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50 Jahre Bußgeldstelle: Die besten Ausreden erfahrener Raser | BR24

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Seit 50 Jahren verschickt die Zentrale Bußgeldstelle Bayerns Bußgeldbescheide. Den 850.000 Bußgeldbescheiden pro Jahr widerspricht mancher Betroffene. Über kuriose Ausreden berichtet Alexander Lorenz vom Polizeiverwaltungsamt Straubing.

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50 Jahre Bußgeldstelle: Die besten Ausreden erfahrener Raser

Seit 50 Jahren verschickt die Zentrale Bußgeldstelle Bayerns Strafzettel an Raser. 850.000 Bußgeldbescheide sind es pro Jahr, mancher Betroffene widerspricht. Einiges brachte die Beamten zum Lachen - es gab aber auch eine erfolgreiche Super-Ausrede.

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Seit 50 Jahren existiert die Zentrale Bußgeldstelle in Bayern. Das wurde am Montag gefeiert: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kam nach Viechtach (Lkr. Regen), denn seit 1987 ist die Bußgeldstelle in Niederbayern beheimatet. 250 Mitarbeiter arbeiten dort Tag für Tag die Bußgeldbescheide von Rasern ab - und deren Widersprüche dagegen.

Eine "logistische Meisterleistung", lobt Alexander Lorenz vom Bayerischen Polizeiverwaltungsamt Straubing seine eigene Behörde. Die verschickt 850.000 Bußgeldbescheide pro Jahr. Das sind so viele, dass ein eigenes EDV-Programm dafür notwendig ist. Außerdem werden die Strafzettel in einer speziellen Poststraße vollautomatisch kuvertiert und verschickt. Rund 100 Millionen Euro nimmt der Freistaat mit diesen Bescheiden Jahr für Jahr ein.

Die Schwiegermutter-Ausrede

Nicht jeder ertappte Verkehrssünder nimmt seinen Tatvorwurf widerspruchslos hin: Einsprüche und Rückmeldungen im Anhörverfahren generieren "riesige Mengen an Post", betont Alexander Lorenz. Beamte der Bußgeldstelle lesen die Antworten der Betroffenen - und manche Ausrede bleibt in Erinnerung. Ein eiliger Fahrer zum Beispiel entschuldigte seine Raserei damit, dass auf der Rückbank hinter ihm seine Schwiegermutter gesessen habe. Deren Redefluss habe ihn abgelenkt, verteidigte er sich und fragte: Bin ich damit nicht schon gestraft genug?

Erzwingungshaftverfahren für "Reichsbürger"

Mancher Betroffene stellt auch ganz grundsätzlich - als sogenannter Reichsbürger oder Selbstverwalter - das Recht der Polizei, Ordnungswidrigkeiten zu ahnden, in Frage. Der Gedanke dahinter: Ihr seid doch gar kein richtiger Staat, jedenfalls nicht meiner, denn ich habe eurer Staatsgründung und euren Gesetzen nicht zugestimmt, deshalb kann ich auch im Straßenverkehr so fahren, wie ich will.

Gegen solche Menschen, die unter jeder öffentlichen Schranke durchfahren wollen, lässt der Freistaat allerdings konsequent alle Geldbußen vollstrecken - "bis hin zu Erzwingungshaftverfahren", wie Alexander Lorenz betont. Und bei Bedrohung der Beamten gebe es "regelmäßig" auch noch Strafanzeigen und gerichtliche Verurteilungen obendrauf.

Die Sänger-Ausrede

Lustiger scheint da schon eine medizinisch-musikalisch motivierte Ausrede, wie sie dieser "Deutschland sucht die Superausrede"-Competitor in seinem Anhörbogen der Polizei zum Besten gab:

"Beim Singen am Rande meines Stimmumfangs muss sich meine Herzschlagfrequenz erheblich erhöht haben. Infolgedessen veränderte sich mein Zeitempfinden. Also habe ich die Geschwindigkeit leider einen kurzen Moment als deutlich niedriger eingeschätzt." Ausrede eines Rasers im Anhörverfahren

Superstar wird man mit solchen Ausreden nicht. Die Jury der Polizei war zwar erheitert, lehnte die Ausrede aber als erfolglos ab. Der schnelle Kunde musste also trotzdem blechen.

Bußgeldbescheid für Polizisten

Das Schicksal ungewollter Geschwindigkeitsübertretungen kann übrigens auch Polizisten ereilen - selbst wenn sie für die Bußgeldstelle arbeiten - wie Alexander Lorenz. Der legt im Interview mit dem BR ein etwas tautologisches Ei, als er erklärt, warum er selbst zu schnell gefahren ist: "Wegen Geschwindigkeit war ich in Gedanken." War er jetzt zu schnell unterwegs, weil die Geschwindigkeit zu hoch war? Oder war die Geschwindigkeit zu hoch, weil er zu schnell gefahren ist?

Die erfolgreiche Super-Ausrede

Die Varianten der Selbstverteidigung sind reich, mit denen Betroffene den Vorwurf zurückweisen, sie hätten gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Erfolgreich sind die Beschwerden so gut wie nie.

Einmal allerdings drückten die Beamten auch alle Augen zu: Als vor einem halben Jahr ein Auto in München mit 14 km/h zu schnell geblitzt wurde, da saß auf der Rückbank nicht die Schwiegermutter, sondern eine werdende Mama. Unterwegs war das Auto auf dem Weg zum Kreißsaal. Der angeschuldigte Fahrer und frisch gebackene Familienvater legte eine Bescheinigung der Klinik vor, wo das Kind um 2.27 Uhr nachts geboren worden war. Die werdende Familienkutsche war um 2.14 Uhr nachts in die Radarfalle gerollt.

Ausnahmsweise zeigte sich die Behörde gnädig, stellte als "absolute Einzelfallentscheidung" das Ermittlungsverfahren ein und teilte dem Delinquenten per Bescheid mit: "Wir gratulieren zur Geburt Ihrer Tochter."