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A94 spaltet das Isental und seine Bewohner | BR24

© BR/Birgit Grundner

Jörg Asperger hat jahrzehntelang gegen die Isentalautobahn A94 gekämpft. Heute ist ein bitterer Tag für ihn. Die Autobahn, die seine Heimat zerschneidet, wird mit einem Festakt bei Dorfen im Landkreis Erding eröffnet.

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A94 spaltet das Isental und seine Bewohner

Jörg Asperger hat jahrzehntelang gegen die A94 durchs Isental gekämpft. Heute ist ein bitterer Tag für ihn. Die Isentalautobahn, die seine Heimat zerschneidet, wird mit einem Festakt bei Dorfen im Landkreis Erding eröffnet.

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Seit fast 30 Jahren wohnt Jörg Asperger im Isental. Wenn er von der Landschaft erzählt, kommt er ins Schwärmen. Eine ganz ruhige Gegend sei das immer gewesen - lieblich, lebenswert und mehr oder minder so belassen wie seit Jahrzehntausenden, so Asperger. Das ist jetzt vorbei. Die Autobahn hat die malerische Gegend aus seiner Sicht komplett zerstört. Wenn der Verkehr erstmal fließt, erwartet er nur noch Lärm.

Denn die Trasse verläuft gerade einmal 130 Meter entfernt von seinem Haus. Heute wird die Isentalautobahn mit einem Festakt bei Dorfen im Landkreis Erding eröffnet. Morgen werden dann die Autos an Jörg Aspergers Haus vorbeirauschen.

"Wir sind entsetzt. Die Lebensqualität, die wir bislang genossen haben oder genießen dürfen, die ist weg." Jörg Asperger, Anwohner und Gegner der Isentalautobahn

Günther Knoblauch: "So ein Gefühl hat man nicht oft im Leben"

Ganz anders sieht das Günther Knoblauch, der ehemalige Bürgermeister von Mühldorf. Er ist ganz begeistert von der neuen und endlich durchgängigen Verbindung zwischen München und Marktl, für die er sich jahrzehntelang eingesetzt hat. Für das Chemiedreieck und die ganze Region sei sie wichtig.

"Eine Zukunft für die Menschen gibt es nur, wenn sie Arbeit haben, davon leben können, ihre Familie ernähren können. Da gehört halt die Infrastruktur dazu." Günther Knoblauch, Befürworter der A94

Schlussstrich unter 40 Jahre Streit

Sowohl für die Gegner als auch für die Befürworter bedeutet die Eröffnung des Autobahnabschnitts zwischen Pastetten und Heldenstein einen Schlussstrich unter einen rund 40 Jahre andauernden Streit. Im Zentrum der Auseinandersetzung stand der Verlauf der Strecke. Die Gegner der Isental-Trasse hatten die unberührte Natur in ihrer Heimat retten wollen.

Alternativ hatten sie sich für den Ausbau der bestehenden B12, die gut 15 Kilometer südlich von Dorfen verläuft, stark gemacht. So war es ganz früher eigentlich auch geplant. Dafür kämpften sie durch alle Gerichtsinstanzen und mit kreativen Mitteln. Unvergessen der Tag im Mai 2008, als die Biermösl Blosn und Gerhard Polt nach Dorfen kamen, um der Staatsregierung - insbesondere dem damaligen Finanzminister Erwin Huber (CSU) - den Marsch zu blasen.

"Diese Isentalautobahn ist juristisch einwandfrei. Sonst ist es a Sauerei – aber juristisch wunderbar, besser geht’s nicht." Gerhard Polt, Kabarettist

Unverständnis und Erleichterung

Zu dem Zeitpunkt hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München schon alle Klagen gegen die Isentalautobahn abgewiesen. Fast eine Million Euro hatten die Autobahngegner allein für Anwälte und Gutachten ausgegeben. Am Ende ohne Erfolg. "Es ist entsetzlich, was da gemacht wird. Es geht nicht nur über Wachstum, wir müssen umdenken", sagt ein Gegner. "Eine völlig neue Trasse! Warum eigentlich? Warum muss man so viel kaputt machen," empört sich eine Anwohnerin.

Bei den Anwohnern der B12 macht sich dagegen Erleichterung bemerkbar. Viele erhoffen sich durch den raschen Weiterbau der Autobahn eine Entlastung, weil zwei Verkehrsstraßen nun für den immensen Fernlastverkehr zur Verfügung stehen.

2011 wurde der erste Abschnitt, Forstinning-Pastetten, freigegeben. Der letzte Abschnitt Pastetten-Heldenstein – 33 Kilometer lang, mit 56 Brücken – ist jetzt fertig und ab morgen befahrbar.