Das Uhrmacherhäusl in München wurde 2017 abgerissen. Hier eine Aufnahme von 2011.

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132.500 Euro Geldstrafe für illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls

132.500 Euro Geldstrafe für illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls

Für den illegalen Abriss des denkmalgeschützten Münchner Uhrmacherhäusls ist der Besitzer zu einer Geldstrafe von 132.500 Euro verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er einen Unternehmer damit beauftragte, das Haus zu zerstören.

Für den illegalen Abriss des denkmalgeschützten Münchner Uhrmacherhäusls ist der Käufer des Hauses zu einer Geldstrafe von 132.500 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht verhängte am Freitag 250 Tagessätze zu je 530 Euro wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Nötigung.

Mieter rausgeekelt: Wasser abgedreht, Strom abgeschaltet

Auch den Vorwurf der Nötigung sah das Gericht bestätigt. Laut Anklage soll er die Mieter des Uhrmacherhäusls rausgeekelt haben, indem das Wasser abgedreht, der Strom abgeschaltet, die Haustür ausgehängt und Dachziegel entfernt wurden, damit es hineinregnet.

Der Bauunternehmer wurde wegen Beihilfe zur gemeinschädlichen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 40 Euro verurteilt.

Eigentümer nannte Abriss "Versehen"

Der Eigentümer hatte bestritten, den Auftrag für die Abbrucharbeiten gegeben zu haben. Der Abriss des kleinen, denkmalgeschützten Hauses im Münchner Stadtteil Giesing im Jahr 2017 sei ein "Versehen" gewesen. "Es hat keinen Auftrag zum Abriss gegeben", hatten seine Anwälte erklärt.

Scharfe Kritik an Abriss

Der Unternehmer aus dem Landkreis München hatte das Grundstück samt Haus einer Erbengemeinschaft für 650.000 Euro abgekauft. Über seine Anwälte hatte er im Prozess erklärt, dass er kein Immobilienhai sei. Er habe das "Uhrmacherhäusl" sanieren und dann selbst einziehen wollen. Der Mann werde "zum Sündenbock" für die Gentrifizierung in München gemacht, kritisierte sein Verteidiger. Bürgerinitiativen hatten den Abriss scharf kritisiert. Dieser galt als Beispiel für die radikale Gentrifizierung in München.

"Denkmal und Ensemble gekillt" ist auf einem Schild an einer Häuserlücke zu lesen, in der das Uhrmacherhäusl gestanden hat.

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VGH schreibt Wiederaufbau in Originalmaßen vor

Bereits im Sommer 2021 hatte sich der Bayerische Verwaltungsgerichtshof mit dem Fall befasst. Er hat damals entschieden, dass der Neubau auf dem Grundstück in den Original-Gebäudemaßen entstehen muss. Das Uhrmacherhäusl gehörte zum Ensemble Feldmüllersiedlung im Stadtteil Giesing, das zwischen 1840 und 1845 erbaut wurde. Das Uhrmacherhäusl stand unter Denkmalschutz.

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