BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© BR / Tom Pösl
Bildrechte: BR / Tom Pösl

Pest und Corona: Beides Pandemien mit starken Einschränkungen für die Menschen, heute und vor 500 Jahren.

27

    500 Jahre Abstand, ähnliche Regeln: Pest und Corona in Augsburg

    Die eine Seuche war im Mittelalter, die andere wütet gerade: Im Stadtarchiv ist dokumentiert, wie Augsburg 1592 mit der Pest umging. Die Vorschriften sind den Corona-Regeln von heute verblüffend ähnlich.

    Von
    Thomas PöslThomas PöslAnna KleinAnna Klein
    27

    Maßnahmen wie Kontaktverbot und Lockdown kennt Augsburg nicht erst seit der Corona-Pandemie. Das verrät ein Blick ins Stadtarchiv. Dort ist unter anderem die Pestordnung aus dem Jahr 1592 archiviert. Sie zeigt Parallelen zwischen heute und damals auf.

    Infektionsschutzregeln anno dazumal

    "Erstaunlicherweise unterscheiden sich die Maßnahmen während der Pest kaum von den Ordnungen, die uns heute auferlegt werden", so Stadtarchivarin Andrea Walser. Zwar kannte man laut Walser den medizinischen Grund für die Pest nicht in der Form, wie man heute über das Coronavirus Bescheid weiß. Jedoch habe man erkannt, dass Kontaktbeschränkungen helfen können.

    Kontaktverbot war schon 1592 eine gute Idee

    "Die Pestordnung weist eine Vielzahl von Maßnahmen auf, die uns gar nicht so fremd erscheinen: Tanzverbot, Kontaktverbot", sagt die Stadtarchivarin über das Dokument. "Es ruft die Hausväter dazu auf, ihre Hausgenossen zu Kontaktbeschränkungen anzuhalten. Es untersagt den Gang auf die Gemeinde zur Erledigung von Geschäften. Es regelt Hygienevorschriften bei körpernahen Dienstleistungen, also bei Barbieren", so Walser.

    Das Wasser musste besonders geschützt werden

    Ein besonderes Augenmerk richteten die Stadtoberen damals zudem auf das Wassersystem mit den vielen Brunnen, das es rein zu halten galt, so die Stadtarchivarin. "Denn man ging vielfach davon aus, dass sich Seuchen durch verschmutztes Wasser und faulige Gerüche verbreiten. Und so war es wesentlich, gerade in der Stadt Augsburg mit ihrem frühen Wassersystem, dass die Brunnen reingehalten wurden.

    Pestordnungen mussten mehrfach gedruckt werden

    Die Pestordnung im Stadtarchiv ist noch in gutem Zustand, weil sie auf Hadernpapier gedruckt wurde, also auf einem Papier, das nicht aus Holzfasern, sondern aus Textilien besteht. Laut Andrea Walser handelt es sich bei dieser Pestordnung um ein gar nicht so seltenes Dokument. Diese seien weit verbreitet gewesen und wurden zu jeder Pestwelle neu und wiederholt aufgelegt. "Was auch dafür spricht, dass alles nicht so umgesetzt wurde, wie es sich die Obrigkeit vorgestellt hatte", so Walser, "ich war beim Studium des Pestregiments selbst erstaunt, wie massiv die Parallelen in unsere Gegenwart tatsächlich sind."

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

    Sendung

    Mittags in Schwaben

    Schlagwörter