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75 Jahre Nürnberger Prozesse: Meilenstein des Völkerstrafrechts | BR24

© BR/Lorenz Storch

Vor 75 Jahren, am 20. November 1945, hat in Nürnberg der Prozess gegen die Nazi-Kriegsverbrecher die Grundlagen für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus gelegt - und für das Völkerstrafrecht.

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75 Jahre Nürnberger Prozesse: Meilenstein des Völkerstrafrechts

Vor 75 Jahren, am 20. November 1945, hat in Nürnberg der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Naziregimes begonnen. Der Prozess hat Grundlagen für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus gelegt – und für das Völkerstrafrecht.

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Am Ende des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher standen zwölf Todesurteile – unter anderem gegen den prominentesten Angeklagten, Hitlers Reichsmarschall Hermann Göring. Langjährige und lebenslange Haftstrafen wurden ebenfalls verhängt - es gab aber auch Freisprüche. Vor allem den Vereinigten Staaten unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt war es wichtig, mit den Verbrechern des Nazi-Regimes nicht nach Standrecht zu verfahren, sondern ihnen einen ordentlichen Prozess zu gewähren.

"Der bedeutendste Prozess aller Zeiten"

"Es handelt sich um den bedeutendsten Prozess aller Zeiten", urteilt Axel Fischer, Mitarbeiter des Memoriums Nürnberger Prozesse. Denn hier, im Nürnberger Schwurgerichtssaal 600, haben die alliierten Mächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich eine Grundlage für das moderne Völkerstrafrecht gelegt.

Bemerkenswert ist zum einen, dass der Militärgerichtshof international zusammengesetzt war. Die Alliierten konnten sich trotz aller Spannungen beim Hauptkriegsverbrecherprozess auf einen gemeinsamen Rahmen einigen – die Folgeprozesse liefen dann allerdings unter US-Regie.

Auch Staaten können verbrecherische Organisationen sein

Vor allem aber mussten sich erstmals in der Weltgeschichte führende Repräsentanten eines Staates für ihre Verbrechen vor einem internationalen Gericht verantworten. Zum ersten Mal wurde staatliches Handeln als verbrecherisches Handeln festgemacht.

Die individuellen Taten der Angeklagten wurden als der Bestandteil eines größeren Ganzen begriffen. Und damit wurde juristisch anerkannt, dass auch Staaten verbrecherische Organisationen sein können.

Grundlage für den internationalen Strafgerichtshof

Die damals entwickelten juristischen Prinzipien bildeten seit den 1990-er Jahren die Grundlage etwa für die internationalen Gerichtshöfe nach dem Jugoslawien-Krieg und dem Völkermord in Ruanda. Und sie sind auch die Grundlage für den 2002 gegründeten permanenten Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Das internationale Gericht in Nürnberg entwickelte 1945 die sogenannten "Nürnberger Prinzipien", nach denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen den Frieden und Kriegsverbrechen nach Völkerrecht strafbar sind – auch wenn das nationale Recht hierfür keine Strafe androht. Diese Prinzipien sind auch in die UN-Charta eingegangen und seither Bestandteil des Völkerrechts.

Wichtiges Quellenmaterial für Historiker

Sehr wichtig war die umfangreiche Beweisaufnahme des Nürnberger Gerichts auch für Historiker. Schon während die Kämpfe noch anhielten, sammelten die Alliierten Beweismittel unterschiedlichster Art, vor allem amtliche Dokumente des NS-Staats. Für den Hauptkriegsverbrecherprozess wurden die Dokumente systematisiert, übersetzt und zugänglich gemacht. Ein Fundus, von dem die Geschichtswissenschaft bis heute zehrt – unschätzbar auch für die Aufarbeitung dieses Teils der deutschen Geschichte.

Bundesrepublik begnadigt viele NS-Verbrecher später

Der "Hauptkriegsverbrecherprozess" gegen die 24 Hauptangeklagten begann am 20. November 1945 und endete am 1. Oktober 1946. Die restlichen zwölf Nachfolgeprozesse fanden zwischen 1946 und 1949 vor amerikanischen Militärgerichten statt. Hochrangige Mediziner, Juristen, Industrielle, SS- und Polizeiführer, Angehörige des Militärs, Beamte und Diplomaten standen vor Gericht.

Auch hier gab es neben Freisprüchen und Haftstrafen auch Todesurteile, die jedoch nur teilweise vollstreckt wurden. Insgesamt wurden in den Nürnberger Prozessen 209 Personen angeklagt und verurteilt. Durch Begnadigungen in den 1950er Jahren wurden jedoch viele der verurteilten NS-Verbrecher vorzeitig aus der Haft entlassen.

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