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Seit 38 Jahren leitet Marianne Krohnen (links) das Rathaus der Gemeinde Geiselbach im Landkreis Aschaffenburg.

Bildrechte: Gemeinde Geiselbach
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38 Jahre im Amt: Das sind Bayerns dienstälteste Bürgermeister

Weil es Kommunen schwer haben, ehrenamtliche Bürgermeister zu finden, bleiben vielerorts in Bayern Bürgermeisterinnen und Bürgermeister jahrzehntelang im Amt. Die Dienstältesten stammen aus Unterfranken. Sie regieren in der siebten Legislaturperiode.

Von
Leon WillnerLeon Willner
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Als die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 16 Jahren Amtszeit in den Ruhestand ging, sprachen viele vom Ende einer Ära. Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinden Geiselbach und Hausen in der Rhön sind 16 Jahre fast schon ein Wimpernschlag. Denn alle, die unter 38 Jahre alt sind, haben in diesen Orten zu ihren Lebzeiten gerade einmal einen Bürgermeister erlebt.

In Geiselbach im Landkreis Aschaffenburg steht seit 1984 der Name "Marianne Krohnen" an der Bürotür der Bürgermeisterin. Eine Amtszeit, bei der sogar mancher Diktator neidisch werden dürfte. Doch Krohnen ist von ihrer Bevölkerung immer wieder gewählt worden, sieben Mal in Folge. Die CSU-Politikerin und zwei weitere Kolleginnen waren in Unterfranken die ersten Bürgermeisterinnen überhaupt.

Ihr Vorgänger wollte eigentlich ihren Ehemann ins Rennen schicken

Dabei bevorzugte Krohnens Vorgänger Kilian Köbert eigentlich ihren Ehemann Gunter für den Job. Der arbeitete jedoch für die Verwaltungsgemeinschaft und konnte dort nicht weg. "Und dieses Amt ist ja ein Ehrenamt. Insofern war das dann sehr schnell vom Tisch, dass man das als Familienvater mit drei Kindern überhaupt machen kann", sagt Marianne Krohnen heute.

Aber als Mutter von drei Kindern? "Mit drei kleinen Kindern kann man es eigentlich nicht schaffen", sagt die Bürgermeisterin. Das habe damals nur geklappt, weil sie von ihren Eltern unterstützt worden sei. Heute sei die Vereinbarkeit von Familie und Amt dank Ganztagsbetreuungen besser zu stemmen. Sie habe es den Menschen nie übel genommen, dass manche im Ort ihr das Amt damals nicht zutrauten. Krohnen kommt aus der Verwaltung und musste sich nicht lange einarbeiten.

Digitalisierung für Kommunen große Herausforderung

Die Digitalisierung nennt Krohnen eine der größten Herausforderungen ihrer Amtszeit. "1984 haben wir noch mit der manuellen Schreibmaschine geschrieben und ich selber auch noch", sagt sie. Heute müsse sich die 2.000-Einwohner-Gemeinde digital aufstellen. Mindestens 30 verschiedene Verwaltungsabläufe sollen die Leute bereits digital von zuhause aus erledigen können.

Weil sich die CSU-Politikerin am liebsten ganz in Rot kleidet, ist die Bürgermeisterin im Ort schon von Weitem vernehmbar. Durch den Ort zu gehen ohne einen Gesprächspartner zu finden, ist für Krohnen dagegen unmöglich. Dann geht es zum Beispiel um ihr aktuellstes Herzensprojekt, ein Mehrgenerationenhaus. Für die Gemeinde entsteht ein neuer Treffpunkt für Jung und Alt – von der Krabbelgruppe bis zum Seniorentreff.

