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Bildrechte: BR / Simon Plentinger

Vor zwei Jahren war das Volksbegehren "Rettet die Bienen" das erfolgreichste in Bayern überhaupt. Die Initiatoren wollen überprüfen, wie gut die Ziele seitdem auch umgesetzt werden - und haben Wissenschaftler mit einem Monitoring beauftragt.

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Zwei Jahre Volksbegehren: So steht es um die Biotope

Was hat das Volksbegehren "Rettet die Bienen" der Natur gebracht? Zwei Jahre nach der Umsetzung liegen erste Ergebnisse von Wissenschaftlern dazu vor. Sie bemängeln fehlende Daten. Der LBV sorgt sich um die für den Artenschutz wichtigen Biotope.

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Von
  • Simon Plentinger

Vor zwei Jahren wurde das Volksbegehren Artenvielfalt angenommen und durch den bayerischen Landtag in Gesetze gegossen. Von den darin beschlossenen Maßnahmen ist für den Landesbund für Vogelschutz (LBV), einem der ursprünglichen Initiatoren des Volksbegehrens, vor allem eine ganz zentral: der sogenannte Biotopverbund.

Was sich dafür verändern muss, zeigt der Vorsitzende des LBV, Norbert Schäffer, im Gäuboden im Landkreis-Straubing-Bogen. Die Böden in der Region sind sehr produktiv und werden intensiv landwirtschaftlich genutzt, vor allem für den Anbau von Getreide und Zuckerrüben. Das sei auch richtig so, betont Schäffer. Dennoch vermisst er etwas: "Was hier fehlt sind Strukturen in der Landschaft", sagt der Umweltschützer.

Er meint damit Hecken und Brachflächen zwischen und rund um die Felder, Gewässer und Streifen von nicht genutzter Fläche, auf denen es blüht und dadurch auch brummt und summt. Doch im Gäuboden sieht man davon nur wenig, stattdessen reiht sich ein Feld an das nächste. Nur selten wird es von einem bewachsenen Weg durchbrochen. Kleinere Baumgruppen, sogenannte Feldgehölze, Hecken und Brachen gibt es nur sehr wenige. "Und diese Lebensräume brauchen wir. Diese Biotope brauchen wir, damit die Natur hier überleben kann", sagt Schäffer.

Ziel Biotopverbund: Flächendeckendes Netz von Lebensräumen

Genau solche Flecken von Biotopen in der Landschaft zu erfassen, zu erhalten und teils auch neu zu schaffen, ist durch das Volksbegehren zum Ziel erklärt worden. In den Gesetzen wurde festgelegt, dass mit entsprechenden Zwischenschritten, bis 2030 15 Prozent der Offenlandfläche Biotope sein sollen, als geschützter Raum für wildlebende Arten. Bisher sind es noch unter zehn Prozent der Fläche.

Doch damit diese Maßnahme auch wirklich etwas für den Erhalt der Artenvielfalt bringt, kommt es laut Norbert Schäffer vom LBV nicht nur auf die blanke Zahl von 15 Prozent an, sondern darauf, wie die Biotope verteilt sind: "Es reicht einfach nicht, wenn wir diese 15 Prozent erreichen, indem wir möglichst viele Lebensräume in der Rhön oder im Bayerischen Wald erhalten und neu anlegen." Stattdessen müssten sich die Biotope wie ein großes Netz über ganz Bayern verteilen. Darum ist auch vom sogenannten Biotopverbund die Rede.

LBV: Große regionale Unterschiede beim Biotopverbund

Während es in einigen Regionen Bayerns laut LBV viel Natur und Lebensräume gibt, und der Biotopverbund eigentlich schon existiert, fehle er in anderen Regionen noch komplett. Ein flächendeckendes Netz sei aber wichtig, damit die Tiere auch wandern können und eine funktionale Verbindung zwischen den Lebensräumen besteht. "Wenn man sich vorstellt man ist eine Zauneidechse und ich habe ein Feld, das 500 Meter lang ist: Wie will diese Zauneidechse von einem Ort zum anderen kommen? Sie kann in diesem Feld nicht leben, sie kann da auch nicht durchlaufen", sagt Norbert Schäffer.

Monitoring: Durchwachsene Zwischenbilanz

Um den Erfolg bei der Umsetzung der Maßnahmen regelmäßig zu evaluieren, haben die Initiatoren des Volksbegehrens Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) mit einem regelmäßigen Monitoring beauftragt. Insgesamt 32 Indikatoren hat das Team von Professor Roman Lenz festgelegt, die bis 2030 regelmäßig überprüft werden sollen. Nach einer ersten Bestandsaufnahme im vergangenen Jahr haben sich die Wissenschaftler 2021 zwölf der Indikatoren genauer angesehen und ihre Ergebnisse jetzt im Landtag vorgestellt.

Insgesamt ziehen sie eine durchwachsene Bilanz der Umsetzung. Grün, und damit positiv bewerten sie etwa die Förderung der Weidetierhaltung sowie das Verbot von Totalherbiziden und den Bericht zum Ökolandbau. Eine rote Wertung gibt es dagegen für das Ziel von mehr ökologischer Bewirtschaftung auf staatlichen Flächen, der Umwandlung in Dauergrünland und dem späten Mähzeitpunkt nach Mitte Juni.

Daten fehlen weiterhin

Insgesamt bemängeln die Wissenschaftler aber vor allem die spärliche Kommunikation beziehungsweise, dass der Freistaat zu wenig Daten zur Überprüfung der Erfolge bereitstellt. Der Statusbericht zum Biotopverbund sei mit zwölf Seiten lächerlich gering ausgefallen, beklagt Roman Lenz. "Mit solchen Berichten können wir doch nicht in die Öffentlichkeit gehen und belegen, dass wir was tun. Das ist einfach eine Riesenlücke, die da existiert. Und die müssen wir nun meines Erachtens mal überbrücken", so der Agrarwissenschaftler.

Mit diesen Zwischenergebnissen richtet er einen eindeutigen Appell in Richtung Freistaat: "Leute schaut, dass ihr das, was ihr da in Gesetze gegossen habt, auch wirklich ernst nehmt und, dass ihr euch da bemüht, die entsprechenden Informationen transparent zu machen und kundzutun und dabei auch besser werdet."

Landschaft wird sich verändern

Norbert Schäffer vom LBV, ist dennoch optimistisch, dass das Ziel mit einem ganz Bayern umspannenden Verbund von Biotopen zu erreichen ist. Auch im Gäuboden hat der LBV bereits ausprobiert, wie das neben der intensiven Landwirtschaft aussehen könnte. Auf einem angesäten mehrjährigen Blühstreifen, tummeln sich bereits zahlreiche Insekten, zum Beispiel eine Vielzahl von Schmetterlingsarten. Dazwischen singt ein Sumpfrohrsänger. Und das inmitten bewirtschafteter Felder.

Es gehe schließlich nicht darum, dort keine Lebensmittel mehr zu produzieren, sondern darum herum die Artenvielfalt zu erhalten. Insekten, die in einer Gegend selten geworden sind, kämen mit der entsprechenden Struktur innerhalb weniger Jahre zurück erklärt Schäffer, nach ein paar weiteren Jahren dann auch die Vögel. Mit Blick auf die großen Felder im Gäuboden sagt Schäffer: "Wenn wir es ernst meinen und es ernsthaft umsetzen, wird sich diese Landschaft hier grundlegend verändern. Und es wird deutlich schöner und artenreicher werden."