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300 Jahre Baubeginn Würzburger Residenz: Jubiläum ohne Festwoche | BR24

© BR Fernsehen

Mit zwei feierlichen Nächten wollte man das 300. Jubiläum der fürstbischöflichen Residenz Würzburg begehen. Daraus wird nichts: Alle Feierlichkeiten sind auf nächstes Jahr verschoben. Aber wenigstens die Besichtigung soll bald wieder möglich sein.

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300 Jahre Baubeginn Würzburger Residenz: Jubiläum ohne Festwoche

Es wird ein Jubiläum im Stillen. Vor dem 300. Jahrestag der Grundsteinlegung der Würzburger Residenz am 22. Mai hätte eigentlich eine Festwoche stattfinden sollen. Aber wegen der Corona-Pandemie müssen die Feierlichkeiten verschoben werden.

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Zwei Jahre hatte das Team um Residenzchef Gerhard Weiler von der bayerischen Schlösserverwaltung an den Feierlichkeiten zum 300. Jubiläum der Grundsteinlegung des UNESCO-Weltkulturerbes gearbeitet. Alles war bis ins letzte Detail geplant. Dann kam Corona und warf alle Vorbereitungen über den Haufen. Die Festwoche ist abgesagt - vorerst.

"Das ist sehr schade. Wir werden nun versuchen, Teile des Festprogramms zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Denn es wird auch eine Zeit nach Corona geben." Gerhard Weiler, Leiter Residenz Würzburg

Festwoche zum Residenz-Jubiläum wegen Corona verschoben

So sind die beiden Höhepunkte der ursprünglich geplanten Festwoche, die Residenznächte mit Musik und Kunst, auf den 14. und 15. Mai 2021 verschoben. Ein für den 21. Mai vorgesehenes Familienfest mit Picknickkonzert im Hofgarten und ein Festgottesdienst sollen voraussichtlich im Herbst 2020 stattfinden. Selbst am 22. Mai, dem eigentlichen Tag der Grundsteinlegung, werde keine Feierstunde stattfinden – auch nicht im bescheidenen Rahmen, so Residenzchef Gerhard Weiler:

"Wir stehen zurzeit alle derart unter Strom, dass uns nicht nach Feiern zumute ist. Wir heben uns das Feiern für die Zeit auf, wenn die eine oder andere Last wieder von uns gefallen ist." Gerhard Weiler, Leiter Residenz Würzburg

Wiedereröffnung der Residenz ist an Pfingsten geplant

Derzeit arbeite das Team der Residenz an einem Konzept für die Zeit nach der Wiedereröffnung. Seit dem 14. März 2020 ist das UNESCO-Weltkulturerbe für die Öffentlichkeit geschlossen. Nur das Martin von Wagner-Museum im Südflügel ist seit kurzem unter Auflagen wieder geöffnet, außerdem steht der Hofgarten der Öffentlichkeit zur Verfügung. Als möglicher Termin für die Öffnung des gesamten Komplexes gelten die Pfingsttage Ende Mai / Anfang Juni 2020.

© BR

Es wird ein Jubiläum im Stillen. Vor dem 300. Jahrestag der Grundsteinlegung der Würzburger Residenz am 22. Mai hätte eigentlich eine Festwoche stattfinden sollen. Aber wegen der Corona-Pandemie müssen die Feierlichkeiten verschoben werden.

Leiter der Residenz hofft auf heimische Besucher

Vor der Corona-Pandemie haben jährlich rund 350.000 Besucher aus aller Welt die barocke Schlossanlage besucht. "Das wird sich nach der Wiedereröffnung stark verschieben", prognostiziert Gerhard Weiler.

