BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

10H-Regel verhindert neue Technologie für alte Windräder | BR24

© BR

Nach der Einführung der 10H-Abstandsregelung werden in Bayern fast keine neuen Windräder mehr gebaut. Die Regel verhindert laut SPD und Grüne aber auch das Repowering, also die technische Nachrüstung oder Erneuerung von alten Windkraftanlagen.

54
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

10H-Regel verhindert neue Technologie für alte Windräder

Nach der Einführung der 10H-Abstandsregelung werden in Bayern fast keine neuen Windräder mehr gebaut. Die Regel verhindert laut SPD und Grüne aber auch das Repowering, also die technische Nachrüstung oder Erneuerung von alten Windkraftanlagen.

54
Per Mail sharen
Teilen

Seit Inkrafttreten der 10H-Abstandsregelung am 21. November 2014 müssen neue Windräder mindestens das Zehnfache ihrer Höhe von Häusern entfernt sein. Das Gesetz stoppte laut SPD und Grüne im Bayerischen Landtag den Ausbau der Windenergie in Bayern. So werden in diesem Jahr vermutlich nur noch zwei neue Windräder in Betrieb gehen. Dagegen gab es 2014 noch 160 neue Windräder in Bayern.

Hinzu kommt jetzt ein weiteres Problem: Durch die 10H-Regel werden laut SPD nicht nur neue Windkraftanlagen verhindert, sondern auch alte Windkraftanlagen sukzessive abgebaut.

Weniger statt mehr Windkraft

"Windkraftanlagen werden beim sogenannten Repowering durch neue und leistungsstärkere Anlagen ausgetauscht", erklärt Florian von Brunn, umweltpolitische Sprecher der SPD. Die Staatsregierung habe jetzt bestätigt, dass durch das Repowering das Genehmigungsverfahren für das Windrad neu aufgerollt werden müsse. "Passt der Standort nicht in die 10H-Regel, darf das Windrad nicht ersetzt werden - selbst wenn es vorher Bestandsschutz hatte", so von Brunn. Über kurz oder lang müsse ein Windrad, bei dem keinerlei Erneuerung durchgeführt werden könne, stillgelegt werden.

Wichtig ist das Repowering vor allem bei Windrädern, die bald nicht mehr durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert werden. Davon sind bis 2025 in Bayern 208 Windräder betroffen, so die Antwort auf eine schriftliche Anfrage des Abgeordneten Martin Stümpfig von der Landtagsfraktion Bündnis90/DieGrünen. Wörtlich schrieb das Bayerische Energieministerium dazu:

"Bis Ende 2025 werden 208 Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 223 Megawatt aus der Vergütung nach dem EEG fallen. Damit würden rund 223 Megawatt Windleistung wegfallen, sollten alle diese Anlagen stillgelegt werden." Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie

10H-Regelung verhindert Neubau von Windkraftanlagen

Für die Opposition im Bayerischen Landtag ist damit klar: "Die 10H-Regelung muss weg!"

"Dass in diesem Jahr nur noch zwei Windräder in Betrieb gingen, war eine absehbare Entwicklung. Die Söder-Regierung hat sich zum Totengräber der Windkraft entwickelt und zieht damit der Energiewende endgültig den Stecker. Sie vernichtet tausende Arbeitsplätze, während Bayern den Anschluss an eine klimafreundliche Zukunft verliert." Martin Stümpfig, Bündnis90/DieGrünen

Mit der Blockade der Windkraft werde Bayern immer mehr zum Stromimportland, obwohl Bayern ein enormes Potential hätte, so der Grünen-Politiker Martin Stümpfig. Gemeinsam fordern SPD und Grüne deswegen die Abschaffung der 10H-Abstandsregelung, um das Repowering von bestehenden Windrädern zu ermöglichen.

Aiwanger: "Repowering ist große Herausforderung"

Bayerns Wirtschafts – und Energieminister Hubert Aiwanger ist kein Fan der 10H-Regelung. Bei den Koalitionsverhandlungen hat er die 10H–Regelung jedoch akzeptiert. Das anstehende Repowering bezeichnet Bayerns Energieminister jedoch als große Herausforderung, entscheidend sei bei neuen Windrädern jedoch die Akzeptanz der Bürger.

"Es macht keinen Sinn, irgendwelche Phantasiezahlen an die Tafel zu schreiben und zu sagen, wir müssen das machen. Wenn die Bürger draußen Amok laufen, kann ich nicht in der Stadt München beschließen, dass in Oberfranken oder in der Oberpfalz, die sollen 1.500 neue Windräder aushalten." Wirtschafts – und Energieminister Hubert Aiwanger

Soviel neue Windräder in Bayern fordern die Grünen in den nächsten zehn Jahren. Für Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist diese Zahl ein Luftschloss. Vielmehr gehe es darum, die Menschen über Bürgerbeteiligungen vor Ort mitzunehmen, so Hubert Aiwanger.