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Archivbild: Bayerischer Schülerinnen

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    2G: Was für Kinder und Jugendliche erlaubt ist - und was nicht

    Ungeimpfte 12- bis 17-Jährige in Bayern dürfen jetzt doch in Restaurants – aber weiter nicht ins Kino oder in den Zoo. Die Opposition kritisiert "chaotische Regeln". Was für Kinder und Jugendliche im Freistaat derzeit erlaubt ist – und was nicht.

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    Petr JerabekPetr JerabekMaximilian HeimMaximilian Heim
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    Die bayerische Staatsregierung hat noch einmal nachgebessert: Zwar bleibt es - im Gegensatz zu anderen Bundesländern - im Freistaat dabei, dass auch 12- bis 17-Jährige viele Angebote nur nutzen dürfen, wenn sie von Corona genesen oder vollständig geimpft sind. Die Liste der Ausnahmen wird aber länger. Ein Überblick:

    Kinder unter zwölf Jahren: Kein 2G

    Für Kinder unter 12 Jahren gelten die 2G-Beschränkungen vorerst nicht. Für sie ist in der Europäischen Union bisher kein Corona-Impfstoff zugelassen. Sie erhalten also weiter Zutritt zu allen Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten.

    Kinder ab zwölf Jahren: Ausnahmen bei 2G

    Ab dem 12. Geburtstag gelten 2G-Zugangsbeschränkungen in Bayern auch für Kinder. Allerdings hat die Staatsregierung nachträglich einige Ausnahmen zugelassen: Eine Übergangsregelung erlaubt ungeimpften Zwölf- bis 17-Jährigen bis Jahresende zumindest "sportliche und musikalische Eigenaktivitäten" - also beispielsweise die Teilnahme am Training des Handballvereins, an der Probe des Jugendchors oder der Theatergruppe.

    Seit diesem Mittwoch gilt das darüber hinaus auch für Restaurant- oder Café-Besuche und Übernachtungen in Hotels oder Pensionen. "Ohne diese Ausnahme könnten geimpfte Eltern nicht zusammen mit ihren nicht geimpften Kindern gastronomische Betriebe besuchen oder Beherbergungsleistungen in Anspruch nehmen", heißt es in der Begründung der Staatsregierung.

    Kinder ab zwölf Jahren: Zutritt nur für Geimpfte

    Unverändert können geimpfte Eltern mit ihren nicht geimpften Kindern aber nicht ins Kino, Theater, ins Museum, Fußballstadion, in den Zoo oder in eine Seilbahn. "Die 2G-Regel hat natürlich einen Sinn, nämlich das Infektionsgeschehen in den Griff zu kriegen", verteidigte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Montag im Bayern3-Interview die Maßnahme. "Und da sollten wir so wenig wie möglich Ausnahmen machen."

    In der Praxis führen die Vorgaben aber zum Teil zu Verwirrung, wie mehrere BR24-Leserinnen und -Leser schildern. "Wir wohnen in der Region Bamberg und hier legt jedes Schwimmbad die Regel anders aus", schreibt zum Beispiel eine Mutter. In einige dürften ungeimpfte Kinder nicht zum Schwimmen, andere erlaubten den Zugang.

    Fast 60 Prozent der 12- bis 17-Jährigen ungeimpft

    Derzeit sind in Bayern 41,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen vollständig gegen Covid-19 geimpft. Diesen Wert weist das Robert-Koch-Institut aus. Im Umkehrschluss heißt das: 58,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen im Freistaat dürfen bestimmte Orte derzeit nicht aufsuchen. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik gehören im Freistaat rund 700.000 Kinder und Jugendliche zu dieser Altersgruppe. Somit sind mehr als 400.000 bisher ungeimpft.

    Kinder kurz nach dem 12. Geburtstag: Pech gehabt?

    Keine Sonderregel gibt es aktuell für Kinder, die ihren 12. Geburtstag gerade feiern oder vor kurzem gefeiert haben - und somit noch gar keinen Impfschutz haben können. Selbst wenn sie gleich nach ihrem Geburtstag die erste Spritze bekommen, dauert es mindestens fünf bis sechs Wochen, bis sie als vollständig geimpft gelten. So lange bleibt ihnen die Teilnahme an bestimmten Aktivitäten verwehrt.

    Viele Eltern haben sich bei BR24 gemeldet und darüber beschwert. "Ich frage mich, mit was es zu rechtfertigen ist, Kinder, die jetzt gerade zwölf werden, vom Leben auszuschließen, ohne dass sie die Möglichkeit haben, über Nacht doppelt geimpft zu sein. Wie unfair!", schreibt die Mutter eines betroffenen Jungen. Ein Vater kritisiert, niemand denke an die Kinder, die "das Pech haben, erst in den nächsten Monaten unter 2G zwölf Jahre alt zu werden".

    Auf eine entsprechende Anfrage des BR antwortete das bayerische Gesundheitsministerium zunächst ausweichend. Die Antwort auf die Nachfrage steht bisher aus.

    Opposition beklagt "Chaos"

    Die Opposition im bayerischen Landtag sieht die aktuellen Regelungen für Zwölf- bis 17-Jährige kritisch. "Anscheinend sind der Söder-Regierung Essen im Restaurant für Kinder und Jugendliche als Freizeitveranstaltung wichtiger als Besuche in Museen oder im Zoo", sagt Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze auf BR-Anfrage. "Diese Unterscheidung leuchtet nicht ein." Ihre Fraktion wolle 3G für Kinder und Jugendliche, und zwar überall. Kindern und Jugendlichen müsse ein möglichst normales Leben ermöglicht werden - durch die regelmäßigen Tests in der Schule sei das auch pragmatisch umsetzbar.

    Grundsätzlich 3G für alle Bereiche – das fordert auch die Landtags-FDP mit Blick auf die 12- bis 17-jährigen in Bayern. Im Moment seien die Regeln völlig chaotisch, kritisiert die jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, Julika Sandt. Auch die Ständige Impfkommission habe klar gesagt, dass man soziale Teilhabe für diese Altersgruppe nicht von der Impfung abhängig machen solle. Dass ungeimpfte Zwölf- bis 17-Jährige nun doch die Gastronomie besuchen dürfen, hält Sandt demzufolge nicht für genug: "Das sollte nicht nur eine Ausnahme sein", betont sie.

    Auch SPD-Familienexpertin Doris Rauscher beklagt: "Es ist wirklich nicht nachvollziehbar, dass die Staatsregierung nicht einfach die klare Haltung und die klare Linie vertreten kann, dass Kinder und Jugendliche, wenn sie in der Schule, in der Ausbildung regelmäßig getestet werden, Zugang zu allen Bereichen des Alltags haben müssen." Wieder gebe es ein Chaos, keine Familie kenne sich mehr aus, was ihre Kinder genau dürfen und was nicht. Das Restaurant ersetze nicht den Zoo-Besuch mit der Familie und das Gemeinschaftsgefühl beim Anfeuern der Klassenkameraden am Fußballplatz. "Hier braucht es dringend ein Umdenken und die Rückkehr zu 3G für Kinder und Jugendliche unter 18."

    Andere Bundesländer: Ausnahmen für 12- bis 17-Jährige

    Andere Bundesländer sind weniger streng als Bayern: Beispielsweise in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein gilt die 2G-Regel nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. In Mecklenburg-Vorpommern sind 12- bis 17-Jährige bis Jahresende von der 2G-Regel ausgenommen – die aktuell nicht in allen Teilen des Bundeslandes gilt, sondern nur ab der landeseigenen Warnstufe drei von vier.

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