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BUND Naturschutz: Gefahr durch E-Mountainbiker in den Bergen | BR24

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Die Zahl der E-Biker hat in den bayerischen Bergen stark zugenommen. Stuft man die Räder jedoch als motorisierte Fahrzeuge ein, wären sie in weiten Teilen verboten. Daher sieht Thomas Frey vom BUND Naturschutz nun Klärungsbedarf.

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BUND Naturschutz: Gefahr durch E-Mountainbiker in den Bergen

Die Zahl der E-Biker hat in den bayerischen Bergen stark zugenommen. Daher sieht Thomas Frey vom BUND Naturschutz nun Klärungsbedarf. Denn stufte man die Räder als motorisierte Fahrzeuge ein, wären sie in weiten Teilen verboten.

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Bayern 2-radioWelt: Herr Frey, welche Probleme gibt es denn, wenn immer mehr Menschen mit immer leistungsfähigeren E-Bikes im alpinen Raum unterwegs sind?

Thomas Frey: Ich denke, das kann man in drei Punkten zusammenfassen: Der erste ist, dass wir wirklich eine Revolution der Erreichbarkeit im alpinen Raum haben. Bisher ist es ja so, dass der alpine Raum wirklich geprägt ist von wunderschönen Naturlandschaften und auch großflächigen Ruheräumen. Man hat sich das praktisch erkämpfen müssen, mit eigener Muskelkraft, wenn man irgendwohin wollte. Das hat dazu geführt, dass großflächige Gebiete einfach noch sehr wenig frequentiert waren. Und das ändert sich jetzt eklatant.

Das heißt also, mit Mountainbikes kommt einfach weiter und vielleicht auch höher?

So ist es. Man hat faktisch den Lift unterm Hintern. Die jahrzehntealte Debatte über Erschließungen mit Liften ändert sich, weil man wirklich in die Fläche kommt, ohne sich anstrengen zu müssen.

Der zweite Punkt: Es kommt auch immer mehr zu Konflikten mit Wanderern. Also wenn Mountainbiker ab und zu mal vorbeikommen, dann kann man ohne Probleme ausweichen. Es ist alles eine Frage des rechten Maßes. Die letzten zwei, drei Jahre gibt es einen massiven E-Mountainbike-Boom, sodass man auf hochfrequentierten Wegen alle paar Minuten aus der Spur springen muss, Angst haben muss, dass man von hinten umgefahren wird. Dann ist dieser Genuss massiv beeinträchtigt. Es kommt auch wirklich zu mehr Unfällen.

Und der dritte Punkt ist, dass es außerdem zu immer mehr Erosions- und auch zu Vegetationsschäden kommt. Wenn eine immer größere Anzahl von Fahrradfahrern beim Bergabfahren bremst, dann erleben wir einfach, dass die Anzahl der Erosionsschäden und durch das Ausweichen auch der Vegetationsschäden immer größer wird. Bürgermeister erzählen uns, dass sie gar nicht wissen, wie sie die Wege überhaupt instand halten können.

Das klingt jetzt ein bisschen so, Herr Frey, als würden Sie das E-Mountainbiken, vielleicht sogar das Mountainbiken gern generell in den Bergen verbieten?

Nein, so ist es nicht. Es ist ja eine wunderbare Natursportart. Und ich möchte vielleicht auch nochmal vorwegschicken: Uns geht es wirklich nur um das E-Mountainbiken im alpinen Gelände.

Also das normale Elektrofahrrad im Flachland ist ja eigentlich ein wunderbarer und guter Beitrag zu einer ökologischen Verkehrswende. Aber im alpinen Gelände muss man, denke ich, genauer hinschauen. Und zwar sagt das Bayerische Naturschutzgesetz aus gutem Grund, dass nur auf geeigneten Wegen das Befahren mit unmotorisierten Fahrrädern erlaubt ist. In der Anfangszeit hat man die E-Bikes grundsätzlich gleichgestellt mit unmotorisierten Fahrrädern. Hier hat sich aber in den letzten Jahren viel verändert - die Frequenz etwa, aber auch die tageszeitliche Nutzung.

Deswegen ist unser Vorschlag, wirklich das Bayerische Naturschutzgesetz wieder ernst zu nehmen. Also erstmal zu sagen: Für unmotorisierte Fahrradfahrer ist es erlaubt, außerhalb der Straßen und Wege, die frei gegeben sind, zu fahren. Und dann müssen sich die Landratsämter anschauen, welche Wege in ihrer Region geeignet sind, um diese freizugeben.

Also ist es praktisch eine Umkehrung. Man kann nicht mehr einfach überall hinfahren, sondern die Landratsämter vor Ort müssen schauen, welche Wege geeignet sind, wo es aus Naturschutzsicht, aus touristischer Sicht, zu wenig Konflikten kommt. Ich denke, dieser Regelungsbedarf ist da.