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Abbiege-Assistent für Lkw: Eine Erfindung, die Leben retten kann | BR24

© picture alliance/Peter Kneffel/dpa

Bildschirm des Abbiegeassistenten

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Abbiege-Assistent für Lkw: Eine Erfindung, die Leben retten kann

Immer wieder gibt es schwere Unfälle, weil Lkw-Fahrer beim Abbiegen Radfahrer, Fußgänger oder Kinder übersehen. Abhilfe könnte nun ein in Bayern entwickeltes Assistenz-System schaffen.

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Der tote Winkel ist das Problem: Nimmt man die Perspektive eines Lastwagen-Fahrers ein, wird deutlich, dass er in einem gewissen Bereich rechts von seinem Fahrzeug keinen Menschen erkennen kann. Helfen könnte da ein sogenannter Abbiege-Assistent – entwickelt von Anton Klott.

"Hier im Spiegel sehen Sie gar nix, hier im Monitor sehen Sie vollkommen den toten Winkel und sogar die Entfernung, wie weit das Hindernis, der Radfahrer, Fußgänger, das Kind weg ist" Anton Klott, Entwickler des Lkw-Abbiege-Assistenten

Das Prinzip des Abbiege-Assistenten ist simpel: Er besteht aus einer Weitwinkel-Kamera, die das Bild für den Monitor erfasst, und vier Ultraschallsensoren, die den Bereich auf der rechten Fahrzeugseite abtasten und bei Gefahr einen lauten Signalton an den Fahrer abgeben.

Angebote haben bisher gefehlt

Klotts Abbiege-Assistent wurde quasi aus der Not heraus geboren. Als der technische Leiter von Edeka Südbayern die Lkw-Flotte der Supermarktkette 2015 mit einem Abbiege-Assistenten ausstatten wollte, gab es auf dem Markt schlichtweg kein nachrüstbares System. Also entwickelte er es selbst.

"Allein 2018 gab es schon über 30 tödlich verlaufende Abbiege-Unfälle und mit dem System des Abbiege-Assistenten, so wie wir es verbauen, könnte man fast mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle Abbiege-Unfälle ausschließen." Anton Klott, technischer Leiter bei Edeka Südbayern

Mittlerweile fahren bereits rund 2.000 Lkw mit Klotts Assistenten - nicht nur die von Edeka Südbayern. Auch andere Firmen und Kommunen bauen das System nach und nach ein. Pro Fahrzeug kostet es 1.000 Euro.

Assistenten sind keine Pflicht für Lkw

Bislang sind Abbiege-Systeme nicht gesetzlich vorgeschrieben. Laut Koalitionsvertrag könnte aber bis 2022 eine entsprechende Rechtsgrundlage geschaffen werden. Bis dahin setzt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf die freiwillige Nachrüstung bei den Speditionen. Dafür will der Bund kommendes Jahr bis zu fünf Millionen Euro Fördergelder bereitstellen. Doch bei manchen Firmen bestehen auch Zweifel an der Wirksamkeit.

"Das Wissen, das wir heute haben, deutet darauf hin, dass diese Assistenten ein schönes Versprechen sind, aber es ist nicht nachweisbar, dass sie auch genau den Zweck erfüllen, den man sich wünscht, dass sie erfüllen." Ulrich Pfaffenberger, Sprecher des Landesverbands bayerischer Spediteure

Forscher: Freiwillige Nachrüstung ist nicht genug

Wolfram Hell forscht zum Thema Verkehrssicherheit an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Die freiwillige Nachrüstung hält er für keine ausreichende Lösung.

"Wir plädieren dafür, dass Lkw, die in die Stadt fahren, verpflichtend ein Totwinkelerkennungs-System haben müssen. Wenn das vorgeschrieben würde, würde es auch sehr schnell umgesetzt werden und dann müsste auch der letzte Spediteur in Tschechien oder Polen diese Systeme installieren - sonst dürfte er gar nicht mehr rein." Wolfram Hell von der LMU München

Anton Klotts Entwicklung wurde kürzlich mit dem Roten Ritter ausgezeichnet, dem Präventionspreis der Aktion Kinderunfallhilfe - weil sein Assistent Leben retten kann. Und er schützt nicht nur Fahrradfahrer und Fußgänger: Auch für die Lkw-Fahrer bedeutet der Abbiege-Assistent eine große Erleichterung und mehr Sicherheit.