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150 Jahre Alpenverein - Spagat zwischen Nutzen und Schützen | BR24

© BR/Georg Bayerle

Der Deutsche Alpenverein bringt den Menschen seit 150 Jahren die Schönheit der Berge nahe. Allerdings bringt der stetig wachsende Alpentourismus Probleme mit sich - und da liefert der DAV vielen noch zu wenige Antworten.

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150 Jahre Alpenverein - Spagat zwischen Nutzen und Schützen

Der Deutsche Alpenverein will den Menschen seit 150 Jahren die Schönheit der Berge nahe bringen. In Zeiten des wachsenden Alpentourismus muss sich der Verein aber noch ganz anderen Herausforderungen stellen.

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150 Jahre – ein stattliches Alter: Am 9. Mai 1869 wurde in München der Deutsche Alpenverein (DAV) gegründet. Aus dem Club von 36 Männern hat sich der größte Bergsportverband der Welt entwickelt.

1,3 Millionen Mitglieder - Frauenquote von 43 Prozent

Der Alpenverein heute ist kein reiner Männerclub, wie noch vor 150 Jahren, sondern jung, knallbunt und weiblich. Frauen stellen mittlerweile 43 Prozent der Mitglieder. Deren Zahl hat sich allein in den vergangenen 15 Jahren auf rund 1,3 Millionen verdoppelt. Entsprechend rasant steigt der Druck auf die Natur, wo sich der Alpenverein als Naturschutzverband beweisen muss. Der Konflikt hat eine lange Vorgeschichte, in der der DAV auch als "ADAC der Alpen" kritisiert wird, der immer noch mehr Menschen in die Berge lockt - auf Kosten der Natur, so Kritiker. Mittlerweile setzt sich der Alpenverein wieder stärker für den Schutz der Natur ein: Durch naturverträgliche Hütten und Wege sowie durch Ausbildung und Schulung seiner Mitglieder trägt er zum Schutz der Alpen bei.

Ursprüngliche Idee der DAV-Gründer: Alpentourismus gegen Armut

Die Geburtsstunde des Alpenvereins ist Entwicklungshilfe im besten Sinn: Vor allem der Pfarrer Franz Senn aus dem kleinen Bergdorf Vent im Ötztal sah in einem zukünftigen Alpentourismus das entscheidende wirtschaftliche Potenzial für die im 19. Jahrhundert arme und von kargen Erträgen der Berglandwirtschaft abhängige Bevölkerung der Alpentäler. Es war die Zeit, als kinderreiche Tiroler Bergbauernfamilien ihren Nachwuchs auf abenteuerlichen Märschen als "Schwabenkinder" zum Arbeiten bei wohlhabenden Bauern in den Bodenseeraum und ins Alpenvorland schickten.

Rasantes Wachstum

Als die Gruppe von 36 Männern am 9. Mai 1869 in München den Deutschen Alpenverein ins Leben rief, geschah dies aus Unzufriedenheit über die Entwicklung des sieben Jahre zuvor gegründeten Österreichischen Alpenvereins, der ihnen gerade beim Thema Erschließung zu untätig war.

Johann Stüdl, Franz Senn und die Mitgründer trafen punktgenau den Zeitgeist: Aktivitäten im Verein sowie die Erschließung der Terra incognita der wilden Alpen begeisterten das vorwiegend bürgerliche und männliche Klientel des neuen Bergvereins. Besaß der Alpenverein 1873 ganze acht Hütten, so waren es 1914 schon 319. Sie waren das sichtbarste Zeichen der neuen Bewegung und spiegeln die Entwicklung bis in die Gegenwart, in denen das Mitgliederwachstum alle Rekorde bricht.

Ungelöstes Problem: An- und Abreise der Bergsportler

Kaum Antworten hat der Alpenverein aber bisher auf die hohe CO2-Belastung durch die An- und Abreise, die den Bergsport verschmutzungstechnisch zum Motorsport macht. Der Stau am Autobahnende vor Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf ist programmiert. Gebiete wie der Tegernsee und der Spitzingsee oder das Allgäu sind an schönen Tagen völlig überlaufen.

Streitthemen E-Mountainbiken und Skitourengehen

Die nächsten konkreten Aufgaben warten beim derzeit umstrittensten Thema, dem Mountainbiken und vor allem dem Elektro-Mountainbiken. Rund 800.000 verkaufte Mountainbikes pro Jahr dokumentieren, wie hier das nächste große Konfliktthema auf den DAV zurollt. Seit Ende der 1990er-Jahre versucht der DAV, Konflikte durch Betretungsregeln an Kletterfelsen wie in der Fränkischen Schweiz oder das Skitourenprojekt "Skibergsteigen umweltfreundlich" mit ausgewiesenen Routenführungen zu lösen.

Aber dem neuen Boom kommt der DAV kaum mehr hinterher, sagt Manfred Scheuermann aus dem DAV-Ressort Naturschutz: "Der Nutzungsdruck ist enorm. Das Tourengehen hat eine explosionsartige Entwicklung genommen."

DAV-Aufgabe: Schutz der Alpen vor dem Tourismus

So hat die eigentliche Aufgabe des Deutschen Alpenvereins erst begonnen: Es geht nicht mehr darum, Touristen in abgelegene Bergtäler zu locken, sondern dafür zu sorgen, dass das Gebirge den organisierten Bergtourismus auch in Zukunft einigermaßen unbeschadet übersteht.

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Die Alpen: das am stärksten erschlossene Hochgebirge der Welt. Sie müssen einiges ertragen. Vor 150 Jahren wurde der Deutsche Alpenverein gegründet. Früher wollte er die Menschen in die Alpen locken, heute ist es umgekehrt.