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Finanzhilfe für die Geburtshilfe: Ärztekammer ist skeptisch | BR24

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Während die Kreissäle in den Städten oft überlastet sind, müssen sie in ländlichen Regionen geschlossen werden. Dies will der Freistaat stoppen und fördert nun kleine Geburtshilfeabteilungen in 26 Landkreisen mit 16 Millionen Euro.

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Finanzhilfe für die Geburtshilfe: Ärztekammer ist skeptisch

Die Zahl an Geburtshilfestationen in Bayern ist in den vergangenen Jahren im ländlichen Raum gesunken. Diesen Trend will die Staatsregierung stoppen: Heute wurden 16 Millionen Euro Fördergelder vergeben. Aber: Die Landesärztekammer übt auch Kritik.

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Geburtshilfestationen im ländlichen Raum haben es schwer. In den vergangenen Jahren mussten zahlreiche Einrichtungen schließen. Dieser Entwicklung möchte die Bayerische Staatsregierung mit Fördergeldern entgegenwirken. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat nun erstmals an Vertreter von 26 Landkreisen Förderbescheide für Geburtshilfestationen vergeben. 27 Kliniken erhielten insgesamt 16 Millionen Euro, um die Defizite ihrer kleineren Geburtshilfestationen auszugleichen.

Klinikum Forchheim erfreut über Unterstützung

Für Stefan Weingärtler ist der Scheck ein wichtiges Signal, dass die Arbeit in seiner Geburtshilfestation im Klinikum Forchheim Fränkische Schweiz weitergeht. Rund 700 Babys kommen auf der Station des Chefarztes und Gynakologen jedes Jahr zu Welt. Nicht genügend, um profitabel zu sein.

"Unsere Klinik ist die einzige Klinik im Landkreis Forchheim, die Geburten anbieten kann. Der Landkreis erstreckt sich weit bis in die fränkische Schweiz, was für manche circa 50 Kilometer Entfernung bedeutet. Von daher ist es schon sehr wichtig, dass wir erhalten bleiben." Stefan Weingärtler, Chef der Geburtshilfestation im Klinikum Forchheim

Staatsregierung will Geburtshilfe in der Flächen aufrecht erhalten

Geburtshilfestationen bräuchten eigentlich mindestens 1.000 Geburten, um profitabel zu sein, sagen Gesundheitsexperten. Auch die Forchheimer schreiben jährlich Defizit, sagt der Chef der dortigen Geburtshilfe:

"Wir konnten unsere Geburten zwar mittlerweile von 600 auf 700 Geburten steigern, aber bei dem derzeitigen Vergütungssystem kann man eigentlich nicht die Ausgaben decken." Stefan Weingärtler

Die Lösung? Entweder müsste man mehr Geburten durchführen, sagt Chefarzt Weingärtler. Oder man bräuchte mehr Risikogeburten an der Klinik, "was wir aber ohne Kinderklinik nicht durchführen können und wollen".

Rund 125.000 Euro erhält das Klinikum nun aus dem Topf des Geburtshilfe-Förderprogramms des Gesundheitsministeriums. Die höchste Förderung von bis zu einer Million Euro bekamen die Kliniken in den Landkreisen Rosenheim, Amberg-Sulzbach, Neustadt an der Aisch, Haßberge und Dillingen. Voraussetzung für die Hilfe ist eine durchschnittliche Geburtenzahl zwischen 300 und 800 Geburten jährlich oder der Nachweis, dass die Stationen mehr als 50 Prozent aller Geburten, die in dem Landkreis gezählt wurden, durchgeführt hat.

Laut Ministerin Huml ist es für einen Flächenstaat notwendig, dass Geburtshilfe in der Fläche angeboten werden kann. Darum müsse der Freistaat Bayern die Geburtshilfe auch finanziell unterstützen.

Problem: Je mehr Kliniken desto größer die Personalnot

Die Bayerische Ärztekammer fürchtet dagegen, dass eine hohe Zahl an Kliniken die Personalnot verschärft. Laut Ministerium gibt es in Bayern 108 Krankenhäuser mit einer Geburtshilfestation, nur fünf davon sind Unikliniken. Das große Netz an kleinen Kliniken sei zwar für die Bürger vor Ort wichtig und dessen Unterstützung begrüßenswert, heißt es von der Landesärztekammer. Aber es bringe auch Probleme mit sich, etwa beim Personal.

"Wir haben zu wenig Kinderkrankenschwestern, zu wenig Hebammen und zu wenig Frauenärzte, die entbinden. Wenn wir das Personal auf viele Häuser verteilen, werden die Ressourcen pro Haus damit natürlich eingeschränkt und es kann zu Versorgungsschwierigkeiten führen." Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Ärztekammer

Auch das Thema Qualität spielt eine Rolle

Studien zeigen: Je mehr Eingriffe eine Klinik vornimmt, desto höher ist die Qualität der Behandlung. Nach Ansicht von Experten spricht das gegen viele kleine Geburtshilfe-Abteilungen.

In den vergangenen zehn Jahren haben 28 Geburtshilfestationen in Bayern geschlossen. Gleichzeitig sind Kinderkliniken in Städten wie München überlastet, so dass Schwangere von München bis nach Starnberg fahren mussten. Das Gesundheitsministerium will deshalb weiter gegen den Engpass bei Hebammen vorgehen. Nach dem bereits laufenden Hebammen-Gründerbonus gibt es nun ein weiteres Förderprogramm in Höhe von 4,5 Millionen Euro für ländliche Kliniken. Gesundheitsexperten aber sehen bereits einen weiteren Engpass: Es fehlt vielerorts an Kinderkrankenschwestern.