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75 Jahre Nürnberger Nachrichten | BR24

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Vor 75 Jahren, am 11. Oktober 1945, erschien die erste Ausgabe der Nürnberger Nachrichten. Heute ist die Tageszeitung mit ihren regionalen Teilausgaben eine der größten Regionalzeitungen Deutschlands.

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75 Jahre Nürnberger Nachrichten

Am 11. Oktober 1945 erschien die erste Ausgabe der Nürnberger Nachrichten. Die US-Militärregierung hatte die neue Zeitung nach dem Krieg unter der Lizenznummer 3 genehmigt. Die "NN" entwickelte sich zur auflagenstärksten Zeitung in Franken.

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Die Mitarbeiter der Nürnberger Nachrichten schreiben ihre Artikel in den ersten Jahren nicht in Nürnberg. Und sie drucken sie auch nicht dort. Im völlig zerbombten Nürnberg gibt es nämlich keine funktionierende Druckerei. Die findet der Verleger Joseph Eduard Drexel in Zirndorf. Also wird die Kleinstadt im Landkreis Fürth zum ersten Sitz von Verlag und Redaktion.

Verleger wirbt entschieden für Aufbau einer Demokratie

Der gebürtige Münchner Joseph Eduard Drexel gehörte während der NS-Zeit dem Widerstandskreis um Ernst Niekisch an. Er überlebte die Inhaftierung in den Konzentrationslagern Mauthausen und Flossenbürg. In seinem ersten Leitartikel der Nürnberger Nachrichten bekennt er sich leidenschaftlich zur Demokratie. Sich um ihren Aufbau zu drücken, sei keinem Volke gestattet, schreibt er - auch nicht dem deutschen.

Ab 1952 werktägliche Ausgabe

Bis die Tageszeitung wirklich täglich erscheinen kann, dauert es. Denn in den Nachkriegsjahren herrscht langanhaltender Papiermangel, weshalb die Nürnberger Nachrichten zunächst nur zweimal pro Woche erscheinen. Erst ab 1952 kommt die Zeitung an allen sechs Werktagen heraus und legt immer weiter an Umfang zu. Ab 1949 berichten die Nürnberger Nachrichten aus den Städten Nürnberg, Fürth und Erlangen und aus den angrenzenden mittelfränkischen Landkreisen.

1949 Verlagsumzug ins ehemalige "NS-Gauhaus"

Es ist dasselbe Jahr, in dem Joseph Eduard Drexel das Pressehaus nach Nürnberg verlegen kann: mitten in die Stadt, direkt in das ehemalige "NS-Gauhaus", wo Adolf Hitlers berüchtigter Hetzer Julius Streicher das antisemitische Agitationsblatt "Stürmer" herausbrachte. In Streichers vormaligem Arbeitszimmer nimmt nun ein Widerständler des Nazi-Regimes Platz.

Verleger Bruno Schnell macht Zeitung ertragreich

Über die Jahrzehnte etablieren sich die Nürnberger Nachrichten als linksliberale Zeitung, die bis Mitte der 1990er-Jahre stetig wächst. 1994 erreichen die NN mit 315.000 verkauften Exemplaren ihren Höchststand. Den Grundstein dafür hat der langjährige Verleger Bruno Schnell gelegt. Er übt bereits 1956 als Prokurist des Verlags prägenden Einfluss auf die Geschicke des Zeitungshauses, das er nach Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft als persönlich haftender Gesellschafter führt. Ihm gelingt es, die Werbeerlöse und die Wirtschaftlichkeit des Verlags enorm zu erhöhen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein Konzept, das als "Nürnberger Modell" in die Mediengeschichte eingegangen ist.

Mantelteil für Lokalzeitungen

Schnell bietet kleinen Lokalzeitungen in Mittel- und Oberfranken an, den Mantelteil der Nürnberger Nachrichten zu übernehmen. Und das mit dem bisherigen Lokalzeitungsnamen als Titel. Den beigelegten Lokalteil können die jeweiligen Heimatverleger von ihren Redaktionen unverändert weiter erstellen lassen. Rund zwanzig Einzelzeitungen lassen sich darauf ein. Auch einige in der Oberpfalz. Sie werden damit von den hohen Kosten für eine Gesamtausgabe entlastet.

Ein Verlag, zwei politische Richtungen

1981 holt Verleger Bruno Schnell die traditionsreiche "Nürnberger Zeitung" unter das Dach seines Verlages. Das Blatt erschien bis dahin lediglich in Nürnberg und wurde deshalb für große Anzeigenkunden zunehmend unattraktiv. Mit dem Wechsel in den NN-Verlag profitiert die Nürnberger Zeitung vom großen Verbreitungsgebiet. Und das Verlagshaus bietet damit seither Tageszeitungen mit zwei politischen Richtungen an: die angestammten linksliberalen Nürnberger Nachrichten und die konservative Nürnberger Zeitung mit vielen Themen aus dem religiös-kirchlichen Bereich.

Fall Mollath aufgedeckt

Zu den größten publizistischen Erfolgen in der jüngeren Vergangenheit der NN gehört der bundesweit bekannt gewordene Fall Gustl Mollath. Die Nürnberger Nachrichten decken ein Fehlurteil der Justiz auf, das den Nürnberger Gustl Mollath knapp sieben Jahre zu Unrecht in die geschlossene Psychiatrie brachte. Sein Gerichtsverfahren um eine mutmaßliche Misshandlung seiner Frau wird neu aufgerollt. Das Urteil wird aufgehoben und Gustl Mollath freigesprochen. Die Bayerische Staatsregierung reagiert mit einer Gesetzesänderung, mit der die Hürden für richterliche Einweisungen in die Psychiatrie erhöht werden.

Veränderungen fordern die Nürnberger Nachrichten heraus

Heute wird der Verlag von den beiden Töchtern des verstorbenen Bruno Schnell geführt: Bärbel Schnell und Sabine Schnell-Pleyer. Sie leiten einen unabhängigen Verlag, der bis heute zu keinem Medienkonzern gehört. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit dem Geschäftsführer und den Chefredakteuren den Strukturwandel zu meistern, den die fortschreitende Digitalisierung mit sich bringt. Aktuell setzt auch die Corona-Pandemie den Nürnberger Nachrichten wirtschaftlich zu. Es gibt weniger Inserenten und wegen verbreiteter Kurzarbeit und Jobverlusten in der Leserschaft auch weniger Abonnenten.

"Horch amol"

An Innovationskraft scheint es den Nürnberger Nachrichten jedoch nicht zu fehlen. Erst im vergangenen Jahr setzte die Zeitung einen weitreichenden Relaunch um. Die Onlineausgabe der Zeitung wurde technisch weiterentwickelt. Und die verlagseigene Internetseite "nordbayern.de", die es bereits seit 1995 gibt, wird immer weiter ausgebaut. Neben einem Blog und einem Leserforum findet sich dort zum Beispiel auch ein Podcast mit dem fränkischen Namen "Horch amol", hochdeutsch "Hör mal!". Leitende Redakteurinnen und Redakteure befragen darin einmal wöchentlich interessante Köpfe aus der Region.

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Wie kann ein moderner und leistungsstarker Lokaljournalismus im digitalen Zeitalter überleben? Beispiele der "Nürnberger Nachrichten" und der "Main-Post" in Würzburg zeigen, wie es geht.