Blick auf den Olympiapark mit seinem markanten Zeltdach.

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50 Jahre Olympiapark: Ein Glücksfall für München

50 Jahre Olympiapark: Ein Glücksfall für München

Die Olympischen Spiele haben München geprägt – auch architektonisch. Bis heute ist der Olympiapark, der am 29. Juni 1972 offiziell ans Olympische Komitee übergeben wurde, markanter Teil der Stadt. Und das wird wohl auch so bleiben.

Wenn Gerhard Häusler an die Olympische Spiele in München zurückdenkt, huscht ein kleines Lächeln über sein Gesicht. Immer wieder sind der damals 16-Jährige und sein Schulfreund in den Olympiapark gefahren, um für ihre Schülerzeitung Interviews mit Besuchern der Olympischen Spiele zu führen.

Olympiapark als kleines Universum

Für Gerhard Häusler war der Olympiapark nicht einfach nur ein Park – es war der Eintritt in ein anderes kleines Universum: "Das Faszinierende war, dass so viele verschiedene Menschen aus der ganzen Welt auf so engem Raum waren." Das habe es in München in der Art damals so nicht gegeben, erzählt Häusler. Über dem Olympiapark mit seiner Hügellandschaft, dem futuristischen Zeltdach und dem See habe eine zauberhafte Stimmung gelegen.

Begeisterung über internationale Atmosphäre

Die beiden Schüler waren von der Atmosphäre und den Menschen aus aller Welt derart begeistert, dass sie immer wieder vom südlichen Münchner Stadtrand in den Olympiapark im Norden fuhren. Gerade am Abend seien es immer mehr Besucher geworden. Viele hätten auf der Wiese gesessen und die Stimmung genossen wie bei einem Festival, erinnert sich der pensionierte Lehrer heute.

Die Architektur des Parks habe zu der Stimmung auf alle Fälle beigetragen, glaubt Häusler. Es sei wie in einer eigenen Landschaft gewesen, ganz anders, als die Stadt sonst war. Genauso hatten es sich die Architekten des Olympiaparks auch vorgestellt, als sie die Spielstätten und das Grün rundum planten, erzählt Regine Keller. Die Professorin für Landschaftsarchitektur an der TU München verwaltet den Nachlass von Günther Grzimek, der die Landschaft des Olympiaparks auf dem Reißbrett entworfen hatte.

Gewagter Behnisch-Entwurf im Architektenwettbewerb

Kurz nachdem die Olympischen Spiele vom IOC 1966 nach München vergeben worden waren, wurde ein Architektenwettbewerb ausgerufen, beim dem Günther Behnisch mit seinem Team einen gewagten Entwurf einreichte: ein die Spielstätten bedeckendes Zeltdach und um die Spielstätten herum sollte ein Park entstehen.

Als Behnisch den Zuschlag bekam, holte er für die Landschaftsarchitektur Günther Grzimek hinzu. Die Idee war, dass die Architektur des Parks und seiner Spielstätten den Grundstein dafür legen sollte, der Welt zu zeigen, dass die Bundesrepublik ein offenes, demokratisches und damit anderes Land geworden war.

Markantes Zeltdach: Statische Innovation

Am markantesten war wohl, so Regine Keller, die Zeltdachkonstruktion, die sich Behnisch bei seinem Architektenkollegen Frei Otto abgeguckt hatte. Der hatte den Deutschen Pavillon bei der Weltausstellung in Montreal im Jahr 1967 erstmals mit einem Zeltdach versehen. Trotzdem wurde in Fachkreisen aufgeregt darüber diskutiert, ob das Olympiazeltdach überhaupt statisch umsetzbar sei. Rund ein Jahr lang, so Keller, mussten die Architekten nachweisen, dass das Zeltdach wirklich konstruierbar sei. Wobei das Problem hinzu kam, dass man eigentlich keine Zeit hatte.

Früher: Flugplatz Oberwiesenfeld am Standort

1968 stand dort, wo sich heute das Grün des Olympiaparks entfaltet, noch der Flugplatz Oberwiesenfeld. Dort landeten im Jahr 1938 der britische Premierminister Chamberlain zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Daladier, um mit Hitler und Mussolini das Münchner Abkommen zu verhandeln.

Auf alten Filmen aus dem BR-Fernseharchiv sieht man noch die Flughafengebäude, die genau dort standen, wo sich heute der See und das Stadion entfalten. Im Hintergrund steht bereits der 1968 fertiggestellte damalige Fernsehturm, der später zum Olympiaturm umbenannt wurde.

Nur vier Jahre später, am 29. Juni 1972, wurde dann mit einer großen Feier in der nagelneuen Olympiahalle der Schlüssel an Willy Daume, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees und Mitglied im Organisationskomitee der Spiele, übergeben. Daume war maßgeblich daran beteiligt, dass die Spiele nach München kamen.

Architektonische und bauliche Glanzleistung

Es sei bis heute eine Glanzleistung, meint Professorin Keller, dass innerhalb dieser kurzen Zeitspanne sowohl die Spielstätten als auch der Park gebaut worden seien. Um einigermaßen große Bäume für die Olympischen Spiele zu haben, ließ Landschaftsarchitekt Grzimek Bäume in Gärfässern der Münchner Brauereien anpflanzen, bis zur Eröffnung wurden es 4.000.

