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Unter dem Motto "Nie mehr Diktatur" hat in Nürnberg eine Kundgebung zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 76 Jahren stattgefunden. Als Gastredner sprach der 93-jährige Überlebende aus dem Konzentrationslager Dachau, Abba Naor.

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Abba Naor: "Habe nie den Glauben an die Menschheit verloren!"

Selbsttönende Brille, dunkler Anzug, blaues Hemd, Krawatte – Abba Naor lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Der 93-Jährige hat etwas zu sagen an dem Tag, an dem sich die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht zum 76. Mal jährt.

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Von
  • Jörg Hertle

Abba Naor berichtet mit fester Stimme von seiner Familie, davon, dass seine Mutter mit 38 Jahren im Konzentrationslager Ausschwitz vergast wurde, davon, dass sein Bruder im Alter von 15 Jahren erschossen worden ist, davon, dass er nach zwölf Stunden Arbeit im Konzentrationslager nur eine dünne Suppe und einen Kanten Brot zu Essen bekam.

Die Jugend im Konzentrationslager verbracht

17 Jahre war er alt, als er von alliierten Truppen nach vier Jahren Hölle in verschiedenen Konzentrationslagern der Nazi-Diktatur befreit wurde. Er habe nach seiner Befreiung geglaubt, Fremdenhass und Antisemitismus seien in Deutschland überwunden. "Leider ist es nicht ganz so", sagt der Überlebende des KZ-Grauens vor rund 60 Zuhörern an der "Straße der Menschenrechte" in Nürnberg. Naor wird auch im hohen Alter nicht müde, vor Schulklassen, jungen Polizisten, Bundeswehr-Soldaten und Lehrern immer wieder von seinen Erlebnissen zu berichten. "Was ich erlebt habe, darf nicht vergessen werden", mahnt Naor.

Anreise aus Israel zum Gedenktag nach Nürnberg

Er ist einer der wenigen Zeitzeugen, der die Strapazen von Reisen aus Israel – wo er heute mit seiner Familie wohnt – nach Deutschland noch auf sich nehmen kann und – vor allem – will. Der 93-Jährige hat zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges eine Botschaft: "Genießt das Leben. Das Leben ist eine feine Sache. Denn, es gibt kein zweites." Zu lange habe er geschwiegen über das, was er im KZ erleben musste.

Lebenslanges Erinnern

"Als ich befreit wurde, war das nicht gleichzusetzen damit, dass ich ganz befreit wurde vom Leben im Lager. Physisch, ja. Seelisch niemals", erzählt Naor. "Damit lebt man das ganze Leben. Das vergisst man nicht." Erst als er mit den Vorträgen vor Schulkindern in Deutschland begann, konnte er auch seinen Geist vom KZ befreien. "Nicht mein Reden gibt mir Kraft. Sondern, das Zuhören der Kinder, die Fragen, die sie mir stellen und die Briefe, die sie mir schreiben", sagt Naor. Er ist einer der wenigen Zeitzeugen nach Kriegsende vor 76 Jahren.

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