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75 Jahre Befreiung: Gedenken und Appell im ehemaligen KZ Dachau | BR24

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Zum Gedenken an die Befreiung des Dachauer Konzentrationslagers vor 75 Jahren haben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner Kränze niedergelegt.

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75 Jahre Befreiung: Gedenken und Appell im ehemaligen KZ Dachau

Beim Gedenken an die Befreiung des KZ Dachau vor 75 Jahren hat Ministerpräsident Söder gefordert, frühzeitig gegen rechtsextreme Tendenzen einzutreten. Das Grauen des Nationalsozialismus habe auch mit vielen kleinen Schritten begonnen.

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Von
  • Axel Mölkner-Kappl
  • Matthias Lauer

Es war das erste Konzentrationslager der Nazis: Das KZ in Dachau wurde schon kurz nach Hitlers Machtergreifung errichtet. Etwa 41.500 Menschen fanden hier den Tod.

Mit einer Kranzniederlegung gedachte Bayerns Staatsregierung heute Vormittag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 75 Jahren. Vor Ort waren Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Gabriele Hammermann und der Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten Karl Freller.

Söder warnt vor Unterschätzung der Rechten

Ministerpräsident Markus Söder forderte, frühzeitig rechtsextremen Tendenzen einzutreten. Das Grauen des Nationalsozialismus habe auch mit vielen kleinen Schritten begonnen.

"Es vollzog sich ganz leise und dann später mit einem großen Schlag, nur weil viele es unterschätzt und nicht wahrgenommen haben und weil viele der Meinung waren, so schlimm wird es schon nicht sein." Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident

Dachau sei eine Mahnung zum Einsatz gegen Hass, Fanatismus und Antisemitismus, sagte Söder.

Aigner: Kampf gegen Rassismus noch entschlossener führen

Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner legte einen Kranz nieder. Sie beklagte ein: "Wir haben das Versprechen 'Nie wieder!' nicht halten können. Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus – Verachtung in vielerlei Formen treten öfter und offener zutage."

Aigner betonte, es sei nun an der Zeit, das Versprechen zu erneuern. "Wir müssen den Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit noch entschlossener führen - auf den Straßen, an den Stammtischen, auf den Sportplätzen und auch in Parlamenten - überall, wo uns Hass begegnet."

KZ Dachau als SS-Ausbildungslager

Bereits am 22. März 1933 waren die ersten politischen Gegner der Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Dachau verschleppt worden. Bis zur Befreiung zwölf Jahre später wurde es von den Nationalsozialisten durchgängig betrieben und diente auch als Ausbildungsort der SS. Denn Dachau war das erste dauerhafte, große Lager der Nazis, die dort SS-Soldaten auf das Töten vorbereiteten.

© picture alliance / Revierfoto/Revierfoto/dpa

Zaun mit Lampe

Hunger, Folter, medizinische Experimente

Von März 1933 bis 1945 saßen hier mehr als 200.000 Menschen aus ganz Europa in Haft, unter ihnen Kommunisten, Sozialdemokraten, Priester, Juden, Zeugen Jehovas, Roma und Sinti sowie Homosexuelle. Auch Widerstandskämpfer wie der gescheiterte Hitler-Attentäter Georg Elser waren hier eingesperrt. Etliche Häftlinge wurden für medizinische Experimente missbraucht. Laut KZ Gedenkstätte Dachau starben dort mindestens 41.500 Menschen - an Hunger, Krankheiten, Folter, Mord und den Folgen der Haft.

© BR/Thies Marsen

Heute vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager Dachau durch Truppen der US-Armee befreit. Doch aufgrund der Corona-Pandemie mussten die geplanten Feierlichkeiten zu diesem Jahrestag heuer abgesagt werden.

Amerikaner finden tausende Häftlinge und viele Leichen

US-amerikanische Soldaten hatten in Dachau am 29. April 1945 mehr als 30.000 Menschen befreit, die in dem Lager inhaftiert waren. Neben den entkräfteten und ausgezehrten Häftlingen fanden die Soldaten auch viele Tote.

© picture alliance / Sven Simon

Gedenkstätte Konzentrationslager Dachau

Gedenken via Internet

Die geplanten Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Befreiung mit überlebenden Häftlingen und Befreiern der US-Army mussten wegen der Coronakrise abgesagt werden.

Die evangelische und katholische Kirche gedenken der Befreiung mit einer ökumenischen Andacht. Sie fand am Montag in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem einstigen Gelände des Häftlingslagers statt und wird in voller Länge zur Stunde der Befreiung am Mittwoch gegen 17 Uhr als Video via Internet veröffentlicht. Außerdem werden ab kommenden Sonntag auf der Homepage der KZ-Gedenkstätte Grußworte, Videos und Dokumente der Überlebenden veröffentlicht.

© BR/Moritz Steinbacher

Beim Gedenken an die Befreiung des Dachauer Konzentrationslagers vor 75 Jahren hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefordert, frühzeitig gegen rechtsextreme Tendenzen einzutreten.

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