Erinnerungen an Nazi-Olympia 1936 vermeiden

Um Erinnerungen an die Nazi-Spiele von 1936 bestmöglich zu vermeiden, überließen Behnisch, Grzimek und Otl Aicher, der Designer der Spiele von 1972, nichts dem Zufall. So wurden gerade, ebene Linien bestmöglich vermieden. Kaum ein Weg im Münchner Olympiapark ist gerade. Die wellenförmige Silhouette, die von den Hügeln ausgeht, wird von den Bäumen übernommen und geht dann nahtlos auf das Zeltdach des Olympiastadions, der Halle und des Schwimmbads über.

Das Stadion sollte nicht wuchtig in der Landschaft stehen, so wie das Berliner Olympiastadion. Das Münchner Stadion und die weiteren Hallen wurden in die Landschaft eingefasst. Auch ist die Steigung die Zuschauerränge flacher angelegt als normal. Damit ist man zwar weiter weg vom Geschehen in der Wettkampfarena, so Keller, aber eine steilere Bauweise hätte den Nachteil gehabt, dass das Stadion nicht mehr als organischer Teil der Landschaft gewirkt hätte.

Das Geheimnis des Olympiadachs

Die Sitze im Stadion haben vier verschiedene Grüntöne. Steht man im Sommer auf dem Olympiaberg und blickt ins Stadion, merkt man, warum: Die Sitze nehmen so die Grüntöne der Bäume auf.

Einzig die Eissporthalle und den Turm haben die Architekten nicht geplant, beides stand schon vor den Olympischen Spielen in Oberwiesenfeld. Trotz seiner Höhe von 291 Meter wirkt der Turm nicht verloren, sondern als organischer Teil des Parks. Das komme daher, so Landschaftsarchitektin Keller, dass sich das Stadiondach immer wieder zum Turm hinabsenke. "Dem gegenüber steht der Olympiaberg, der ist aber so modelliert, dass er so sanfte Flanken entwickelt, sodass man nicht das Gefühl hat, das ist ein Berg, dort ist ein Turm, dort ist das Dach, sondern alles fließt ineinander", so Keller.

Tücken des Denkmalschutzes

Wegen seiner einzigartigen Architektur sind der Olympiapark und seine Spielstätten seit 1998 denkmalgeschützt. Das ehre zwar auf der einen Seite, doch im praktischen Leben habe der Denkmalschutz seine Tücken, erklärt Marion Schöne mit einem süffisanten Lächeln. Schöne ist die Geschäftsführerin der Olympiapark GmbH.

Als Beispiel nennt sie den Austausch der Flutlichter im Olympiastadion. Die sind, wie so vieles im Park, rund. Nun gibt es aber keine runden LEDs, und damit beginne dann, so Schöne, eine kleine Odyssee, welcher Hersteller runde LEDs bauen könnte. Das koste Zeit und vor allem viel Geld, denn oft müssten Einzelanfertigungen in Auftrag gegeben werden. Allerdings, so die Geschäftsführerin, stehe am Ende immer ein gutes Ergebnis, das den einzigartigen Charakter des Parks bewahre.

Der Olympiapark als Veranstaltungsort

Das ist alles andere als unwichtig, denn der Olympiapark dient nicht nur als Naherholungsgebiet, er ist nach wie vor regelmäßig in Benutzung. Das ist der Unterschied zu vielen ehemaligen Olympiaspielstätten in der Welt, die teilweise vor sich hin rosten. In guten Jahren zählt man hier 500.000 bis 600.000 Besucher.

Über die Jahrzehnte hat sich der Park zu einem Veranstaltungsort entwickelt. Jede große Künstlerin oder Band ist hier aufgetreten: Egal ob Rolling Stones, Michael Jackson oder Pink – sie alle spiel(t)en dort.

Mit diesen Veranstaltungen verdient die zur Stadt gehörende Betreibergesellschaft, die Olympiapark GmbH, ihr Geld. Damit finanziert sie wiederum die an die Stadt München zu zahlende Pacht und den Unterhalt für Halle und Stadion.

Geschäftsmodell steht auf der Kippe

Den Park selbst trägt die Stadt München genauso wie auch die großen nun anstehenden Sanierungsmaßnahmen im Stadion und am Olympiaturm. Das könne nicht durch den Veranstaltungsbetrieb erwirtschaftet werden, so Schöne.

Überhaupt steht das Geschäftsmodell des Olympiaparks auf der Kippe. Im Norden von München, nahe des Flughafens, plant ein Investor, eine neue Eventhalle mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Zuschauern zu bauen. Man werde sehen, wie man damit umgehe, so Schöne. Derzeit ist die Halle noch nicht gebaut. Außerdem habe man schon Ideen in der Schublade.

Nachhaltig für Events der Zukunft

Die Geschäftsführerin der Olympiapark GmbH blickt nun erstmal Richtung Sommer. Da finden die European Championships in München statt, eines der größten Leichtathletik-Events im Olympiastadion seit 1972. Auch für zukünftige Olympische Spiele in München sieht Marion Schöne eine Chance, denn wegen der Nachhaltigkeit wolle das IOC nun vermehrt auf Wettkampfstätten setzen, die bereits existieren.

Es scheint, als hätte der Münchner Olympiapark auch 50 Jahre nach seiner Eröffnung nichts von seiner Ausstrahlung verloren.

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