BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

365-Euro-Ticket kommt trotz Corona | BR24

© BR

Im öffentlichen Nahverkehr wird es in einigen Städten bald das 365-Euro-Ticket geben - zumindest für Schüler und Auszubildende.

14
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

365-Euro-Ticket kommt trotz Corona

Auch der öffentliche Personennahverkehr leidet unter der Corona-Krise – viele Busse und Bahnen fahren halb leer. Am 365-Euro-Jahresticket für Schüler und Auszubildende wollen die Verkehrsbetriebe und Kommunen trotzdem festhalten.

14
Per Mail sharen

Die großen bayerischen Verkehrsbetriebe sind finanziell klamm: Allein bei den Einzelfahrkarten sind die Einnahmen Corona-bedingt teilweise um bis zu 90 Prozent eingebrochen, beispielsweise in München. Dennoch soll das 365-Euro-Ticket zumindest in einigen Orten möglichst zum 1. August kommen, kündigt Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) an: "Wir machen das 365-Euro-Ticket für München, für Nürnberg, dort kann es starten. Würzburg und Regensburg sind wir am verhandeln. Augsburg und Ingolstadt hat gebeten, dass wir erst nächstes Jahr starten."

Auch Rentner und Studenten wollen 365-Euro-Jahresticket

Allerdings gilt dieses günstige Ticket nur für Schüler und Auszubildende. Das weckt Begehrlichkeiten, auch bei anderen, weiß Christoph Fleischmann, Leiter Tarif und Vertrieb beim MVV, dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund: "Wir haben natürlich schon erste Wünsche, erste Kundenanfragen: Gibt es das auch für Rentner, gibt es das auch für Studenten?"

Nürnberg will Wien nacheifern

So wie in Wien – in der österreichischen Hauptstadt gibt es das 365-Euro-Ticket für alle seit Jahren. Ein Erfolgsmodell, wie unsere Korrespondentin Andrea Beer berichtet: "Etwa 2,6 Millionen Menschen fahren in Wien jeden Tag mit der U-Bahn, dem Bus oder mit der Straßenbahn. Und ungefähr die Hälfte von ihnen hat so ein 365-Euro-Jahresticket. Das wurde 2012 eingeführt und seitdem sind die Verkaufszahlen immer wieder nach oben gegangen."

In Nürnberg hat sich das die Linke zum Vorbild genommen und mit unterschiedlichen Unternehmen und Initiativen erfolgreich ein Bürgerbegehren für ein 365-Jahresticket für alle gestartet. Demnächst soll es einen Bürgerentscheid darüber geben.

Experten warnen: Ausbau hat Vorrang

Doch Verkehrsexperten warnen: Dem Wiener Billigticket sei ein jahrzehntelanger Ausbau des Bus- und Bahnnetzes vorausgegangen, erzählt Professor Johannes Klühspies, Verkehrswissenschaftler an der Technischen Hochschule Deggendorf. Das sei laut Verkehrspsychologen entscheidend für die Akzeptanz der öffentlichen Verkehrsmittel, so Klühspies: "Das Angebot ist das A und O. Ein schlechtes Angebot können sie auch mit einem billigen Ticket nicht besser, attraktiver machen. Der Preis ist ein wichtiges, aber eindeutig zweitrangiges Argument."

Ähnlich sieht das der Verkehrsexperte der Grünen-Landtagsfraktion Markus Büchler: "In Bayern haben wir das Problem, dass wir seit Jahren den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel verschlafen haben. Deswegen wäre es falsch, auf die Schnelle ein 365-Euro-Ticket für alle einzuführen, weil die erwartete schnelle Zunahme an Fahrgastzahlen überhaupt nicht befördert werden kann."

Politik will finanziell helfen

Und ein Ausbau ist teuer, Geld ist angesichts von Corona und den Folgen bei den Verkehrsbetrieben Mangelware. Wie groß die Einbrüche sind, beschreibt Christoph Fleischmann vom MVV: "Uns fehlt auch die Wiesn, was sehr viel Umsatz gerade auch im Fahrbereich bringt. Also wir gehen davon aus, dass zwischen 300 und 400 Millionen Euro fehlen werden, also über alle Verkehrsunternehmen. Das ist mehr als ein Drittel." Die Politik will helfen: Der Bund hat bereits angekündigt, den Ländern zweieinhalb Milliarden Euro für den ÖPNV zur Verfügung zu stellen. Wie viel die einzelnen Bundesländer dann selbst noch beisteuern, ist unklar.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!