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Fast zwei Jahre ist es her, dass das Volksbegehren "Rettet die Bienen" angenommen und vom Landtag in ein Gesetz gegossen wurde. 30% der landwirtschaftlichen Fläche sollen bis zum Jahr 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. Wie steht's darum?

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2 Jahre Volksbegehren: Wie es mit dem Öko-Landbau vorangeht

30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sollen bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. So lautet eines der Ziele im Volksbegehren "Rettet die Bienen": Die Nachfrage nach Bio-Produkten stieg zuletzt, aber noch wird etwas zu langsam umgestellt.

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Von
  • Simon Plentinger

Aktuell werden zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Bayern ökologisch bewirtschaftet. Mit der Annahme des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" und der Begleitgesetze vor knapp zwei Jahren hat sich der Freistaat als Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2030 auf 30 Prozent zu steigern. In einer ersten Zwischenbilanz weisen die Öko-Verbände darauf hin, dass der Zuwachs aktuell noch zu gering ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Umstellung braucht auch Nachfrage

Doch damit Landwirte auf ökologische Bewirtschaftung umstellen können, braucht es auch ausreichende Nachfrage nach Bio-Produkten. Darüber hat sich auch Franz Hückl Gedanken gemacht, als er im vergangenen Jahr damit begonnen hat, seinen Milchviehbetrieb bei Peißenberg in Oberbayern auf Ökolandbau umzustellen. Viele Veränderungen brauchte es auf seinem Hof letztlich gar nicht. Weidehaltung betreibt seine Familie schon seit Jahrzehnten, auch in den Ställen hatten die Tiere bereits ausreichend Platz, wie für Bio-Milch vorgeschrieben. Lediglich Futter und Stroh müssen jetzt nach ökologischen Standards produziert sein.

Dennoch blieb die Sorge, ob sich für die Bio-Milch dann ein Abnehmer findet. Damit hatten viele Milchbauern bei der Öko-Umstellung vor einigen Jahren oft Schwierigkeiten. "Wir hatten wirklich die Befürchtung, ob wir überhaupt bei einer Molkerei unterkommen", erzählt Hückl. Dennoch sei es dann nach dem Beginn der Umstellungsphase im Juli letzten Jahres überraschend schnell gegangen, dass seine Familie einen Vertrag mit einer Molkerei abschließen konnte.

Nachfrage nach Bio-Produkten zuletzt gestiegen

Diese Entwicklung bestätigen auch die Öko-Verbände in Bayern. Besonders im Corona-Jahr hätten die Menschen mehr selbst eingekauft und verstärkt zu Bioprodukten gegriffen: "Wir hatten ein Marktwachstum von 22 Prozent im letzten Jahr, aber wir haben nur fünf Prozent Betriebe umgestellt", sagt Hubert Heigl, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern, der Dachorganisation der Ökoverbände in Bayern. "Wir haben gegenüber den Jahren davor gerade eher eine Seitwärtsbewegung. Wir bräuchten aber einen steilen Anstieg, damit wir die 30 Prozent erreichen", so Heigl.

Die Ökoverbände fordern dafür eine Förderpolitik, die den Landwirten Vertrauen und Sicherheit gibt, dass sie ihre Bewirtschaftung ohne Sorgen umstellen können. Doch darüber hinaus müssten auch die Strukturen drum herum zu 30 Prozent ökologischen Zielsetzungen folgen, um das Ziel zu erreichen. "Jeder Dritte Lehrling müsste in einem ökologischen Betrieb ausgebildet werden, jeder dritte Euro Forschungsgeld muss in die ökologische Forschung fließen, die Beratung in den Landwirtschaftsämtern muss sich letztlich auf 30 Prozent Öko-Landbau einstellen", fordert Heigl. Außerdem müsste die Nachfrage bei der Außer-Haus-Verpflegung noch deutlich gesteigert werden. Gerade in Kantinen und Mensen hätten die Verbraucher oft nicht die Auswahl an ökologischen Produkten, für die sie sich beim eigenen Einkauf durchaus entscheiden würden.

Grüne: Staatsregierung erfasst zu wenig Daten

Hier sieht auch Gisela Sengl, Sprecherin für Ernährung und Landwirtschaft der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag, noch viel Luft nach oben. Sie kritisiert auch, die Staatsregierung würde die Öko-Produktion in Bayern nicht mit ausreichend detaillierten Daten erfassen. Das sei aber wichtig, um den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft entsprechend voranzutreiben. Sengls Fraktion scheiterte vor Kurzem mit einem entsprechenden Antrag im Landwirtschaftsausschuss. "Um das Ziel zu erreichen braucht es ein klares Bekenntnis zu Bio und das fehlt", sagt Sengl. Es werde letztlich nur von regionaler Landwirtschaft geredet. "Aber die biologische Landwirtschaft hat ihr eigenes Siegel, eigene Standards und die muss ich extra erfassen und extra politisch begleiten und stärken", so die Grünen-Politikerin.

Ministerium befürchtet zusätzliche Bürokratie

Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es zu der Forderung, eine zusätzliche Datenerfassung würde Mehrarbeit für die Betriebe bedeuten. Stattdessen will man mit einem speziellen Tool namens Öko-Board, dass es seit Ende vergangenen Jahres gibt, dafür sorgen, die bereits vorhandenen Daten besser zu analysieren. Dabei sollen Anbau- und Tierdaten der Ökobetriebe ausgewertet werden, die ohnehin schon gemeldet werden müssen, zum Beispiel beim Milchmarkt und bei Schlachtvieh. Für eine Datenerfassung bei der Verarbeitung und Vermarktung müsste man die Unternehmen aber erst zu Meldungen verpflichten. Das würde nach Ansicht des Ministeriums zu mehr Bürokratie führen und letztlich heimische Produkte verteuern.

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Um das Ziel "mehr bio" zu erreichen, brauchen Landwirte eine Absatzperspektive. Und: Informationen über den Ökolandbau, am besten schon in der Ausbildung, sagt Michael Rittershofer von der Erzeuger- und Verbrauchergenossenschaft TAGWERK.

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