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Jäger der Lüfte

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    Laborprobenauswertung: 13 Greifvögel in Bayern wurden vergiftet

    Nach Angaben des LBV wurden in Bayern Giftköder ausgelegt, um gezielt Greifvögel zu töten. Das hätten nähere Untersuchungen bestätigt. Bei insgesamt 13 toten Greifvögeln wurde das Nervengift Carbofuran gefunden.

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    Von
    • Julia Demel
    • BR24 Redaktion

    Bei insgesamt 13 toten Greifvögeln wurde, nach Angaben des Landesbund für Vogelschutz, LBV, das Nervengift Carbofuran gefunden. Das haben Untersuchungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Veterinärpharmakologie der LMU ergeben.

    13 von 18 Greifvögel wurden vergiftet

    Die Institute hatten im Auftrag des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und der Gregor Louisoder Umweltstiftung Proben von insgesamt 18 verstorbenen Greifvögeln analysiert. Dabei wurden in 13 Fällen Reste des seit 2007 in der EU verbotenen Insektizids Carbofuran gefunden.

    Die Umweltverbände fordern nun detailliertere Untersuchungen der Fundorte und eine striktere Verfolgung der Straftaten, denn das Ergebnis zeige, dass Kriminelle gezielt vorgegangen seien, um geschützte Greifvögel zu töten. Die Vögel waren in der jüngeren Vergangenheit in den Landkreisen Landsberg am Lech, Dillingen, Fürstenfeldbruck, Bad Kissingen, Schwandorf, Roth, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Ansbach, Cham, Kitzingen, Rhön-Grabfeld, Main-Spessart und Weißenburg-Gunzenhausen gefunden worden.

    "Es ist erschreckend, dass nach wie vor bayernweit streng geschützte Arten (…) illegal getötet werden." Andreas von Lindeiner, Landesbeauftragter für Naturschutz des LBV

    Seltene Greifvögel betroffen

    Unter den 18 Vögeln, die in diesem Jahr gefunden wurden, waren sieben Rotmilane, sechs Mäusebussarde, zwei Habichte, ein Schwarzmilan, ein Kolkrabe und ein Wanderfalke. Besonders verwundert die Naturschützer der Fall in Landsberg am Lech, wo nun erstmals ein Wanderfalke betroffen war. "Wie ein Greifvogel, der seine Beute ausschließlich im Flug fängt und kein Aasfresser ist, an einer Vergiftung durch Carbofuran sterben kann, erscheint uns kaum erklärlich. Hier könnte man nur auf eine präparierte lebende Brieftaube spekulieren", so Andreas von Lindeiner.

    Die beiden Umweltverbände haben 2019 das Projekt "Tatort Natur" ins Leben gerufen, über das die Bevölkerung melden kann, wenn sie verendete Tiere findet, die keines natürlichen Todes gestorben sind. Im Jahr 2021 wurden so bereits 60 Fälle gemeldet.

    Carbofuran: Insektizid mit Wirkung als Fraß- und Kontaktgift

    Das Insektizid Carbofuran sei auch für Menschen nicht ungefährlich, da es bereits bei Hautkontakt zu Krämpfen führen könne. "Der Schutz der Öffentlichkeit ist ein zentrales Anliegen wie auch die Aufklärung der Vergiftungsfälle", sagt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz. "Wir werden nicht weiter zusehen, wie langjährige Schutzbemühungen um bedrohte einheimische Tierarten durch illegale Tötung mit qualvollen Methoden - wie Vergiftung - zunichtegemacht werden (…)."

    LBV und GLUS fordern die Polizei und Staatsanwaltschaften deshalb auf, derartige Fälle ernst zu nehmen und im Zweifelsfall Ermittlungen bereits am Fundort aufzunehmen.

    Die Aufklärung illegaler Tiertötungen sei insgesamt schwierig, deshalb hoffen LBV und die Gregor Louisoder Umweltstiftung auf Hinweise aus der Bevölkerung. "Spaziergänger, die einen toten Greifvogel, Eule, Storch und Reiher oder Fleischreste, Eier oder Geflügelteile auf einer Wiese oder im Feld finden, sollten dies der Polizei und zusätzlich online unter www.tatort-natur.de melden", erklärt Andreas von Lindeiner.

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