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Bücher Pustet feiert sein 200-jähriges Jubiläum.

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200 Jahre Pustet – auf der Suche nach dem Familiengeheimnis

Von Italien nach Bayern: Die Pustets. Heute bekannt als große Druck- und Verlagsfamilie. Das Unternehmen aus Regensburg feiert dieses Jahr 200-jähriges Jubiläum. Ein Streifzug durch die Familiengeschichte und die Suche nach dem Familiengeheimnis.

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Von
  • Sarah Beham

Seit 1820 drucken und verlegen sie Bücher. Doch dieses Jahr schreibt die Familie Pustet ihre ganz eigene Geschichte. Der Buchdruck ist längst digitalisiert und die Druckmaschine nagelneu.

"Wir alle sind stolz drauf. Denn es gibt in der Medienwelt nicht viele Unternehmen, die über so eine lange Vergangenheit verfügen und wo sich das Unternehmen nach wie vor in Familienhand befindet." Friedrich Pustet, Verleger

Auf Spurensuche nach dem Geheimnis des Familienerfolgs

Die erste Buchhandlung Pustet öffnet 1820 in Passau. Heute ist der Sitz des Unternehmens in Regensburg, wird in sechster Generation von den Geschwistern Pustet geführt.

"Unsere Eltern haben dahingehend nie Druck ausgeübt, dass sie gesagt haben: Kinder, ihr müsst. Das gab es nicht. Man hat sich den Weg selber ausgesucht. Aber natürlich steht man in der Verantwortung, dass man für über 400 Leute die Arbeitsplätze sichert und diese auch in der Zukunft sichert." Ursula Pustet, Geschäftsführerin des Unternehmens

Das Erbe für die Geschwister: gigantisch

Buchbinderei und Druckerei in Regensburg, elf Buchläden in ganz Bayern mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 10.000 Quadratmetern, rund 450 Mitarbeiter beim Unternehmen. Jährlich verlassen den Druck- und Bindebetrieb bis zu acht Millionen Bücher, dafür werden jährlich 3.000 bis 4.000 Tonnen Papier verwendet.

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Jährlich werden im Druck- und Bindebetrieb in Regensburg 3.000 bis 4.000 Tonnen Papier verwendet.

Liturgie als wichtiges Standbein des Unternehmens

Ein wichtiges Standbein damals wie heute – die Liturgie: "Seit es das Gotteslob gibt, seit 1976, dürfen wir es für die Diözese Regensburg produzieren und ausliefern", so Friedrich Pustet. Bis zum 2. Vatikanischen Konzil hatte der Verlag Pustet quasi das weltweite Monopol für den Druck von Messbüchern der katholischen Kirche. Der Kontakt nach Rom, zum Papst, prägt die Verlagsgeschichte. Alle Pustets haben den jeweils amtierenden Papst gesehen.

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1820: Der erste Buchladen Pustet darf in Passau öffnen. Hier die Erlaubnis dafür.

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Andere Verlage mussten sich nach der Typografie des Verlags Pustet richten.

Ratzinger, Tolkin und Karl May bei Pustet

Die jetzigen Pustets können neben Joseph Ratzinger auch J. R. R. Tolkin als Autor verzeichnen. Doch auch die früheren Pustet-Generationen hatten ein Gespür für berühmte Autoren, wie Karl May. Er hat in der damaligen Pustet Zeitschrift "Der Deutsche Hausschatz" seine Kurzgeschichten veröffentlicht, bevor er die bekannten Romane geschrieben hatte. Karl May war nach Aussage Friedrich Pustets immer mit der Zusammenarbeit des Verlags zufrieden. Nur eines hat ihm nicht gepasst: "Überworfen hat er sich dann mit dem Haus, weil er es nicht akzeptiert hat, dass einer unserer Vorgänger, das muss Friederich ll. gewesen sein, ihm immer wieder in die Manuskripte rein korrigiert hat."

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Friedrich Pustet überreicht Papst Benedikt ein Buch.

Erfolgsgeheimnis: Präsenz und die Liebe zum Buch

Fragt man im Regensburger Buchladen die Angestellten nach dem Erfolgsgeheimnis, erhält man meist die gleiche Antwort:

"Es ist speziell, dass man sagen kann: Man kennt sie alle. Die Pustets arbeiten alle mit, sie sind fleißig und dann macht es auch uns Spaß, fleißig zu sein. Es ist kein abstraktes Gebilde – die Familie, für die wir arbeiten, gibt es tatsächlich. Da herrscht ein sehr großes Miteinander." Susanne Borst, Filialleiterin im Regensburger Buchladen Pustet
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Ursula Pustet, Geschäftsführerin des Unternehmens, in der Regensburger Filiale.

Das Familiengeheimnis

Und die Pustets selbst meinen, das Geheimnis der langen Unternehmensgeschichte sei die Liebe zum Buch. Dieses Familienrezept wird auch an die nächste Generation weitergegeben. Und: Der Glaube an das Produkt Buch. Denn gerade in der Corona-Zeit habe sich gezeigt: Bücher sind beliebt wie nie. Der Online-Handel hat in dieser schwierigen Zeit geholfen. Für die Zukunft steht schon die nächste Generation in den Startlöchern. Da wurde aber mit einer 200 Jahre alten Familientradition gebrochen: Der Sohn, der das Unternehmen übernehmen wird, heißt nicht Friedrich – wie alle seine Vorgänger – sondern Jakob.

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