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30 Millionen neue Bäume: Wie geht das in der Praxis? | BR24

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30 Millionen Bäume sollen die bayerischen Staatsforsten in den nächsten fünf Jahren pflanzen. Das hat Ministerpräsident Markus Söder Ende Juli angekündigt. Klingt erst einmal nach sehr viel. Doch wie sieht das in der Praxis aus?

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30 Millionen neue Bäume: Wie geht das in der Praxis?

30 Millionen Bäume sollen die bayerischen Staatsforsten in den nächsten fünf Jahren pflanzen. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder Ende Juli an. Klingt erst einmal nach sehr viel. Doch wie sieht das in der Praxis aus?

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Unterwegs im Nürnberger Reichswald mit Förster Johannes Wurm: Er will uns zeigen, wie das aussehen kann mit den 30 Millionen Bäumen, die die Staatsforsten in den nächsten fünf Jahren Pflanzen soll. "Wir werden jetzt gleich in eine Schadfläche gehen, die wir neu gepflanzt haben. Das ist ein Käferloch aus dem letzten Herbst", sagt er.

Jetzt sollen dort kleine Bäume, Bergahorn, Hainbuchen wachsen. Der Förster ist gespannt, ob die Bäume gut angewachsen sind: "Es war relativ lange relativ trocken und gerade die ersten Monate nach so einer Pflanzung muss genug Wasser da sein, damit die gut anwachsen."

Der Borkenkäfer hat viele Fichten befallen

Johannes Wurm biegt vom Feldweg ab in den Wald. Dann bleibt er plötzlich stehen, geht nicht zur neu gepflanzten Fläche weiter hinten im Waldstück, sondern zielstrebig auf eine große, hohe Fichte zu. Er wolle schauen, ob da noch Käfer drin sind, sagt er.

Gemeint sind Borkenkäfer. Sie haben den Baum befallen. Förster Wurm pult die Rinde vom Baum, immer mehr nacktes Holz kommt zum Vorschein. "Der Baum ist schon tot. Der hat noch ein paar grüne Äste dran. Durch den Fraß der Borkenkäferlarven werden die Leistungsbahnen durchbrochen, dann ist die Wasserversorgung und die Nährstoffversorgung nicht mehr sichergestellt und der Baum vertrocknet", erklärt Wurm. Der Borkenkäfer selbst ist schon ausgezogen, nur die Fraßspuren sind noch zu sehen. Das Spannende sei jetzt, ob an den Nachbarbäumen Bohrmehl zu finden ist, denn "die Käfer sind ja irgendwohin".

Auch die Hitze macht den Bäumen zu schaffen

Ringsherum stehen etwa 40 Fichten. Sind sie auch befallen? "Das sieht schon verdächtig aus", meint Wurm und kniet am nächsten Baum. "Der ist befallen. Hier unten sieht man es, wie brauner Schnupftabak sieht das aus", sagt er. Das Bohrmehl produzieren die Käfer, wenn sie sich in die Rinde der Fichten hineinarbeiten. Viele Bäume in diesem Waldstück sind befallen. "Ich könnte mir vorstellen, dass leider der ganze Streifen dieses Jahr nicht überleben wird", schätzt Wurm.

Mit von Käfern befallenen, vertrockneten Fichten und Kiefern haben die Staatsforsten in den vergangenen Jahren massiv zu kämpfen - die Hitze und der Klimawandel setzen den Bäumen zusätzlich zu.

Jedes Jahr pflanzen sie deshalb neue Bäume dort, wo gefällt werden musste - in den Staatsforsten in ganz Bayern jedes Jahr ohnehin fünf Millionen Bäume. Das macht in fünf Jahren bereits 25 Millionen, von den 30 Millionen, die Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt hat.

💡 Was sind die Staatsforsten?

Die Staatsforsten sind eine Anstalt des öffentlichen Rechts im Eigentum des Freistaats Bayern. Sie bewirtschaften den gesamten bayerischen Staatswald. Dieser ist insgesamt 808.000 Hektar groß, 2.700 Beschäftige kümmern sich um ihn. Es wachsen jedes Jahr 6,1 Millionen Kubikmeter Holz darauf.

Neue Baumarten sollen für einen widerstandsfähigen Mischwald sorgen

Das heißt aber nicht, dass neuer Wald auf Acker entsteht - das passiert nur im ganz kleinen Rahmen. Meistens werden Flächen bepflanzt - wie die, vor der Förster Wurm steht. Vor ihm öffnet sich eine große kahle Fläche, die Fichten wurden dort im letzten Jahr komplett abgeholzt.

"Da nutzen wir Situationen wie diese, um Baumarten einzubringen, von denen wir ausgehen, dass sie besser mit dem Klimawandel umgehen können." Förster Johannes Wurm

Um den Reichswald von einem Fichten- und Kiefernwald zu einem robusteren Mischwald umzubauen, stehen deswegen zwischen Fichtenstümpfen zum Beispiel Bergahorn und Hainbuche. Es sind kleine, junge Pflänzchen, nur kniehoch. "Die haben unsere Waldarbeiter gepflanzt, das ist Handarbeit, ganz schön aufwendig und teuer", erklärt Wurm. Die Arbeiter machen das mit speziellen Schaufeln, damit sie schnell die Löcher ausheben können.

"Die pflanzen in der Stunde so 40 Stück. Und in normalen Jahren pflanzen wir um die 200.000 am Forstbetrieb Nürnberg, und damit sind wir schon Monate beschäftigt, dass wir alle Pflanzen in den Boden kriegen." Förster Johannes Wurm

Die Pflanzen bekommen sie aus verschiedenen Baumschulen. Mindestens zwei Jahre werden sie dort vorgezogen.

Den Wald fit machen für die Klimakrise

30 Millionen Bäume in fünf Jahren klingt erst einmal viel, aber die Pflanzen sind eben auch sehr klein. Auf einem Hektar pflanzen die Forstleute zum Beispiel 3.300 Hainbuchen oder sogar 7.000 Eichen. Sie stehen dicht nebeneinander. Das ist gewollt. "Wenn die wachsen, ist einfach nicht so viel Platz da für alle, dann sterben einige ab, nur die vitalsten werden es schaffen. Und im Endbestand haben sie hier nur noch 400 oder 500 Bäume stehen“, sagt Wurm.

In 100 Jahren werden von den 30 Millionen gepflanzten Bäumchen dann vielleicht drei Millionen richtige große Bäume übrig bleiben. Als Waffe gegen den Klimawandel, als CO2-Speicher hilft das kurzfristig nicht. Aber die Pflanzungen sind wichtig, um den Wald fit zu machen für die Klimakrise.

Und wie geht es den jungen Bäumchen auf dem Waldstück hier vor uns? Förster Wurm geht von Bäumchen zu Bäumchen. "Sieht im Großen und Ganzen ganz erfreulich aus. ich sage mal, 80 bis 85 Prozent sind ganz gut angewachsen." Er ist froh, dass trotz Hitze und fehlendem Regen viele der kleinen Bäumchen überlebt haben. Bisher.

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Ministerpräsident Söder will in den kommenden fünf Jahren 30 Millionen Bäume pflanzen lassen. Eine Zahl, die beeindruckt. Zumindest auf den ersten Blick. Wo werden sie stehen?