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30 Jahre Einheit: Bayerns Wirtschaft hat profitiert

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30 Jahre Deutsche Einheit: Bayerns Wirtschaft hat profitiert

Die deutsche Einheit ist nach 30 Jahren für Ost und West eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Der Umbau von der Staats- zur Marktwirtschaft war für viele Menschen in Ostdeutschland allerdings zunächst schmerzhaft. Auch Bayern hat sehr profitiert.

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Von
  • Peter Althammer
  • BR24 Redaktion

Nach 30 Jahren Deutsche Einheit ist klar: Die Wiedervereinigung war für Bayern ein großer wirtschaftlicher Erfolg. Denn zur Zeit der DDR zwischen 1949 und 1989 war Bayern im Norden und Osten teilweise von seinen Nachbarn abgeschnitten. Der Grenzraum war sogenanntes "Zonenrandgebiet".

"Eiserner Vorhang" war auch wirtschaftliche Grenze

Dahinter verlief ein Teil des "Eisernen Vorhangs". So nannte man die Grenze zu den damaligen Ostblock-Staaten DDR und Tschechoslowakei. Eine nicht nur für Menschen, sondern auch für Güter und Dienstleistungen fast unüberbrückbare Trennmauer, die den normalen Handel zwischen Coburg und Erfurt oder Deggendorf und Pilsen nahezu unmöglich machte.

Der "Eiserne Vorhang“ war ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs. Die früher engen Wirtschafts- und Verkehrsbeziehungen waren vier Jahrzehnte lang durchschnitten. Erst nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Ostblocks in den Jahren 1989 und 1990 konnten sich die Handelsbeziehungen wieder entwickeln.

Nach dem Mauerfall wachsen die Wirtschaftsräume zusammen

Mit dem Fall der Mauer verbanden sich nicht nur West-und Ostdeutschland, sondern auch West- und Osteuropa. Mit sehr positiven Auswirkungen für Bayerns Wirtschaft - auch in den nordbayerischen und ostbayerischen Regionen. Der Grund: In den ehemals staatlich gelenkten Wirtschaftssystemen der DDR und der Tschechoslowakei wurden marktwirtschaftliche Strukturen aufgebaut und Reise- und Niederlassungsbeschränkungen wurden aufgehoben.

Deutsch-deutsche Migration

Fast eine Million Menschen sind seit 1989 aus dem Gebiet der ehemaligen DDR nach Bayern gezogen. Durch die wirtschaftlich verbesserten Rahmenbedingungen ist mittlerweile rund eine halbe Million in die andere Richtung umgezogen. Das Bayerische Landesamt für Statistik hat 2019 eine Nettozuwanderung von 475.000 Personen gezählt. Insgesamt ist die Bevölkerung in Bayern von 1990 bis 2019 von 11,4 auf 13,1 Millionen Menschen gewachsen. Das liegt allerdings nicht nur am Mauerfall, denn rund ein Viertel der Menschen im Freistaat hat einen Migrationshintergrund.

Preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt in Bayern um 65 Prozent gestiegen

Die Zahlen sind beeindruckend. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hat zum Jubiläum folgende Bilanz aufgestellt: Die Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), hat sich in Ostdeutschland von 1989 bis 2019 verdoppelt. Und in Bayern ist das preisbereinigte BIP sogar um gut 65 Prozent gestiegen. Das ist wesentlich mehr als in der Bundesrepublik insgesamt (46 Prozent).

Jeder Einwohner in Bayern erzeugt im Durchschnitt eine Wirtschaftsleistung von 48.300 Euro. Laut Bertram Brossardt, dem Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) liegt das BIP pro Einwohner in keinem anderen Flächenland höher. Im Bundesdurchschnitt seien es knapp 41.400 Euro, im Schnitt der westdeutschen Länder 43.400 Euro.

Arbeitsmarkt in Thüringen und Sachsen gut

Die Beschäftigungssituation in den bayerischen Nachbarländer Sachsen und Thüringen hat sich – nach zunächst großen Herausforderungen im Zuge des Systemumbaus – inzwischen gut entwickelt. Beide Länder liegen bei der Arbeitslosigkeit im gesamtdeutschen Mittelfeld. Sachsen lag 2019 mit 5,3 Prozent Arbeitslosigkeit auf Platz sieben, Thüringen mit 5,5 Prozent auf Platz acht der 16 Bundesländer.

Bertram Brossardt: "Aufgrund der Stärke des Systems der Sozialen Marktwirtschaft konnte der Aufbau der neuen Bundesländer gelingen. Und auch Bayern profitiert ganz massiv vom Wegfall der Mauer und den offenen Grenzen."

Der Ausblick: Neue Herausforderungen mit Klima und Corona

Wird sich die Erfolgsgeschichte fortsetzen? Viele Politiker verbreiten zum Jubiläumstag Zuversicht. Doch die neuen Herausforderungen für die Wirtschaft in Bayern, Deutschland und Europa sind nicht zu unterschätzen. Der Wohlstand im Freistaat hängt zu einem großen Teil vom Export hochwertiger Güter, etwa von Autos und Maschinen, ab.

Der politisch vorangetriebene Umbau der Wirtschaft zur Klimaneutralität und die weltwirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise treffen Bayern deshalb stärker als die einstigen Nachbarn im Ostblock.

In den vergangenen 30 Jahren ist Europa wirtschaftlich zusammengewachsen – davon haben Ost und West profitiert. In 30 Jahren soll die Wirtschaft in der Europäischen Union klimaneutral sein. Ob es gelingt, im Gleichlauf den Wohlstand weiterhin so auszubauen wie seit 1989 – das kann niemand garantieren.

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Die deutsche Wiedervereinigung vor 30 Jahren hat der Wirtschaft in Unterfranken einen kräftigen Schub gegeben. Vor allem der Tourismus in den ehemaligen Grenzgebieten kam ordentlich in Schwung.