An der Graf-zu-Bentheim-Schule in Würzburg werden blinde Menschen unterrichtet

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50 Jahre Unterricht für mehrfachbehinderte, blinde Kinder

50 Jahre Unterricht für mehrfachbehinderte, blinde Kinder

1972 unterrichtete die Würzburger Blindeninstitutsstiftung erstmals Kinder, die neben Blindheit weitere Behinderungen hatten. Damals war das pädagogisches Neuland. Inzwischen sind Menschen mit mehrfachen Behinderungen in den Einrichtungen üblich.

Als "unbildbar" hätten die fünf Kinder gegolten, die ab 1972 in einer Würzburger Klasse unterrichtet wurden. Sie waren nicht nur blind, sondern hatten zusätzliche Behinderungen. Dass sie nun gemeinsam eine Klasse besuchten, war damals einzigartig in Deutschland, sagt Johannes Spielmann, Vorstand der Blindeninstitutsstiftung. Diesen Anlass hat die Stiftung nun bei einem Festakt gefeiert. 50 Jahre sind seit 1972 vergangen.

Stiftung dachte bereits über Auflösung nach

Die Entscheidung Kinder mit mehrfachen Behinderungen an der damaligen "Blindenschule" zu unterrichten, gilt für die bereits 1853 gegründete Stiftung bis heute als "zweite Gründung". In den Jahren vor 1970 war die Zahl der Schüler auf 16 geschrumpft. Das Bayerische Kultusministerium jedoch forderte mindestens vier Klassen. "Der Vorstand stand damals vor der Entscheidung, ob die Stiftung aufgelöst oder weitergeführt werden soll", erinnert sich Hans Neugebauer, ehemaliger stellvertretender Direktor.

Die Stiftung ging ihrerseits in die Offensive. Seit 1969 besuchten neben blinden erstmals auch sehbehinderte Kinder die Würzburger Schule. 1972 folgten die ersten Kinder mit mehrfachen Behinderungen. Eine Entscheidung mit Signalwirkung: Kurz darauf kamen Anfragen aus dem gesamten Freistaat und Bundesgebiet, so Neugebauer. Denn bis dahin sei das ein Novum gewesen in Deutschland. Viele Pädagogen hätten es damals nicht für möglich gehalten, dass blinde und sehbehinderte Kinder mit zusätzlichen Behinderungen unterrichtet werden können.

Festakt im Blindeninstitut in Würzburg

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Blindeninstitut ehrt Politikerin Barbara Stamm

Heute nutzen etwa 5.000 Menschen in acht Städten in Bayern und Thüringen die Angebote der Blindeninstitutsstiftung. Die meisten davon haben nach Angaben der Verantwortlichen eine Mehrfachbehinderung. "Ich spreche Ihnen meinen tiefempfundenen Dank aus", sagte Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, beim Festakt in Richtung der Verantwortlichen.

Im Rahmen der Veranstaltung erhielt die ehemalige Bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) die "Graf-zu-Bentheim-Medaille in Gold". Dabei handelt es sich um die höchste Auszeichnung der Stiftung, benannt nach ihrem Gründer. Stamm unterstützt die Stiftung seit vielen Jahren. Als Sozialpolitikerin setzte sie sich immer wieder für die Belange des Blindeninstituts ein.

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