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Mödlareuth 2019: Trabi-Korso durchbricht nochmal die Mauer | BR24

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Mödlareuth liegt mit einem Teil in Oberfranken und mit dem anderen Teil in Thüringen. Bis vor 30 Jahren durchschnitt der Eiserne Vorhang das Dorf, auch genannt "Little Berlin".

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Mödlareuth 2019: Trabi-Korso durchbricht nochmal die Mauer

Bis 1989 trennte eine Mauer das oberfränkische Mödlareuth. 30 Jahre nach dem 9. November 1989 wurde in dem auch als "Little Berlin" bekannten Dorf der Mauerfall mit Musik gefeiert. Ein Trabi-Korso durchbrach symbolisch noch einmal die Mauer.

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Am 30. Jahrestag des Mauerfalls hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im oberfränkischen Mödlareuth an den Mut der Revolutionäre in der DDR erinnert. Nach der Rede des Ministers durchbrach ein Korso aus historischen DDR-Fahrzeugen wie Trabants, Wartburgs und Barkas symbolisch noch einmal eine aus Styropor wieder aufgebaute Mauer.

Herrmann betont auch Rolle der Kirche

Aus anfänglichen Bürgerinitiativen sei 1989 eine Volksbewegung geworden, die sich gegen die SED-Diktatur stellte und die die Mauer von Ost nach West buchstäblich eindrückte, sagte Herrmann in dem ehemals geteilten Dorf Mödlareuth bei Hof.

"Keiner vermochte damals zu sagen, ob die Rufe nach Freiheit nicht wie die Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking mit Waffengewalt blutig erstickt würden." Joachim Herrmann

Die Wende sei auch eine christliche Revolution gewesen. Ihre Anfänge habe die friedliche Revolution in den Kirchen genommen, "denn nur dort hatte die freie Meinungsäußerung in der DDR ein Heimrecht", betonte Herrmann.

Das 40-Einwohner-Dorf Mödlareuth an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen war wie Berlin jahrzehntelang durch eine Mauer in zwei Hälften geteilt. Auf 100 Metern ist das über drei Meter hohe Bauwerk samt Stacheldraht und Selbstschussanlagen als Teil des deutsch-deutschen Museums im Ort stehengeblieben. Bayern hatte unter den westdeutschen Bundesländern mit 422 Kilometern die längste Grenze zur ehemaligen DDR.

Reiner Calmund zu Gast in Hof

In Hof hatte das Bundesinnenministerium für 17 Uhr zum "längsten Gespräch Deutschlands" geladen. Die oberfränkische Stadt ist dabei Austragungsort des ersten Teils einer abendfüllenden Veranstaltungsserie, bei der entlang der ehemals 1.400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze Menschen unter dem Motto "Unsere Geschichte schreibt Zukunft" miteinander ins Gespräch kommen sollen.

Dazu werden in Hof als Zeitzeugen unter anderem der frühere Fußball-Manager Reiner Calmund erwartet, der unmittelbar nach dem Mauerfall die ersten DDR-Fußballer verpflichtete, sowie die Autorin Anne Hahn. Sie war nach einem missglückten Fluchtversuch verurteilt worden und erlebte den Mauerfall am 9. November 1989 hinter Gefängnismauern des SED-Regimes. Moderiert wird diese Gesprächsrunde von Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers und Moderator Marco Schreyl.

© picture alliance/Nicolas Ermer

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beim Trabi-Konvoi in Mödlareuth.

Tim Bendzko gibt kostenloses Konzert

Zum Grenzöffnungs-Fest des Bundesinnenministers gehört in Hof auch ein kostenloser Auftritt des Sängers Tim Bendzko. Die gesamte Veranstaltung wurde aus Hof und den anderen beteiligten Grenzorten ab 18.53 Uhr live im Internet übertragen - zu diesem Zeitpunkt hatte vor 30 Jahren der damalige DDR-Informationswesen-Sekretär Günter Schabowski die Grenzöffnung bekannt gegeben.

Seehofer: "Ein Gänsehauterlebnis"

Eröffnet wurde die Veranstaltung um 17.30 Uhr von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). "Die deutsche Einheit war für mich das schönste politische Erlebnis, das ich in 50 Jahren Politik hatte", sagte Seehofer in Hof.

Er erinnere sich noch sehr lebhaft, so Seehofer, wie er am 9. November 1989 den Fall der Mauer erlebt habe, nämlich während einer Bundestagssitzung in Bonn. Der gesamte Bundestag habe sich erhoben und die Nationalhymne gesungen.

"Das war für mich ein Gänsehauterlebnis, das vergessen Sie Ihr ganzes Leben lang nicht." Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister

Kurz darauf fuhr er zusammen mit dem Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU) zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung in Hofs sächsische Partnerstadt Plauen. Während die beiden Partnerstädte diesen Festakt mit Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und Bayerns ehemaligem Landesvater Günther Beckstein (CSU) bereits seit fast einem Jahr vorbereitet hatten, begannen die Planungen des Bundesinnenministeriums für Hof erst Mitte August.

Innenministerium vergisst das Jubiläum

Im Frühjahr war bekannt geworden, dass in Seehofers Ministerium das Doppeljubiläum 30 Jahre Mauerfall und 30 Jahre Wiedervereinigung übersehen worden war. Kurzfristig mussten vom Bundesfinanzministerium 61 Millionen Euro für die Feierlichkeiten an außerplanmäßigen Ausgaben genehmigt werden.