"Alles, was uns in den vergangenen Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden ist, mit internationalem Trubel, Führungen und Kreuzungsverkehr der Besucher im Haus, wird es erst einmal nicht mehr geben. Wir werden versuchen müssen, Besucher aus dem eigenen Land als Klientel zu gewinnen. Und vielleicht ist der Urlaub in Deutschland auch eine Chance, die Schätze der Heimat neu zu entdecken." Gerhard Weiler, Leiter Residenz Würzburg

Frankonia-Brunnen soll bald wieder sprudeln

Für die Zukunft bleiben werden die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten, die im Hinblick auf das Jubiläum vorangetrieben wurden. So hat der Frankoniabrunnen auf dem Residenzplatz in den vergangenen Monaten die erste umfassende Grundreinigung seit seiner Einweihung im Jahr 1894 bekommen. Einige Restarbeiten stehen noch aus, dann soll der Brunnen wieder sprudeln. Im Hofgarten wurde der englische Teil auf seine ursprüngliche Fassung zurückgeführt. Außerdem soll die Balustrade des Ehrenhofs mit zwei bisher fehlenden Steinskulpturen wieder komplettiert werden. Bruchstücke der beiden überlebensgroßen Sandsteinfiguren waren durch Zufall in einer alten Kasematte im Hofgarten wiederentdeckt worden.

© BR/Jochen Wobser

Eingerüsteter Frankonia-Brunnen vor der Würzburger Residenz

Und schließlich ist kurz vor der Zwangspause der Residenz im März 2020 ein Dokumentationsraum eingeweiht worden, der den Wiederaufbau nach der Zerstörung am 16. März 1945 dokumentiert. Der neue Raum macht anhand von Texten, Objekten sowie durch Projektionen von Fotos und Videosequenzen den langwierigen Wiederaufbau erlebbar.

Rettung nach der Zerstörung am 16. März 1945

Die Residenz wurde – wie fast die komplette Würzburger Innenstadt – am 16. März 1945 durch einen Bombenangriff der Royal Air Force zu großen Teilen zerstört. Dächer, hölzerne Decken und Fußböden brannten ab. Die von Balthasar Neumann mit Steingewölben versehenen Räume des Mittelbaus hielten dem Feuersturm aber stand. Dort befinden sich die weltberühmten Fresken Giovanni Battista Tiepolos in Treppenhaus und Kaisersaal. Allerdings waren Gewölbe und Bemalungen nach der Bombardierung der Witterung ungeschützt ausgesetzt. Durch den Einsatz des amerikanischen Kunstschutzoffiziers John D. Skilton wurden im Juni 1945 Maßnahmen eingeleitet, um den Kernbestand der Residenz zu sichern.

Nach den ersten Notdächern Skiltons begann die bayerische Schlösserverwaltung in den Nachkriegsjahren dann mit der Instandsetzung. 1950 waren das Treppenhaus und Säle des Mittelbaus wieder zugänglich, in den Jahren 1970 bis 1974 waren beispielsweise die Kaiserzimmer wiederhergestellt – allerdings ohne das Spiegelkabinett, dessen Rekonstruktion erst 1987 abgeschlossen wurde.

© pa-dpa

Ausschnitt des Tiepolo-Freskos im Treppenhaus der Würzburger Residenz

Seit 1981 Weltkulturerbe der UNESCO

2003 bis 2016 unternahm die Schlösserverwaltung dann große Restaurierungsaktionen in Treppenhaus, Kaisersaal, Gartensaal und Hofkirche. Im Jahr 2006 wurde beispielsweise nach drei Jahren Arbeit die Restaurierung des Deckenfreskos im Treppenhaus abgeschlossen – bis heute ein beispielloses Projekt der Schlösserverwaltung. Von 2006 bis 2008 folgte die Restaurierung des Kaisersaals als Prunkraum der Residenz. Mit großem Aufwand wurden Überfassungen der Fresken Tiepolos beseitigt und auch die mehr als dreieinhalb Meter hohen Kristalllüster an der Decke wurden wieder in den Zustand von 1750 versetzt. Seit 1981 gehört das Gesamtkunstwerk Würzburger Residenz zum Welterbe der UNESCO – "als wohl homogenster und außergewöhnlichster Barockpalast zugleich", wie es in der Begründung heißt.