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Ein Schmelztiegel wird akribisch erforscht | BR24

© BR / Georg Bayerle

In jeder Schachtel befindet sich ein Grabinhalt. In den Räumen des ehemaligen Klosters Thierhaupten in der schwäbischen Provinz lagern über 2.000 in Regalen gestapelte Schachteln. Der Archäologe Martin Grünewald hat hier in jede Schachtel den Inhalt eines Grabes eingeordnet.

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Ein Schmelztiegel wird akribisch erforscht

Römer besiedeln 100 n. Chr. die Provinz Rätien nördlich der Alpen. Bei Günzburg liegt eine Reitergarnison mit bis zu tausend Soldaten. Die Funde aus dem größten römischen Gräberfeld nördlich der Alpen werden jetzt im Kloster Thierhaupten erforscht.

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Es sind wahre Schätze, die Archäologen hier zu Tage gefördert haben. Die Spezialisten haben sie in 1.200 Kartons gepackt. BR-Reporter Georg Bayerle hatte die Gelegenheit, den Altertumsforschern über die Schulter zu schauen. Er hat ihre Arbeit in dieser Bildergalerie dokumentiert.

© BR/Georg Bayerle

Puzzlearbeit bei der Restaurierung - In der Werkstatt puzzelt die Restauratorin Laura Eberts Gefäße aus Scherben zusammen und befreit die Gegenstände vom festgebackenen Dreck aus Asche und Rost.

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Feinarbeit bei der Restaurierung eines Spiegels - Manchmal sind der Schmutz und die Korrosion so hart, dass die Restauratorin beides nur mit einem Diamantschleifgerät entfernen kann.

© BR / Georg Bayerle

Restaurierter Handspiegel - Zum Vorschein kommt ein schimmernder Handspiegel aus Zinn mit verziertem Rand. In Günzburg finden sich mehrere Dutzend Exemplare, was für die Forscher ein deutliches Indiz für den starken mediterranen Einfluss in der Region ist.

© BR / Georg Bayerle

Vollständig erhalten war diese Glasurne. Manchmal haben die Restauratoren großes Glück und sie bekommen einen vollständig erhaltenen Gegenstand in ihre Hände - so wie diese kostbare Glasurne. In römischer Zeit wurden die ausgeglühten Gebeine und die Asche der Toten in Glasurnen aufbewahrt.

© BR / Georg Bayerle

Der Grabinhalt der "Britin" - Geschlecht, Alter und Krankheiten lassen sich im Idealfall über eine klassische Fundanalyse anhand des Grabinhalts bestimmen. So wie in dem Fall einer geheimnisvollen "Britin".

© BR / Georg Bayerle

Die Kleiderspangen einer "Britin" - Hier handelt es sich um Kleiderspangen der Frau aus Britannien. Die besondere Form der Kleiderbügel verrrät ihre Herkunft. Wie sie den weiten Weg nach Günzburg gekommen ist, verrät der Grabinhalt (noch) nicht. Daher soll in den nächsten Jahren bei den Überresten der Toten ein Isotopenfingerabdruck genommen werden, um mehr über den jeweiligen Menschen und seine Herkunft zu erfahren. (Isotopenanalyse: Haare, Fingernägel, Zähne und Knochen enthalten Informationen, wann ein Mensch wo gelebt hat.)

© BR / Georg Bayerle

Öllampe mit Dekoration einer dionysischen Tänzerin - Auch Öllampen wie diese - dekoriert mit einer erotisch-lasziven Tänzerin - deuten für den Archäologen Martin Grünwald darauf hin, dass der 1.000 Mann starke römische Reitertrupp sich mit Händlern, Reisenden und Dirnen mischte, die aus allen Teilen Europas kamen.

© BR / Georg Bayerle

Sammlung von Öllampen - Das schwäbische Günzburg, so viel zeigt sich sich schon jetzt, war in den ersten Jahrhunderten nach Christus ein Siedlungsplatz von 3.000 bis 4.000 Menschen, die von Südeuropa bis zu den britischen Inseln, von Ungarn bis Frankreich kamen.

© Georg Bayerle / BR

Im Erdreich verbackener Knochenkamm - Die römische Reitertruppe im Hinterland des Limes wurde von Rom bezahlt. Die Soldaten hielten Ausschau nach Frauen und wollten Geld unter die Leute bringen. So fanden sich bei den bestatteten Frauen Spiegel und Kämme als Grabbeigaben.

© Eine Terra Sigillata gehört zum römischen Tafelgeschirr und ist eine Schüssel aus Keramik. Diese hier stammt aus Südgallien und wurde gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. hergestellt. Über viele hunderte Kilometer wurde sie bis nach Günzburg gehandelt.

Typisch: Terra Sigillata - Gefäße

© BR / Georg Bayerle

Skizzen gefundener Tongefäße - Nach Sichtung der Ausgrabungen lautet das Fazit der Archöologen: Die Region war damals ein wahrer Schmelztiegel. Eine "Urbevölkerung" scheint es in den Urwäldern an Donau und Günz nicht gegeben zu haben. Und "der Günzburger" war offenbar ein europäisches Mischwesen. In ein paar Jahren wollen die Archäologen Genaueres wissen.

Von
  • Linore Pernsteiner
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