38 Jahre im Amt und noch kein Ende in Sicht

Auch wenn Krohnen zum Ende ihrer siebten Legislaturperiode 2026 bereits 74 Jahre alt sein wird, an einen Abschied vom Amt will sie noch nicht denken. "Ich möchte da keine zeitliche Schiene ansprechen", sagt sie. Sie beschleiche schon jetzt das Gefühl, dass sie im Ruhestand nur wehmütig auf die Zeit zurückblicken würde. Anders als bei hauptamtlichen Bürgermeistern gibt es in Bayern für ehrenamtliche kein Höchst-Alter von 67 Jahren.

Fridolin Link ist Rathaus-Chef in Hausen in der Rhön. Er ist Bayerns dienstältester Bürgermeister

Bildrechte: BR/Leon Willner

Bayerns dienstältester Bürgermeister: Fridolin Link

Seit 1984 im Amt ist auch Fridolin Link, Bayerns dienstältester Bürgermeister. In seinem Büro steht noch eine alte elektrische Schreibmaschine, einen Computer sucht man dagegen vergebens. Das sei auch nicht nötig, PCs stünden in der Verwaltungsgemeinschaft in Fladungen, so der CSU-Politiker. Als Link das Amt als Bürgermeister antrat, habe er das Rathaus noch nicht einmal betreten können, so baufällig sei es gewesen.

"Wenn man zurückblickt, konnte man eine katastrophale Gemeinde übernehmen, wo nichts investiert worden ist", sagt er. Er habe das Glück gehabt, dass Hausen zwei Jahre nach seinem Amtseintritt in das bayerische Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurde. "Und gerade in so einem Programm kann man unheimlich einer Gemeinde zur Verschönerung helfen." Link zeigt eine ganze Reihe von Bildern von früher, darauf ist Hausen im Vergleich zu heute kaum wiederzuerkennen.

Drei Millionen Euro für die Infrastruktur

Rund drei Millionen Euro Förderung habe der Ort mit rund 700 Einwohnern aus dem Programm erhalten – damit konnte die Gemeinde die Infrastruktur verbessern. So soll der Ort auch für jüngere Familien wieder attraktiv werden. Das gelinge vor allem durch Förderprogramme für die Sanierung alter Häuser.

Eigentlich wollte der 73-jährige Fridolin Link längst aufhören. Vor der Kommunalwahl 2020 kündigte er seinen Abschied an. "Wenn man älter wird, läuft die Arbeit nicht mehr so gut, das sage ich offen und ehrlich", so der Bürgermeister. Aber nach langem Bitten der Bürgerinnen und Bürger habe er dann vor zwei Jahren noch eine siebte Legislaturperiode drangehängt.

Gelungene Baumaßnahmen als Lebenswerk

Er hat es nicht bereut, stolz zeigt er auf den neuen Dorfweiher. "Ich bin im Landkreis und darüber hinaus wegfahren und hab mir Dorfweiher angeschaut", sagt er. Den schönsten habe er dann "abgekupfert". "Das ist genau dasselbe Projekt, was wir hinter uns haben, das kann sich sehen lassen." Der Dorfweiher sei jetzt das Hausener Naherholungsgebiet. Seine Gestaltung bezeichnet Link als sein Lebenswerk.

Wer hat das Zeug zum Bürgermeister?

2026 will Link den Rathaus-Schlüssel dann endgültig weitergeben, die Suche nach einem Nachfolger ist dabei alles andere als einfach. "Für mich war es bei der letzten Wahl nicht machbar", sagt der zweite Bürgermeister von Hausen, Frank Eckert. Es sei zwar ein Ehrenamt, aber man könne nicht acht Stunden woanders arbeiten und gleichzeitig engagierter Bürgermeister in Vollzeit sein. Genau das würden die Leute aber erwarten.

Kaufmännische Grundkenntnisse seien für den Job von Vorteil, sagt Fridolin Link, aber auch kein Muss, um sich zu bewerben. "Man muss Einfühlungsvermögen haben", sagt der Bürgermeister. Und: "Jeder ist ersetzbar, auch ich bin ersetzbar".

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