BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

40 Jahre Humedica - vom Zwei-Mann-Betrieb zur Hilfsorganisation | BR24

© BR

40 Jahre Humedica - vom Zwei-Mann-Betrieb zur Hilfsorganisation

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

40 Jahre Humedica - vom Zwei-Mann-Betrieb zur Hilfsorganisation

Der Tsunami 2004 in Indonesien und Sri Lanka oder das Erdbeben in Haiti 2010 - nur zwei Beispiele, bei denen die Humedica aus Kaufbeuren im Einsatz war. Seit 40 Jahren leistet der Verein Hilfe für Menschen in aller Welt. Doch nun endet eine Ära.

Per Mail sharen
Teilen

Herrmann Schäffler und sein Kollege Manuel Heinemann bereiten im Lager von Humedica das Medikit vor - ein großes Paket mit Verbandsmaterial und Medikamenten für 3.000 Menschen. Zuletzt hatte es ein Ärzteteam beim Einsatz nach dem Zyklon Idai in Malawi dabei. Jetzt muss das Medikit wieder aufgefüllt werden:

"Wir kontrollieren jetzt die Ware durch, ob alles da ist, und machen es dann gleich fertig, damit es dann wieder einsatzbereit ist. Also sobald morgen wieder Erdbeben ist, haben wir es wieder bereitstehen. Brauchen bloß die Papiere fertigmachen, Adressaufkleber drauf. Und das Ärzteteam kann es dann wieder mitnehmen", erklärt Herrmann Schäffler.

Eine SMS und es geht los

Schnelle medizinische Hilfe nach Katastrophen - darauf hat sich die Kaufbeurer Hilfsorganisation Humedica spezialisiert. Kommt die Meldung über ein Unglück, werden per SMS sofort hunderte ehrenamtliche Helfer informiert. Meistens innerhalb weniger Stunden ist ein Team organisiert und macht sich auf ins Katastrophengebiet. Vor 40 Jahren hat der gelernte Krankenpfleger Wolfgang Groß die Organisation mit seinem Bruder als Zwei-Mann Betrieb in Kaufbeuren gegründet. Aus Idealismus.

"Wir haben damals angefangen, weil wir das Gefühl hatten: Uns geht es eh schon besser als den meisten Menschen hier auf dem Erdball. Und wir wollten was tun. Wir hatten einfach das Gefühl: Wir müssen anderen helfen", so Wolfgang Groß.

Spenden finanzieren den Betrieb

Stück für Stück wuchs Humedica heran - vom Zwei-Mann-Beitrieb zu einer der großen Hilfsorganisationen in Deutschland. Der Verein beschäftigt heute 50 hauptamtliche Mitarbeiter in Kaufbeuren, rund 300 weitere in Projekten weltweit und kann auf ein riesiges Netzwerk von ehrenamtlichen Helfern und Partnerorganisationen auf dem ganzen Globus zurückgreifen. Dass Humedica, finanziert von Spenden und öffentlichen Projektgeldern, einmal so groß werden könnte - damit hat Wolfgang Groß nie gerechnet:

"Insgesamt haben wir in diesen 40 Jahren ungefähr Einnahmen in Höhe von 237 Millionen Euro generiert. Das war damals fast eine halbe Milliarde Mark. Wenn du mir das gesagt hättest damals, hätte ich gesagt: Völliger Unsinn."

Mehr als medizinische Hilfe

Spezialisiert ist die Organisation zwar auf schnelle medizinische Hilfe im Katastrophenfall, engagiert sich aber auch beim Bau, Wiederaufbau und Betrieb von Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten und verschickt pro Jahr bis zu 800 Tonnen Hilfsgüter in alle Welt. Humedica ist das Lebenswerk von Wolfgang Groß. Nach Jahrzehnten an der Spitze verabschiedet er sich jetzt in den Ruhestand. Für den 65-Jährigen ein wohl überlegter Schritt:

"Ich war in über 100 Ländern. Ich bin um die Welt gejettet. Und ich bin halt jetzt auch nicht mehr ein Jugendlicher", sagt Wolfgang Groß. "Da merkst du dann schon, wenn du über mehrere Zeitzonen springst und zurück nach Kaufbeuren kommst, dass du dann nicht gleich zurück an den Schreibtisch gehst wie früher. Das ist schon herausfordernd. Ich bin froh, dass ich das jetzt abgeben darf auf der einen Seite. Aber andererseits sicherlich mit einem weinenden Auge auch."

Wolfgang Groß hat ein neues Projekt

40 Jahre Humedica wird am Wochenende in der Zentrale in Neugablonz groß gefeiert. Aber es endet damit auch eine Ära: Nach 40 Jahren gibt Humedica-Gründer und –Geschäftsführer Wolfgang Groß sein Amt ab. Für den Ruhestand hat Wolfgang Groß auch schon ein neues Projekt: Als Vorstandsvorsitzender der neu gegründeten Stiftung "Nächstenliebe in Aktion" will er sich nach 40 Jahren in der internationalen Katastrophenhilfe nun für bedürftige Menschen in der Region einsetzen.