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50 Jahre Lawinenhunde im Allgäu: Schnüffeln in Extremsituationen | BR24

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Das Jubiläum am Nebelhorn nutzte die Allgäuer Bergwacht um das anspruchsvolle Training für Hunde und Bergführer der Öffentlichkeit vorzustellen.

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50 Jahre Lawinenhunde im Allgäu: Schnüffeln in Extremsituationen

Auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf hat auf fast 2.000 Meter der 50. Ausbildungslehrgang der Allgäuer Lawinenhundestaffel begonnen. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Wir haben die Lawinenhündin Lusi bei der Arbeit mit ihrem Herrchen begleitet.

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Wenn Xaver Hartmann morgens zum Zwinger schreitet und Lusi herauslässt, kann die Lawinenhündin es kaum erwarten, auf den Berg zu fahren. Die 4-jährige Australian-Shepherd-Hündin springt mit einem großen Satz in den Kofferraum des Bergwacht-Jeeps.

"Wir haben jetzt Gefahrenstufe 3"

Von Obermaiselstein im Oberallgäu fährt Lawinenhundeführer Hartmann mit Lusi den Riedbergpass hinauf. Auf dem Weg bis Grasgehren analysiert der Leiter der Allgäuer Lawinenhundestaffel die Lage: "Wir haben jetzt Gefahrenstufe 3, das Wetter macht auch mit. Es werden also wieder viele unterwegs sein, Tourengeher genauso wie Variantenfahrer. Und Pulverschnee verlockt natürlich auch zum freien Fahren", sagt er mit Blick auf mögliche Gefahren-Faktoren.

Lawinenhunde suchen Verschüttete in Häusern

Seit 50 Jahren setzt die Bergwacht im Allgäu Hunde ein, um von Lawinen verschüttete Menschen aufzuspüren. Schnell wusste man den hervorragenden Geruchssinn der Tiere auch anderweitig einzusetzen. Heute helfen Lawinenhunde zum Beispiel auch bei der Suche nach Vermissten im Gebirge oder in eingestürzten Häusern. Auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf, an der Seilbahnstation Höfatsblick auf 1.930 Metern Höhe, hat heute der 50. Lawinenhundelehrgang der Allgäuer Bergwacht begonnen.

Besonders der Geruchssinn wird trainiert

Xaver Hartmann ist seit 40 Jahren dabei und weiß, worauf es bei der dreijährigen Ausbildung ankommt: Die Hunde müssten lernen, ihren Geruchssinn voll auszunutzen – "den brauchen sie ja heute im Alltag gar nicht mehr so oft", sagt Hartmann. Genauso wichtig sei aber, dass Hund und Hundeführer sich aneinander gewöhnen. Der Lawinenhundelehrgang ist damit immer nicht nur für den Hund, sondern auch für seinen Führer sehr lehrreich. Das Gespann muss sich im Ernstfall blind verstehen.

Lusi liebt den Berggasthof

Zurück an der Talstation in Grasgehren. Hier, am Fuß des Riedberger Horns, herrscht noch kaum Betrieb, als Xaver Hartmann und Lusi gegen acht Uhr morgens an der Bergwachtstation ankommen. Hier verbringen die beiden die meisten ihrer Arbeitstage - als Aufpasser im Wintersportgebiet. Zuerst checkt Hartmann den aktuellen Bericht des Lawinenwarndienstes. Per Funk spricht er sich mit Bergwachtkollegen ab, worauf man heute besonders achten muss. Wenn gerade kein Einsatz ansteht, hält Lusi sich auch viel im gegenüber gelegenen Berggasthof auf. Hier fällt öfter etwas Schmackhaftes von einem der Tische in der Gaststube herunter.

Nach zehn Stunden lebend aus der Lawine gerettet

Bei der Bergwacht erinnert eine von Hartmann selbst geführte Chronik mit Fotos und ausgeschnittenen Zeitungsartikeln an die denkwürdigsten Einsätze der Allgäuer Lawinenhunde in den vergangenen fünf Jahrzehnten. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Fall aus dem Jahr 2001 in Bolsterlang, als ein Snowboarder nach zehn Stunden noch lebend aus einer Lawine geborgen werden konnte.

"Dann hätte der das nicht überlebt"

"Das war ein sehr außergewöhnlicher Einsatz, hundsschlechtes Wetter, er war nachmittags um zwei schon vermisst. Nachts um elf hat ihn ein Lawinenhund gefunden. Das war schon der fünfte Hund, den wir eingesetzt hatten. Und wir sind uns sicher: Wenn der Lawinenhund den nicht geortet hätte, dann hätte der das nicht überlebt", sagt Hartmann. Aber auch wenn manche Einsätze besonders außergewöhnlich seien, so sei doch auch jeder einzelne anders: "Ich sage mal, die Einsätze selber, wenn ein Lawinenunfall kommt, jeder ist ein bisschen anders. Wir kriegen da keine Routine."

Hündin Lusi ist mit der Ausbildung grade fertig und wartet noch auf ihren ersten Einsatz. Trotzdem fühlt sie sich bei der Bergwacht mittlerweile wie zu Hause. Die Neulinge auf dem Nebelhorn sollen bald genauso selbstverständlich ihren Dienst verrichten wie Lusi. Heute geht der Tag für sie zum Glück ohne Einsatz zu Ende.