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2. Januar 1945: Die Nacht, in der Nürnberg brannte | BR24

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Es ist ein kalter, klarer Winterabend am 2. Januar 1945 in Nürnberg. Um 18.43 Uhr heulen die Sirenen: Fliegeralarm. Dann kommen die britischen Bomber. Sie werden Nürnberg nahezu komplett zerstören.

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2. Januar 1945: Die Nacht, in der Nürnberg brannte

Es ist ein kalter, klarer Winterabend am 2. Januar 1945 in Nürnberg. Vollmond. Um 18.43 Uhr heulen die Sirenen: Fliegeralarm. Das vierte Mal an diesem Tag. Dann kommen die britischen Bomber. Sie werden Nürnberg nahezu komplett zerstören.

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Es ist bitterkalt, als die Nürnberger am 2. Januar 1945 in die Bunker eilen. Minus acht Grad. Fliegeralarm sind die Nürnberger gewohnt. Er gehört zum Alltag. Die meisten schlafen einfach in ihrer Kleidung. Aber dieses Mal ist es anders. Das Brummen der von Westen herannahenden britischen Bomber ist lauter. Mehr als 500 nehmen Kurs auf Nürnberg. "Frontbreite von Windsheim bis Weißenburg", schreibt der örtliche Luftschutzleiter später in seiner Abschlussmeldung.

Die Bunker sind restlos gefüllt. Die Türen schließen gerade noch rechtzeitig. Dann gehen die "Christbäume" nieder. Die Leuchtmunition weist den Piloten den Weg. Um 19.20 Uhr fallen die ersten Bomben. Es wird der Luftangriff werden, der die Nürnberger Altstadt zu 95 Prozent zerstört.

Glutroter Himmel

Wenn die Bomben einschlagen, bebt die Erde. In den Kellern werden die Schutzsuchenden durch den Luftdruck hin und her geworfen. Die Leute zittern. Das Weinen geht im Bombenlärm unter. Die Atmosphäre war fürchterlich, berichten die, die damals dicht an dicht in den Bunkern saßen und überlebten. Mauern krachen, Funken fliegen. Es ist extrem heiß. Die Feuerstürme reißen denen, die draußen unterwegs sind, die Hüte von den Köpfen. Der Himmel leuchtet glutrot. Noch weit entfernt ist zu sehen, dass Nürnberg brennt. "Die Scheunentore haben an diesem Abend gewackelt", erzählt ein Zeitzeuge aus einem Dorf, das 60 Kilometer entfernt von Nürnberg liegt.

Die Luft wurde knapp

Irmgard Leichtenstern lebt heute in Zirndorf. Am 2. Januar 1945 ist sie fünf Jahre alt. Zusammen mit ihren Nachbarn harrt sie in einem Hochbunker in der Sebalder Altstadt aus. Ihre Mutter versucht, draußen zu löschen. Der Sauerstoff im Bunker wird knapp. Er soll geräumt werden. Als Irmgards Mutter das erfährt, wehrt sie sich.

"Sie wusste ja, was draußen los war." Irmgard Leichtenstern, Zeitzeugin

Irmgard Leichtensterns Mutter setzt sich durch. Sie bleiben in Sicherheit – und überleben.

© picture-alliance/prisma

Die zerstörte Nürnberger Altstadt

1.800 Menschen sterben

Nach rund 25 Minuten ist es vorbei. Deutschlands "Schatzkästlein" liegt in Schutt und Asche. 95 Prozent der Altstadt sind zerstört. 100 Luftminen, 6.000 Sprengbomben und eine Million Brandbomben gehen über Nürnberg nieder. Mehr als 1.800 Menschen sterben, tausende werden verletzt, rund 100.000 Menschen sind obdachlos. "Es war so fürchterlich. Man ist über Leichen gestiegen. Damals hat man das so hingenommen", berichtet ein Zeitzeuge. "Unsere Straße war rechts und links meterhoch voller Schutt", sagt Irmgard Leichtenstern.

Warten auf das Kriegsende

Eine Woche lang dauern die Löscharbeiten. Die Bergung der Leichen sogar drei Wochen. Zeitzeugen berichten, dass viele Menschen verschüttet waren und nicht rechtzeitig geborgen werden konnten. Viele, die noch an den "Endsieg" geglaubt hatten, fühlen sich nach diesem Angriff auf Nürnberg betrogen. Die Leute seien hoffnungslos und traurig in den Bunkern gesessen. Die Nürnberger haben sich aufs Überleben eingestellt, berichten Zeitzeugen. Sie warten auf das Kriegsende.

Nur noch die Hälfte der Einwohner

Am 20. April 1945 nehmen die Amerikaner Nürnberg ein. Die Hälfte der Gebäude sind zerstört. 60 Prozent unbewohnbar. Wohnten vor dem Krieg noch rund 400.000 Menschen in Nürnberg, waren es nach der Eroberung der Stadt nur noch zirka 200.000. Nürnberg ist eine der deutschen Städte, die im Zweiten Weltkrieg am stärksten zerstört wurden.

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Heute jährt sich die Bombardierung Nürnbergs zum 75. Mal. Wir begeben uns auf Spurensuche in das Kellersystem unter der Stadt und graben im Archiv nach Zeitdokumenten: Die Bombennacht und der Wiederaufbau.