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40 Jahre Nato-Doppelbeschluss - Das "Sondermunitionslager" Hemau | BR24

© BR/Sebastian Grosser

Die NATO reagierte 1979 auf die Aufrüstung der Sowjetunion mit dem "Doppelbeschluss". Zum einen ging es um Abrüstungsverhandlungen; zum anderen wurde mit der Stationierung von Atomwaffen gedroht.

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40 Jahre Nato-Doppelbeschluss - Das "Sondermunitionslager" Hemau

Die NATO reagierte 1979 auf die Aufrüstung der Sowjetunion mit dem "Doppelbeschluss". Zum einen ging es um Abrüstungsverhandlungen, zum anderen wurde mit der Stationierung von Atomwaffen gedroht. Atomsprengköpfe waren auch in Hemau gelagert.

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Vor 40 Jahren wurde der NATO-Doppelbeschluss gefasst. Dieser sah die Stationierung moderner Raketensysteme für atomare Sprengköpfe in Europa vor – als Antwort auf die Aufrüstung in der Sowjetunion. In der Folge kam es zu den Ostermärschen, aus dem eine breite Friedensbewegung entstand, welche die atomare Aufrüstung ablehnte. Dabei gab es in Deutschland bereits eine große Zahl an Atomsprengköpfen. Die wurden geheim gelagert, in sogenannten Sondermunitionslagern. Eines davon war in Hemau im Landkreis Regensburg.

Josef Eder war in den Siebziger Jahren Zeitsoldat beim 42 Raketenartilleriebataillon in Hemau, drei Kilometer entfernt von dem Sondermunitionslager die Amerikaner. Er hat die Atomsprengköpfe mit eigenen Augen gesehen.

US Soldat: Da ist was da

Die Soldaten beider Armeen kannten und schätzten sich, sagt Eder.

"Wenn man dann bei Feierstunden beisammen war, dann war der Amerikaner nach der vierten Halben sehr geschwätzig. Die haben erzählt: Da ist was da. Und sie müssen die Bewachen." Josef Eder, ehemaliger Soldat

Was mit einem Gerücht anfing, wurde schnell Realität. Nach einer strengen Sicherheitsüberprüfung, bei der Eder unter anderem gefragt wurde, ob er mal in die damalige DDR gereist ist, durfte er als einer der wenigen mit auf das streng abgeschirmte Gelände; in einen sogenannten "Shelter", einem Bunker, wo die an sich unscheinbaren Sprengkörper gelagert waren.

"Die haben uns erklärt, dass sind A-Sprengkörper, die haben es teilweise ein bisschen umschrieben. Wir haben aber ganz genau gewusst, was los ist, weil die Kennzeichen, die hast du wissen müssen. Es waren halt so kleine Vierecke darauf, an bestimmten Stellen. Da hat man dann schon gewusst. Oha! Da ist was da. Und dann hat es so bestimmte Tests gegeben. NSI. Nuclear Safety Inspection, hat es glaub ich geheißen. Ob wir überhaupt in der Lage wären, mit diesem System atomare Sprengköpfe zu verschießen." Josef Eder, ehemaliger Soldat

‚Honest John‘, heißt das Raketenabschusssystem der Bundeswehr, die auch auf die atomaren Sprengköpfe im Ernstfall hätte zugreifen können. Nukleare Teilhabe nannte man das. Die Kontrolle über die Massenvernichtungswaffen aber blieb in den Händen der US-Armee.

© Josef Eder

Honest-John-Batterie im Wald

© Josef Eder

Honest-John-System im Wald - Abschuss

© Josef Eder

Honest-John-System im Wald - Abschuss

© Josef Eder

Honest-John-System: Raketen-Abschuss in der Nacht

© Josef Eder

Honest-John-System

© Josef Eder

Honest John-Batterie 1979

Geheimsache. Die Öffentlichkeit sollte nichts mitbekommen

Wie viele Massenvernichtungswaffen in der Bundesrepublik und speziell am Rande des kleinen Oberpfälzer Städtchens gelagert waren, vermag keiner zu sagen.

"Da sind des Öfteren Fahrzeuge gekommen, Fahrzeuge weggefahren. Es war die amerikanische Militärpolizei dabei. Aber die sind eigentlich gar nicht aufgefallen, weil da regelmäßig Bewegung war. Da hat keiner gewusst. Bringen die was. Oder holen die was.“ Josef Eder, ehemaliger Soldat

In Folge des NATO-Doppelbeschluss 1979 war nicht mehr zu leugnen, dass in Deutschland ein großes Arsenal an Atomsprengköpfen gelagert wurde. Es folgten massive Proteste gegen die Stationierung weiterer Raketensysteme. Auch in Hemau gingen Friedensaktivisten auf die Straße.

"Okay, da sind die mit der etwas längeren Haarpracht durch die Gegend gezogen. Aber die waren immer alle friedlich. Man hat da nie was gehabt. Man hat vielleicht mal diskutiert. Aber angefeindet? Nö." Josef Eder, ehemaliger Soldat

Heute lagern in Hemau keine Atomwaffen mehr. Die Bundeswehr ist weg. Und auf dem Gelände des ehemaligen Sondermunitionslagers steht jetzt ein Solarpark. Nur der Wachturm und mehrere Bunker sind auszumachen. Über sie ist Gras gewachsen.

© Josef Eder

Manöver mit Honest-John-Batterie