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4-Punkte-Plan soll defizitäres Krankenhaus in Wertingen retten | BR24

© Judith Zacher/BR

Mit Hilfe eines Vier-Punkte Plans soll der Erhalt des kleinen, defizitären Wertinger Krankenhaus gesichert werden. Der Plan sieht etwa vor, neben dem Krankenhaus einen Medizincampus zu bauen. Doch das Vorhaben sorgt für Diskussionen.

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4-Punkte-Plan soll defizitäres Krankenhaus in Wertingen retten

Mit Hilfe eines Vier-Punkte Plans soll der Erhalt des kleinen, defizitären Wertinger Krankenhaus dauerhaft gesichert werden. Der Plan sieht etwa vor, neben dem Krankenhaus einen Medizincampus zu bauen. Doch das Vorhaben sorgt für Diskussionen.

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Kurze Wege, eine ortsnahe Versorgung für die Bürger in der Region: Dafür sorgen kleine Krankenhäuser auf dem Land. Aber sie haben es schwer: Meist schreiben sie rote Zahlen, so auch das Wertinger Krankenhaus. Wie das kleine Wertinger Krankenhauses trotzdem dauerhaft gesichert werden kann, wird in der Stadt diskutiert.

Kleine Krankenhäuser müssen sich spezialisieren

Um kleine, kommunale Krankenhäuser wie das in Dillingen oder Wertingen zu erhalten, müssten die Häuser umstrukturiert werden. Nur so kann ihr Erhalt auch in Zukunft gesichert werden, davon ist der Dillinger Landrat Leo Schrell (FW) überzeugt. Nicht jedes Krankenhaus müsse alles anbieten: Spezialisierungen seien wichtig, Alleinstellungsmerkmale und Synergieeffekte müssten geschaffen und genutzt werden, sagt er.

Das Wertinger Krankenhaus hatte im vergangenen Jahr ein Defizit von gut 1,8 Millionen Euro zu verbuchen. Auch in den Jahren zuvor schrieb es rote Zahlen. So werde es das Krankenhaus in einigen Jahren nicht mehr geben, sagt Landrat Schrell, und das gelte es zu verhindern.

Vier-Punkte-Plan zum Erhalt des Wertinger Krankenhauses

Um den Erhalt des defizitären Wertinger Krankenhauses auch in Zukunft zu sichern, haben Landrat Leo Schrell und der Geschäftsführer der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen einen Vier-Punkte-Plan entwickelt.

  • So will der Landkreis Dillingen auf dem Krankenhausareal eine Pflegeschule zur Ausbildung der Fachkräfte für den gesamten Landkreis bauen.
  • Im Krankenhaus soll zudem eine akutgeriatrische Abteilung eingerichtet werden, die einzige in der näheren Umgebung.
  • Die Stadt Wertingen möchte außerdem direkt neben dem Krankenhaus ein neues Pflegeheim bauen, insbesondere für Demenzkranke und stark pflegebedürftige Senioren.
  • Ergänzt werden soll das Projekt von einem Medizincampus, also einem modernen Ärztehaus mit Praxen für bis zu zehn Ärzten, einer Apotheke, Wohnungen für Ärzte oder Angestellte sowie einem Reformhaus.

Behandlungen von Patienten aus dem Pflegeheim und dem Ärztehaus könnten dann, so die Hoffnung, im benachbarten Krankenhaus durchgeführt werden.

Geplantes Ärztehaus bekommt politischen Gegenwind

Laut Landrat Leo Schrell von den Freien Wählern sind diese Pläne im Aufsichtsrat bereits mehrfach diskutiert und zwischenzeitlich auch beschlossen worden. Anfangs habe es breite Zustimmung aus allen Fraktionen gegeben.

Für Diskussionen sorgt allerdings das geplante Ärztehaus. Das will ein privater Investor aus Wertingen bauen. Seine Pläne hat er bereits vor knapp einem Jahr vorgestellt.

Hier kommt jetzt Gegenwind, vorwiegend aus der CSU: Kreisrat und CSU-Fraktionssprecher Johann Popp schlägt vor, dass der Landkreis das Ärztehaus in Eigenregie bauen soll. Dann habe man mehr Einfluss, zum Beispiel bei der Auswahl der Ärzte.

Unterstützung bekommt Popp von den Fraktionsvorsitzenden der SPD, FDP und Grünen im Kreisrat. Sie fürchten, dass bei einem Bau durch einen Investor auf dem Gelände des Krankenhauses die Interessen Dritter zu Abhängigkeiten führen könnten. Der Landkreis solle hier nichts aus der Hand geben, heißt es.

Grünen-Politikerin fordert Transparenz

Heidi Terpoorten, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreisrat, fordert, dass zunächst ein Gesamtkonzept für die beiden Krankenhäuser im Landkreis und die medizinische ambulante und stationäre Versorgung für die Menschen im Landkreis entwickelt werden soll.

Gegen das Ärztehaus an sich sei sie nicht, so die Grünen-Politikerin. Sie fordert hier allerdings ein transparentes Vorgehen. Hierüber sollten alle Kreisräte vorab informiert und bei der Entwicklung mit eingebunden werden.

Für Kommunalunternehmen des Landkreises "nicht machbar"

Landrat Leo Schrell entgegnet, der Landkreis wolle die neue Kranken- und Pflegeschule bauen, der Landkreis habe aber weder die personellen noch die finanziellen Mittel, um darüber hinaus noch ein Ärztehaus zu planen, zu bauen und zu betreiben.

Er begrüßt die Bereitschaft des örtlichen Bauunternehmens, hier zu investieren. Schrells Ziel sei es, das Krankenhaus für die Menschen in der Region zu erhalten. Das Ärztehaus sieht er als wichtigen Beitrag hierfür. Bei diesen Planungen handle es sich für ihn um ein "zukunftsträchtiges Konzept zum Erhalt des Wertinger Krankenhauses und riesen Angebot für Menschen in der Region", sagte Schrell dem BR.

Er freue sich, dass sich hier ein örtlicher Investor engagieren wolle, der bereits Erfahrung beim Bau solcher Ärztehäuser habe. Für ihn sei entscheidend, was den Menschen in der Region nutze und den Erhalt des Wertinger Krankenhaus sichere.

Ärztehaus soll neben Krankenhaus gebaut werden

Der private Investor habe ursprünglich geplant, das Ärztehaus auf seinem eigenen Grundstück mitten in der Stadt zu bauen. Die Stadt habe ihn letztlich dazu gebracht, die Planungen für den Standort zu ändern. Mit einem Bau direkt neben dem Krankenhaus erhoffe man sich mehr Synergieeffekte, sagt Landrat Leo Schrell.

Aus Wertingen ist außerdem zu hören, dass möglicherweise auch parteipolitische Interessen eine Rolle spielen könnten. Während das Projekt zunächst allseits begrüßt worden sei, gebe es jetzt Vorbehalte. Der Bauunternehmer war während der Planungen aus der CSU ausgetreten und zu den Freien Wählern gewechselt - also der Partei von Landrat Leo Schrell und Bürgermeister Willy Lehmeier.

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