| BR24

 
 

Bild

Geiselnehmer von Pfaffenhofen am Gericht
© BR/Susanne Pfaller

Autoren

Susanne Pfaller
© BR/Susanne Pfaller

Geiselnehmer von Pfaffenhofen am Gericht

Der Mann muss zudem in die geschlossene Psychiatrie. Die Unterbringung ordnete das Gericht an, weil es den 29-Jährigen für einen potentiellen Wiederholungstäter hält.

Mit dem Urteil folgte das Gericht der Einschätzung der Sachverständigen. Diese stufen den Mann als nur vermindert schuldfähig ein, aber auch als gefährlich für sich selbst und andere. Aufgrund der verminderten Schuldfähigkeit hatten auch die Staatsanwältin und der Pflichtverteidiger sehr niedrige Freiheitsstrafen gefordert: knapp sechs beziehungsweise vier Jahre.

Geständnis zu Beginn des Prozesses

Bereits zu Prozessbeginn hatte der Mann gestanden, dass er im vergangenen November fünf Stunden lang eine Mitarbeiterin des Pfaffenhofener Jugendamtes als Geisel gehalten und mit einem Messer verletzt hatte. Nach seinen Angaben wollte er mit der Tat erreichen, dass seine damals knapp zweijährige Tochter wieder bei der leiblichen Mutter leben kann. Der jungen Frau, seiner ehemalige Freundin, war aufgrund einer psychischen Krankheit das Sorgerecht entzogen worden. Um das Kind kümmert sich eine Pflegefamilie.

Gewaltpotential und Wiederholungsgefahr

Sowohl der Angeklagte wie auch die Mutter des gemeinsamen Kindes arbeiten krankheitsbedingt nicht. Während die Kindsmutter in Pfaffenhofen lebt, wohnte der Angeklagte bis zur Geiselnahme bei seiner eigenen Mutter in Ingolstadt.

Für die psychiatrische Gutachterin liegt das Hauptmotiv für die Geiselnahme nicht in der familiären Situation des Angeklagten, sondern in seiner Erkrankung. In den Augen der Expertin gibt es zahlreiche Hinweise dafür, dass der Angeklagte auch künftig für Dritte gefährlich sein könnte. Die Ärztin sieht bei dem Mann sogar ein ansteigendes Gewaltpotential: So habe der Mann vor Jahren aus Ärger seine Katze aus dem vierten Stock geworfen. Diesem Gewaltakt gegen ein Tier folgten Ankündigungen in den sozialen Medien, mehrere Menschen zu töten. Im November 2017 habe sich die Gewaltbereitschaft des Angeklagten in der Geiselnahme konkretisiert.

Mehrfach in psychiatrischen Einrichtungen

Der 29-jährige Mann, der sich selbst nicht als krank bezeichnet, leidet seit vielen Jahren an psychischen Erkrankungen. Schon mehrfach war er zur Behandlung in psychiatrischen Einrichtungen. Allein aus dem Klinikum Ingolstadt liegen dem Gericht 20 Arztbriefe vor. Seit der Geiselnahme im vergangenen November ist der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Skurrile Selbstmordversuche

Das vor Gericht vorgestellte psychiatrische Gutachten dokumentiert mehrere, "teils skurrile" Selbstmordversuche. Demnach hat der Mann einmal während eines Klinikaufenthalts in suizidaler Absicht mehrere Handtücher angezündet. Ein anderes Mal versuchte er sich das Leben zu nehmen, indem er mehrere Stunden "mit einem Grill in einem Zelt" ausharrte. Diese und andere Versuche seien für die suizidalen Absichten des Mannes völlig ungeeignet gewesen. Der Mann könne sein Handeln und die Wirkung auf die Außenwelt oft nur schwer einschätzen, so die Gutachterin.

"War ein Riesenfehler!"

Der Angeklagte war im Alter von sechs Jahren zusammen mit seinen Eltern von Kasachstan nach Deutschland gezogen. Die Hauptschule besuchte er bis zur 8. Klasse. "Dann Abbruch, danach arbeitslos. Das war es eigentlich!", so schildert der heute 29-Jährige sein Leben. In seinem Schlusswort betonte der Angeklagte, dass ihm die Tat leid tue. "Sie war ein Riesenfehler!"