Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

60 Jahre Bund der Vertriebenen in Bayern | BR24

© BR/Katrin Bohlmann

Vor 60 Jahren hat sich der Bund der Vertriebenen (BdV) in Bayern gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben rund zwei Millionen Vertriebene und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und Osteuropa im Freistaat eine neue Heimat gefunden.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

60 Jahre Bund der Vertriebenen in Bayern

Vor 60 Jahren hat sich der Bund der Vertriebenen (BdV) in Bayern gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben rund zwei Millionen Vertriebene und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und Osteuropa im Freistaat eine neue Heimat gefunden.

Per Mail sharen
Teilen

Viele Deutsche haben Wurzeln in Osteuropa: So kommen Thomas Gottschalks Eltern aus Schlesien, Peter Maffays aus Siebenbürgen und Helene Fischers Eltern sind Russlanddeutsche. Laut dem Bund der Vertriebenen (BdV) haben in Bayern rund 40 Prozent heute noch einen familiären Hintergrund in den früheren deutschen Gebieten wie Ostpreußen, Pommern und Schlesien sowie in der Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien.

Rund zwei Millionen Vertriebene und Flüchtlinge sind nach 1945 nach Bayern gekommen. Der Bund der Vertriebenen ist für viele von ihnen eine kulturelle Heimat geworden. Heute feiert der BdV sein 60-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Münchner Residenz.

Rund 80.000 Mitglieder in Bayern

Lange Zeit hielten die Vertriebenen eine Rückkehr in ihre alte Heimat für möglich. Um sich ein "Stück Heimat in der Fremde" zu bewahren, wie es der bayerische BdV-Landesvorsitzende Christian Knauer nennt, hatten sich die zahlreichen Landsmannschaften am 5. Dezember 1959 zum Bund der Vertriebenen in Bayern zusammengeschlossen. Seitdem ist der BdV der Dachverband der heute 18 landsmannschaftlichen Gruppen und Verbände. Er ist das Sprachrohr für die Vertriebenen und Spätaussiedler in Bayern, auf Landes- und Bundesebene. Er hilft, berät und unterstützt seine rund 80.000 Mitglieder.

Offiziell setzt sich der BdV für die in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 6. August 1950 formulierten Ziele ein wie Recht auf Heimat, Weiterentwicklung des Minderheitenschutzes, Toleranz und Meinungsvielfalt.

Aufgaben des BdV haben sich in den 60 Jahren gewandelt

Die Aufgaben und Ziele des Bundes der Vertriebenen haben sich in den vergangenen 60 Jahren sehr verändert.

"In den ersten Jahrzehnten standen vor allem sozial- und heimatpolitische Themen im Vordergrund wie Integration und Lastenausgleich, später seit 1990 waren es Fragen der Aussiedler- und Spätaussiedleraufnahme und des Minderheitenschutzes." Christian Knauer, BdV

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der BdV ein anderes, höheres Ansehen erarbeitet, so der 67-jährige ehemalige bayerische Landtagsabgeordnete. Seit zwanzig Jahren leitet er den Bund der Vertriebenen in Bayern. "Wir sind heute nicht mehr die der Ewiggestrigen.", bilanziert Knauer. Der Blick geht also nach vorne. So setzt sich der BdV für ein geeintes und friedliches Europa ein. In dem Zusammenhang hat der Bund der Vertriebenen auch eine Brückenfunktion übernommen.

"Junge Menschen und Intellektuelle in den osteuropäischen Staaten interessieren sich für die Geschichte der vertriebenen Deutschen. Sie wissen, dass die These: 'Die Vertriebenen sind mit Hitler gekommen, also ist es folgerichtig, dass sie mit Hitler aus dem Land gedrängt wurden', falsch ist." Es gibt keine Tabus mehr, über die Geschichte zu reden.

Nationaler Gedenktag und Sudetendeutsches Museum

Stets unterstützt wurde der BdV von der bayerischen Staatsregierung. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern stieg die finanzielle Unterstützung in den vergangenen Jahren. Vor 20 Jahren waren es noch 180.000 DM, im laufenden Jahr hat der Freistaat eine Finanzspritze von 230.000 Euro gegeben.

Auch auf Bundesebene hat der BdV seinen politischen Einfluss geltend gemacht. So konnte er folgende Forderungen durchsetzen: Die Einführung eines nationalen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung und eine symbolische Entschädigung der deutschen Zwangsarbeiter. Außerdem hat der Bund der Vertriebenen erreicht, dass in München derzeit das Sudetendeutsche Museum gebaut wird.

Aktuell kämpft der Bund der Vertriebenen für eine Rentenerhöhung der Spätaussiedler. Die CSU hat eine entsprechende Initiative im Februar in den Bundesrat eingebracht. Außerdem betreibt der BdV seit den 70er Jahren eine Migrationsberatung.

Landesvorsitzender Knauer: "Junge Menschen haben Fragen zur Vertreibung"

Die sogenannte Erlebnisgeneration, die den Zweiten Weltkrieg und die Folgen erlebt hat, stirbt langsam aus. "Aber die Fragen zur Vertreibung, die Fragen nach der eigenen Identität werden niemals aufhören", ist sich der bayerische BdV-Landesvorsitzende Christian Knauer sicher: "Dieser Teil der deutschen Geschichte darf niemals vergessen werden."

Das Interesse an der Kultur der ehemaligen deutschen Ostgebiete wachse sogar, da eine neue Generation herangewachsen sei, die nicht mehr durch die Vergangenheit belastet ist. So engagieren sich junge Menschen in den vielen Trachtentanz- und Chorgruppen der Landsmannschaften. Der Landesvorsitzende Knauer ist zuversichtlich, dass der Bund der Vertriebenen auch zukünftig viel zu tun hat.