschluss

Flickwerk statt gut getaktetem Netz

Die Erfahrungen wiederholen sich auch am zweiten Tag, an dem die Reise von Garmisch-Partenkirchen nach Berchtesgaden führt. Auch in Kochel steht eine gute Hundertschaft am Bahnhof und wartet auf den Bus, der von der Autobahn her im Stau steckt. Manche Verbindungen funktionieren gut, insgesamt sind die öffentlichen Verkehrsverbindungen aus Sicht der Cipra-Gruppe eher Flickwerk: Ein Wirrwarr verschiedener Fahrkarten, mangelhafte Informationen und andere unangenehme Begleiterscheinungen wie ein defektes Zug-WC kommen dazu.

Auf der Zielgeraden von Freilassing nach Berchtesgaden muss die Truppe noch unerwartet auf Schienenersatzverkehr umsteigen. Diese relativ chaotischen Zustände beklagt das "Verkehrsforum Berchtesgadener Land" seit Jahren.

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Bahnhof Kochel: Pause. Auch die Uhr steht.

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Warten auf den Anschluss. Am Bahnhof Bad Tölz wächst Gras auf der Treppe.

Bayern "dieselt" weiter

Die jungen Experten der Alpenschutzkommission sehen die jetzige Situation als Ergebnis teils jahrzehntelange Versäumnisse. So wird in Bayern trotz allgemeiner Elektromobilitäts-Initiative nach wie vor auf der Hälfte der Bahnstrecken mit Dieselloks gefahren. Zum Vergleich: In der Schweiz ist das gesamte Bahnnetz elektrifiziert.

Forderungskatalog ans Verkehrsministerium

Dieses und die anderen Ergebnisse ihrer ÖPNV-Expedition Bayern will das Junge Forum der Alpenschutzkommission Cipra jetzt zu einer Liste mit Forderungen an Politik und Verkehrsbetriebe zusammenschreiben. Und hofft, dadurch eine echte Verkehrswende in Gang zu bringen.