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Bildrechte: picture-alliance/ dpa/dpaweb | Bernhard Weizenegger

Den 9. März 2006 haben viele in Jettingen-Scheppach im Landkreis Günzburg nicht vergessen. Damals raste ein Fahrzeug in eine Menschenmenge. Drei Personen starben. Mit den Folgen haben einige noch heute zu kämpfen.

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15 Jahre nach dem Unglück von Jettingen-Scheppach

Den 9. März 2006 haben viele in Jettingen-Scheppach im Landkreis Günzburg nicht vergessen. Damals raste ein Fahrzeug in eine Menschenmenge. Drei Personen starben. Mit den Folgen haben einige noch heute zu kämpfen.

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Von
  • Peter Allgaier
  • Roswitha Polaschek

"Genau hier war es“, sagt Heike Reitsam und deutet auf die Weberstrasse in Jettingen-Scheppach. Vor 15 Jahren war sie in einem Trauerzug unterwegs von der Kirche zum Friedhof. Nur einige hundert Meter lang ist der Weg, der ihr Leben für immer verändern wird. Ein Paketdienstfahrer bekommt am Steuer einen Herzinfarkt, er fährt mit seinem schwarzen Van ungebremst in die Trauernden. "An das Unglück selbst kann ich mich gar nicht mehr erinnern", sagt Reitsam, "aber als ich wieder aufgewacht bin, hatte ich große Schmerzen."

Der Pfarrer von Jettingen-Scheppach hilft den vielen Verletzten

Die blieben Horst Grimm erspart. Er ist 2006 Pfarrer in der Marktgemeinde und läuft ganz vorne im Trauerzug, als eine Frau plötzlich "ja spinnt denn der“ schreit und er den schwarzen Van auf sich zufahren sieht. Grimm rettet sich mit einem beherzten Sprung zur Seite. Was wirklich passiert ist, realisiert er erst, als er sich wieder aufrappelt: "Es war furchtbar, ich habe in blutüberströmte Gesichter geschaut, die ich fast alle kannte.“ Der Pfarrer versucht zu helfen, wo es nur geht. Besonders das Gespräch mit einer 67-jährigen Frau ist ihm im Gedächtnis geblieben. Sie hatte Grimm für seine seelsorgerische Arbeit mit den vielen Verletzten noch gelobt. 15 Minuten später war sie tot.

Viele Verletzte leiden immer noch an den Folgen des Unglücks

Ein efeuumrankter Gedenkstein erinnert heute an das Unglück. 56 Menschen sind damals verletzt worden, die Hälfte davon schwer. "Am Anfang meinte der Arzt, dass ich vielleicht im Rollstuhl lande“, sagt Heike Reitsam. Acht Wochen verbringt sie mit einem Beckenbruch im Krankenhaus, es folgen vier Wochen Reha. Immer wieder rattern die Gedanken durch ihren Kopf, wie es denn weitergehen soll mit der Familie und ihren Kindern. Der Rollstuhl bleibt ihr erspart, es folgen aber mehrere Hüftoperationen und noch immer stützt sich Heike Reitsam auf eine Krücke: "Man lernt im Leben, dass nicht immer alles perfekt sein muss“.

Das Unglück hat auch das Leben des Pfarrers verändert

Horst Grimm sagt, er habe großen Respekt davor, wie manche Unfallopfer mit ihrem Schicksal umgegangen sind. Er erzählt von einem Mann, dem ein Fuß abgenommen werden musste, den er aber nie klagen hörte. "Ich habe mir immer mal wieder die Frage gestellt, warum hat es jetzt diese netten Leute getroffen“, sagt Pfarrer Grimm. Vom Glauben her sei es nicht einfach gewesen, solche Fragen zu beantworten. Er selbst habe die Wochen und Monate danach sehr intensiv erlebt und manches erst richtig schätzen gelernt: "Hätte die Frau damals nicht gerufen, würde ich vielleicht nicht hier sitzen. Für mich war das wie eine zweite Geburt.“

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