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Nach Arbeitsende legt der Würzburger Sven Sittler regelmäßig eine lange Strecke durch seine Heimatstadt zurück. Der 32-Jährige ist nebenberuflicher Fahrradkurier, fährt in einer Schicht bis zu 60 Kilometer - und das mit zwei Beinprothesen.

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60 Kilometer durch Würzburg: Fahrradkurier mit Beinprothesen

Nach Arbeitsende legt der Würzburger Sven Sittler regelmäßig eine lange Strecke durch seine Heimatstadt zurück. Der 32-Jährige ist nebenberuflicher Fahrradkurier, fährt in einer Schicht bis zu 60 Kilometer – und das mit zwei Beinprothesen.

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  • Josef Lindner
  • Franziska Drexler

"Ja, ich komme vorbei. Das schaffen wir.", sagt Sven Sittler und gibt Gas. Ein eiliger Auftrag ist reingekommen. Blutproben müssen zur Missioklinik in Würzburg. Rund acht Kilometer Strecke liegen vor ihm. Und die meistert er mit zwei Beinprothesen. Sven Sittler ist einer der schnellen Kuriere, sagen seine Kollegen über ihn.

Ein Fahrradkurier mit Beinprothesen fällt auf

Von Geburt an fehlt Sven der rechte Unterschenkel, sein linkes Bein ist verkürzt. Wenn er durch Würzburg fährt, spürt Sven Sittler die Blicke der Passanten. Ein Fahrradkurier mit zwei Beinprothesen ist nicht alltäglich. Die Reaktionen stören den 32-Jährigen nicht – er hat sich daran gewöhnt. "In der Regel sind sie selten negativ, sondern erstaunt, ja bewundernd (…)", stellt der Fahrradkurier fest.

Ein Leben mit Beinprothesen muss nicht einschränken

Auf dem Fahrrad fühlt sich Sven Sittler am wohlsten. Das Laufen strengt ihn mehr an. Seine erste Prothese bekam der Würzburger mit zwei Jahren. So konnte er die Grundschule besuchen, obwohl es dort keinen Aufzug gab. Es folgten die Regelschule, schließlich das Abitur. Einfach war es nicht immer. Seine Mitschüler machten sich über ihn lustig. Aber auch das formte seinen Charakter, erzählt Sven. Jetzt will er anderen Menschen mit Prothese Mut machen.

Der Leidensweg seiner Patienten ist für ihn nachvollziehbar

Sven Sittler studierte Politik, Soziologie und Geschichte. Er entschied sich schließlich, das Studium abzubrechen und machte eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker. Seitdem unterstützt er andere, denen ebenfalls Gliedmaßen fehlen. Er selbst hat etliche Operationen hinter sich. Alleine an der Hüfte wurde er als Kind fünfmal operiert.

Nach Feierabend geht's aufs Fahrrad

Zwei bis dreimal die Woche ist Sven Sittler als Fahrradkurier in Würzburg unterwegs. Der Nebenjob ist sein Fitnesstraining. Außerdem spielt er für Rosenheim in der 3. Liga Rollstuhlbasketball. Der 32-Jährige geht gern an seine Grenzen. Vor fünf Jahren fuhr er mit dem Fahrrad bis nach London. Gemeinsam mit seinem Bruder legte er rund 1.000 Kilometer in sieben Tagen zurück, um die Schwester zu besuchen. Sven Sittler ist überzeugt: "Mit modernen Prothesen ist viel mehr möglich, als oft gedacht."

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