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50 Jahre Seenland: Ein Jahrhundertprojekt feiert Jubiläum | BR24

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Am 16. Juli 1970 gab der Bayerische Landtag "grünes Licht" für das Fränkische Seenland. Heute sind die sieben künstlich erschaffenen Seen eines der bedeutendsten Naherholungsgebiete in Franken.

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50 Jahre Seenland: Ein Jahrhundertprojekt feiert Jubiläum

Das Fränkische Seenland feiert sein 50-jähriges Jubiläum. Denn am 16. Juli 1970 stimmte der Bayerische Landtag einstimmig dem Antrag des ehemaligen Gunzenhausener CSU-Abgeordneten Ernst Lechner für das riesige Bauprojekt von Stauseen zu.

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Von
  • Laura Grun

Zum Fränkischen Seenland gehören der Altmühlsee, der Große und der Kleine Brombachsee, der Igelsbachsee, der Rothsee, der Hahnenkammsee und der Dennenloher See. Allen gemein: Sie sind nicht natürlich, sondern von Menschenhand erschaffen worden. Geplant wurden sie, um Vorsorge gegen Wasserknappheit im nördlichen Bayern, zu treffen.

Trockenen Norden Bayerns mit Wasser versorgen

In Franken regnet es im Jahresmittel deutlich weniger als in Südbayern. Zudem werden die nordbayerischen Flüsse nicht durch Schmelzwasser aus den Alpen gespeist. Um Franken, vor allem den Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen, Würzburg und auch Schweinfurt zukünftig mit genügend Wasser versorgen zu können, wurde das Seenland geplant und umgesetzt.

Donau und Altmühl liefern 150 Millionen Kubikmeter Wasser

Nun gelangen rund 150 Millionen Kubikmeter Donau- und Altmühlwasser jedes Jahr über das Fränkische Seenland in Regnitz und Main. Dafür gibt es zwei voneinander unabhängige Systeme: Die Überleitung über den Main-Donau-Kanal und den Rothsee sowie die Brombachseeüberleitung mit dem Großen und Kleinen Brombachsee, dem Igelsbachsee sowie dem Altmühlsee und dem Altmühlüberleiter.

Beide Systeme überwinden die europäische Hauptwasserscheide. Sie verhindern zu niedrige Wasserpegel im Norden und beugen gleichzeitig Überschwemmungen durch Starkregen oder Schneeschmelze im mittleren Altmühltal vor.

Eine Tourismusregion für Jedermann

Der Beschluss, ein riesiges Wasserüberleitungssystem zu erschaffen, legte auch den Grundstein für eine neue Tourismusregion. Schon vor 50 Jahren wurde im Beschlusstext zur Schaffung des Seenlands festgehalten, dass die entstehenden Gewässer und Ufergrundstücke für die Erholung der Bevölkerung zugänglich und in öffentliche Hand überführt werden sollen. Statt Privatgrundstücken am See findet man heute Sandstrände, Liegewiesen, Seezentren und Uferwege, die für alle offen sind.

Zweites Standbein für Landwirte

Bis das Jahrhunderprojekt umgesetzt werden konnte, war es jedoch ein langer Weg. Denn dort, wo später die Stauseen entstehen sollten, hatten Landwirte aus der Region ihre Felder, Mühlen und Bauernhöfe. Das ehemalige Talsperrenneubauamt führte viele Grundstücksverhandlungen, sagt der heutige Geschäftsführer des Fränkischen Seenlands, Hans-Dieter Niederprüm. Er betont, dass alles harmonisch und freiwillig abgelaufen sei. Statt nur auf Landwirtschaft setzten viele Bauern auf ein zweites Standbein im Tourismus und eröffneten Ferienhöfe im Fränkischen Seenland.

Erfolgreiche Tourismusregion

Vor einigen Jahren sagte der ehemalige CSU-Abgeordneten Ernst Lechner überzeugt: "Ich sah damals schon, dass es auf diese Weise möglich sein müsste, eine größere Zahl von Arbeitsplätzen zu schaffen, die es den Menschen ermöglicht, in ihrer Heimat zu bleiben." Dass das Tourismusregion-Konzept funktioniert hat, zeigen die stetig wachsenden Übernachtungszahlen. 2019 wurden knapp 1,1 Millionen Übernachtungen gezählt. Zum Vergleich: Im Jahr 1987 waren es nur 384.553 Gäste.

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