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Abensberg steigt in den Strommarkt ein | BR24

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Abensberg hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Spätestens im Jahr 2030 will die niederbayerische Stadt bei der Energieversorgung unabhängig sein.

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Abensberg steigt in den Strommarkt ein

Abensberg startet ein Projekt, das deutschlandweit einzigartig ist: Die Einwohner der Stadt sollen künftig 100 Prozent Naturstrom beziehen, der auch zu 100 Prozent in Abensberg selbst produziert wird.

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Die Stadt Abensberg steigt in den Strommarkt ein. Das Ziel: Ökostrom, der in der Region heute schon erzeugt wird, soll auch direkt vor Ort gekauft werden können. Schon heute liefern vor allem die Photovoltaik-Anlagen bei Sonne genug Strom, um den Ort zu versorgen, sagt Bürgermeister Uwe Brandl (CSU). Die Stadt hat deshalb zusammen mit dem Netzbetreiber Bayernwerk das Projekt "Naturstrom Abensberg" ins Leben gerufen. Ein eigener Markt für örtliche Stromerzeuger und Kunden soll damit entstehen.

"Das Ziel ist natürlich schon, dass wir künftig versuchen, einen Energie-Mix in Abensberg zur Verfügung zu haben, der uns in die Lage versetzt, das, was vom Verbraucher abgefragt wird, auch bei uns zu erzeugen - in unterschiedlicher Weise: Windkraft, Wasserkraft und überwiegend durch Photovoltaik." Uwe Brandl

100 Prozent Ökostrom aus Abensberg für Abensberg

Die Stadt will zum Stromzwischenhändler werden: Private Stromerzeuger können ihre Photovoltaik-Anlagen beispielsweise für den lokalen Strommarkt arbeiten lassen. Die Stromkunden können von der Stadt Strom beziehen. Der Vorteil: Sie können sich sicher sein, dass die Menge, die sie verbrauchen, auch wirklich in der Region erzeugt wird. 100 Prozent Ökostrom aus Abensberg für Abensberg. Das Projekt, den Strom lokal zu produzieren und vor Ort zu verbrauchen, sieht auch Energiewende-Experte Michael Sterner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg positiv.

"Alles, was lokal erzeugt und verbraucht wird, muss nicht transportiert und gespeichert werden. Das Geld für den Strom geht nicht raus aus der Region, sondern bleibt in der Region und schafft vor Ort eine Wertschöpfung der Arbeitsplätze." Michael Sterner

Stromspeicher für ein energieautarkes Abensberg

Doch um Abensberg komplett energieautark werden zu lassen, ist noch ein weiterer Schritt notwendig: der Bau von Stromspeicher. An sonnigen Tagen produzieren die vielen Solar-Panels auf den Dächern der Stadt schon heute mehr Strom, als die Stadt verbraucht. Abends, nach Sonnenuntergang, ist das nicht mehr der Fall. Gegensteuern will die Stadt mit einem Wasserkraftwerk, das gekauft werden soll und rund um die Uhr Strom liefern kann. Außerdem will die Stadt möglichst viele Menschen dazu bewegen, kleinere Stromspeicher zu installieren. Ein wichtiger Schritt, sagt auch Reimund Gotzel vom Projektpartner Bayernwerk.

"Aus meiner Sicht wird es eine Entwicklung geben, dass auch die Kunden selbst sich Speicher in ihre Anlagen hineinbauen - weil sie darüber auch eine Eigenoptimierung für ihren Haushalt erreichen. Aber der Speicher kann gleichzeitig den anderen Kunden zur Verfügung gestellt werden." Reimund Gotzel

Geld für gespeicherten Strom

Privathaushalte oder Landwirte mit großen Photovoltaik-Anlagen könnten die Speicher direkt an ihren Anlagen installieren und dafür Geld bekommen, wenn sie die Speicherkapazität für den lokalen Öko-Strommarkt zur Verfügung stellen. Außerdem könnte die Stadt auch einen eigenen Großspeicher anschaffen. Doch dieser könnte bis zu vier Millionen Euro kosten. Die Kosten werden darüber entscheiden, ob das Projekt gelingt. Das Ziel ist es, einen Strompreis anzubieten, der wettbewerbsfähig ist, sagt Brandl. Jetzt, in der ersten Phase, sei das gelungen. Für die Zukunft, sei das aber nicht immer zu garantieren.

"Nur dann, wenn die Verbraucher bereit sind, für diesen hundertprozentig ökologisch erzeugten Strom auch entsprechende Preise zu akzeptieren, die das abbilden, was am Markt realistisch ist, werden wir die Energiewende vor Ort auch schaffen können." Uwe Brandl
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Abensberg startet ein Projekt, das deutschlandweit einzigartig ist: Die Einwohner der Stadt sollen künftig 100 Prozent Naturstrom beziehen, der auch zu 100 Prozent in Abensberg selbst produziert wird.

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  • Andreas Wenleder
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