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© Klima-Camp/Janika Pondorf
Bildrechte: Klima-Camp/Janika Pondorf

100 Tage Klima-Camp Augsburg

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    100 Tage Klima-Camp - Keine Annäherung ans Augsburger Rathaus

    Die Zelte samt den bunten Plakaten und Blumenbeeten neben dem Augsburger Rathaus erregen bundesweit Aufmerksamkeit. Hier demonstrieren junge Aktivisten für einen besseren Klimaschutz - seit 100 Tagen. Für die Klimaschützer ein trauriges Jubiläum.

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    Von
    • Susanne Hofmann

    Seit 100 Tagen harren die Aktivisten nun schon im Klima-Camp neben dem Augsburger Rathaus aus. Es sind vor allem Schüler und Studenten, die so auf mehr Tempo bei der Energiewende drängen wollen. Ihr Ziel: Die Stadt Augsburg soll ihren Teil dazu beitragen, dass das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte 1,5 Grad-Ziel eingehalten werden kann. Der schwarz-grüne Koalitionsvertrag sehe jedoch vor, dass das CO2-Budget der Stadt bis 2050 um das Dreifache überschritten werde.

    Diskussion mit Lokalpolitikern

    Begehen wollen die jungen Klimaschützer diesen Tag mit einem besonderen Programm: Um 14.30 Uhr findet eine Diskussion mit lokalen Politikern statt, anschließend sind eine Lesung, ein Vortrag und ein gemeinsames veganes Abendessen geplant.

    Aktivisten: Trauriges Jubiläum

    Für die Klimaaktivisten seien die 100 Tage Klima-Camp ein trauriges Jubiläum, erklärt Ingo Blechschmidt, einer der Sprecher der Aktivisten. Seit 100 Tagen hätte sich in Augsburg nichts getan, was den Klimaschutz vorangebracht hätte. Die Stadtregierung habe keine Schritte unternommen, um ihren Teil des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten.

    Stillstand in Sachen Klimaschutz

    Zwar hätten die Oppositionsparteien im Stadtrat mehrere Anträge eingereicht, die zum Beispiel konkrete Schritte zu einer dezentralen Energiewende in Augsburg vorsehen. Ein Antrag der Fraktion "Bürgerliche Mitte" fordert die Stadtregierung dazu auf, sich zu äußern, ob und bis wann sie wesentliche Forderungen des Klima-Camps erfüllen wolle.

    "Keine utopischen Forderungen"

    Die Fraktion verweist darauf, dass die Schülerinnen und Schüler nur deshalb seit dem 1. Juli am Rathaus ausharrten, weil die Stadt bislang auf keines ihrer Anliegen reagiert habe. Dabei seien diese nicht utopisch, sondern würden seit Jahren auch von renommierten Wissenschaftlern gefordert. Gerade eine Stadtregierung "mit deutlicher grüner Beteiligung" sollte junge Menschen mit ihren klima- und umweltpolitischen Forderungen ernst nehmen. Nur so könne man bewirken, dass das Klima-Camp noch vor der kalten Jahreszeit geräumt würde.

    Thema Klima nicht auf der Tagesordnung

    Die Regierung habe diese Dringlichkeitsanträge zum Thema Klima jedoch gar nicht erst auf die Tagesordnung gesetzt, kritisiert Aktivist Ingo Blechschmidt. Er bedauert, dass es in den vergangenen 91 Tagen kein einziges inhaltliches Gespräch mit der Stadtregierung über die Forderungen der Aktivisten gegeben habe. Die Oberbürgermeisterin Eva Weber empfänden die Aktivsten als "unauthentisch". Sie signalisiere zwar Verständnis, es folgten aber keine Taten.

    Augsburg verfehlt 1,5-Grad-Ziel

    Die Hauptkritik der Klimaschützer lautet: Nach den Planungen der Stadtregierung wird die Stadt allein bis zum Jahr 2025 elf Millionen Tonnen CO2 emittieren. Dies sei die Gesamtsumme, die der Stadt laut Klimaabkommen überhaupt bis 2050 noch zustehe, wenn sie ihren Teil zum angestrebten 1,5-Grad-Ziel beitragen wolle. Ändere die Stadtregierung nichts an ihren Plänen, verfehle Augsburg das 1,5-Grad-Ziel.

    "Wir bekommen täglich Zuspruch"

    Angesichts der kälteren Jahreszeit sei es immer schwieriger, das Klima-Camp aufrechtzuerhalten, fürchtet Blechschmidt. "Doch wir haben einen Grundoptimismus, sonst wären wir nicht da." Was die schwarz-grüne Koalition angehe, hätten die Aktivsten das Vertrauen jedoch völlig verloren. Lediglich die Reaktionen der Bürger und der Oppositionspolitiker machten ihnen Hoffnung: "Da bekommen wir täglich Zuspruch, auch Essen und Spenden. Das zeigt, dass wir was erreicht haben."

    Verwaltungsgericht entscheidet im Herbst über das Klima-Camp

    Ob das Klima-Camp weiterhin neben dem Augsburger Rathaus bleiben darf, will das Augsburger Verwaltungsgericht noch im Herbst entscheiden. Die Stadt wollte es schon im Juli räumen lassen, da hatte aber das Gericht in einem Eilverfahren entschieden, dass das Camp vorerst bleiben kann. Die Entscheidung im Hauptsacheverfahren wird noch im Herbst erwartet.

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