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So schlecht steht es um den Nachwuchs in der Wasserversorgung | BR24

© Deutscher Verein des Gas- und Wasserfachs

Jörn-Helge Möller, Geschäftsführer der bayerischen Landesgruppe des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs

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    So schlecht steht es um den Nachwuchs in der Wasserversorgung

    In Bayern kommen auf 3.300 Wasserversorger nur 60 Azubis – viel zu wenig. Noch kaum jemand kennt den Beruf des Wasserversorgungstechnikers, dabei warten in der Branche prächtige Jobperspektiven.

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    "Wir brauchen mehr Fachkräfte", sagt Jörn-Helge Möller, Geschäftsführer der bayerischen Landesgruppe des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs. Im Interview erzählt er von den Berufsbildern und Herausforderungen in der Wasserversorgung.

    Herr Möller, was passiert, wenn eine Stelle unbesetzt bleibt? Kommt dann irgendwann kein Wasser mehr aus dem Hahn?

    Nein. Es gibt genug angelernte Kräfte, die sich um unsere Wasserversorgung kümmern. Aber ihre Qualifikation erfüllt nicht mehr wirklich die Anforderungen der Trinkwasserverordnung und der technischen Regeln. In den letzten 20 Jahren wurde der Nachwuchs da nicht planmäßig ausgebildet und herangezogen.

    Die Zahl der Auszubildenden ist zwar in den letzten Jahren schon etwas besser geworden - früher hatten wir zwischen 15 und 25 Azubis pro Jahr in Bayern. Mittlerweile sind wir bei 50 bis 60 Azubis pro Jahr angekommen. Aber auch das ist weit unter dem Bedarf der Wasserversorger in Bayern.

    Wie hoch ist denn der Bedarf?

    Den Bedarf kann man gar nicht so genau beziffern. Wir haben jetzt erst die kleineren Wasserversorger soweit sensibilisiert, dass sie anstatt einem angelernten Wasserwart eine Fachkraft für Wasserversorgungstechnik einstellen.

    Der Wasserversorgungstechniker im Vergleich zum Wasserwart, was sind da die Unterschiede?

    Wasserwart ist kein Beruf, sondern eine angelernte Tätigkeit, die man nach einem mehrwöchigen Kurs beginnen kann. Die Tätigkeit ist eigentlich nur dazu geeignet, Hilfsarbeiten in der Wasserversorgung durchzuführen. Den sogenannten Wasserwarten ist aber oft die gesamte Führung eines Wasserwerkes übertragen worden. Die Kollegen werden teilweise über die Wasserwerksnachbarschaften unterstützt, sodass sie ihre angelernte Tätigkeit mit der Zeit auch entsprechend ausführen können. Aber die Grundlagen, die eine Fachkraft für Wasserversorgungstechnik lernt, sind dort leider nicht vorhanden.

    Wie lange gibt es denn den Beruf der Fachkraft für Wasserversorgungstechnik schon?

    Der Beruf hieß früher Ver- und Entsorger mit Schwerpunkt Wasserversorgung, denn man war auch für das Abwasser zuständig. Vor zehn Jahren wurde er umbenannt, zu Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. Den Ausbildungsberuf gibt es also schon länger und auf dem Bereich der Abwassertechnik ist er auch weit verbreitet. Aber gerade aber auf Seite der Wasserversorgung müssen Gemeinden immer wieder auf nicht ausgebildete Kräfte zurückgreifen.

    Was kann man dagegen tun?

    Es bräuchte mehr Ausbilder. Gerade die kleinen Wasserversorger haben häufig nicht die Kapazitäten. Die größeren Wasserversorger bilden schon selbst aus, aber in der Regel nur für ihren eigenen Bedarf. Wir haben eine Aktion, dass mehrere Wasserversorgungsunternehmen sich zusammentun und einen gemeinsamen Wasserversorgungstechniker ausbilden.

    Aber man muss auch Nachwuchsarbeit machen. Denn der Beruf ist bei jungen Menschen so gut wie unbekannt. Gerade die kleinen Wasserversorger rekrutieren ihre Kräfte häufig aus dem Handwerk, statt auf Schulabgänger zuzugehen.

    Warum sollte man Wasserversorgungstechniker werden?

    Der Job ist etwas für Leute, die sich für Umwelt und Technik interessieren, gerne in der Natur sind und etwas für die Bevölkerung tun möchten.

    Man hat viel Kontakt mit den Kunden. Man muss denen auch mal erklären, warum mal eine Stunde kein Wasser kommt – das ist teilweise schon eine Herausforderung.

    Was sollte man für den Beruf mitbringen?

    Zuallererst braucht man einen Schulabschluss. In den naturwissenschaftlichen Fächern (Mathe, Physik) sollte man gute Grundlagen haben, denn die Anforderungen an das Wasser steigen immer mehr. Man muss chemische und physikalische Zusammenhänge verstehen und sich auch in Elektrotechnik auskennen, weil ohne Storm geht heute nichts mehr.

    Was gibt es denn für Aufstiegsmöglichkeiten?

    Die Fachkraft kann zwei Wege einschlagen, wenn sie sich weiterbilden möchte: Das eine ist die Meisterqualifikation. Meister werden in allen Bereichen händeringend gesucht, weil wir sehr viele Wasserversorgungsunternehmen haben – allein in Bayern 3300, das ist die größte Anzahl an Wasserversorgern in ganz Deutschland.

    Die Fachkraft kann aber auch an eine Hochschule gehen und beispielsweise Versorgungstechnik studieren. Damit kann sie in großen Unternehmen bis zur technischen Geschäftsführung alle Stufen der Verantwortung erklimmen. Bei den Stadtwerken München oder bei der Energie in Nürnberg beispielsweise gibt es sehr interessante Positionen.