BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

100 Tage im Amt: Eva Döhla bringt "frischen Wind" nach Hof | BR24

© BR

Sie ist in Franken eine der wenige Frauen auf dem Chefsessel in einem Rathaus: Eva Döhla. Seit 100 Tagen ist die 48-jährige SPD-Politikerin Oberbürgermeisterin von Hof.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

100 Tage im Amt: Eva Döhla bringt "frischen Wind" nach Hof

Sie ist in Franken eine der wenige Frauen auf dem Chefsessel in einem Rathaus: Eva Döhla. Seit 100 Tagen ist die 48-jährige SPD-Politikerin Oberbürgermeisterin von Hof. Und sie sorgt mit Akzenten für Aufbruchstimmung.

Per Mail sharen
Von
  • Annerose Zuber

Ein Riesenrad mitten in der Innenstadt. Das war eine der ersten Entscheidungen von Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) gleich nach ihrem Amtsantritt in Mai. Und zwar nicht nur, um die Schausteller zu unterstützen, die durch die Volksfest-Absagen wegen Corona massiv leiden. Döhla geht es vor allem um die Belebung der Innenstadt. Deshalb hat sie den Stellplatz fürs Riesenrad auch ganz bewusst gewählt: Nämlich jene riesige Brachfläche, auf der seit Jahren das umstrittene Einkaufszentrum "Hof-Galerie" geplant ist – aber bislang nichts voran geht.

"Das Riesenrad hier bietet auch die Chance, mal ganz bewusst eine neue Perspektive einzunehmen auf dieses wichtige innerstädtische Areal." Eva Döhla (SPD), Oberbürgermeisterin Stadt Hof

Belebung der Hofer Innenstadt als wichtigstes Wahlkampf-Thema

Die Entwicklung der Innenstadt war eines der entscheidenden Themen im Hofer Wahlkampf, den die SPD-Politikerin Eva Döhla schließlich in der Stichwahl im März gegen Amtsinhaber Harald Fichtner (CSU) deutlich gewonnen hat. Kernfrage für viele Menschen in der Stadt ist nach wie vor: Was passiert mit dem sogenannten "Strauß-Areal", wird hier tatsächlich noch die "Hof-Galerie" gebaut? 2017 wurde das alte Einkaufszentrum abgerissen, der erste Investor hat bereits das Handtuch geworfen, ein riesiger Stein- und Schutthaufen prägt den zentralen Platz. Für viele Hoferinnen und Hofer ein Schandfleck.

Mahnung zu Geduld bei "Hof-Galerie"

Die neue Rathaus-Chefin, die schon vor ihrem Amtsantritt Zweifel am Einkaufszentrum-Konzept geäußert hatte, fordert noch Geduld. Stadtentwicklung brauche einen langen Atem. Und bis sich konkret auf dem Gelände was tue, werde es noch länger dauern. Da der Stadt das Grundstück nicht gehöre, sei man auf die Investoren angewiesen, betont Döhla im BR-Gespräch. Mit einem Städtebau-Wettbewerb will sie nun wieder Fahrt in die Angelegenheit bringen. Zuvor sollen die neuen Investoren im Herbst dem Stadtrat ihr überarbeitetes Konzept präsentieren.

Kenia-Koalition läuft störungsfrei

In der Kommunalpolitik muss man auch dicke Bretter bohren können – mit dieser Erkenntnis ist Eva Döhla aufgewachsen. Ihr Vater Dieter Döhla war ihr Vor-Vorgänger, stand von 1988 bis 2006 an der Stadtspitze. Mit der Politikwissenschaftlerin und Marketing-Expertin Eva Döhla gibt es nun erstmals in Hof eine Oberbürgermeisterin. Sie gilt als offen und kompromissbereit. So hat sie nach ihrer Wahl auch eine "Kenia-Koalition" gebildet: Das Bündnis von SPD, CSU und Grünen hat 29 der 40 Stimmen im Stadtrat und läuft bislang störungsfrei, bestätigen alle Beteiligten.

Frischer Wind in Hof

Bei Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern kommt oft der Satz: "Es weht ein frischer Wind in Hof". Das bescheinigt ihr auch die Fraktion "Freie Aktive Bürger/Freie Wähler" (FAB/FW) – mit fünf Räten die größte Oppositionsgruppe im Hofer Stadtrat. "Frau Döhla geht auf die Menschen zu, ist flexibler und offener als der Ex-Bürgermeister. Das merkt die Verwaltung und das merken auch wir im Stadtrat", so Albert Rambacher, Fraktionschef der FAB/FW. Grundsätzlich mahnt Rambacher aber "mehr Biss und Durchsetzungsvermögen" an.

Konzertabsage erweckt überregionales Interesse

Eine von Eva Döhlas Entscheidungen, die bereits ein größeres überregionales Interesse hervorgerufen hatte, war die Absage des Konzerts von Xavier Naidoo. Sie sagte, in der Stadt sei kein Platz für Menschen, die Ressentiments befeuerten, antisemitisches oder homophobes Gedankengut verbreiteten, Verschwörungstheoretikern nahe stünden oder sich von Extremisten vereinnahmen ließen. Sie wolle so ein Zeichen gegen rechts setzen. Einem Auftrittsverbot, oder einer Einschränkung der künstlerischen Freiheit komme das aber nicht gleich.

© BR

Eva Döhla von der SPD ist die einzige Oberbürgermeisterin in ganz Franken. Bei den Kommunalwahlen in Hof setzte sie sich gegen die CSU durch. Sie tritt zudem in die Fußstapfen ihres Vaters, denn der war mal auf demselben Posten.

Nachholbedarf bei der Rad-Infrastruktur

Strittige Themen gab es bei den Ratssitzungen bislang kaum. Beim Thema Radverkehr ist sich Döhla, die das Verkehrsmittel Rad selbst intensiv nutzt, mit allen einig, dass Hof massiven Nachholbedarf hat. Als erstes beschloss die Ratsmehrheit unter anderem einen großen überdachten Fahrrad-Abstellplatz mitsamt Ladestation für E-Bikes in der Innenstadt. Und auch Zuschüsse von jeweils 500 Euro für Lasten-Pedelecs. Trotz coronabedingter Steuerausfälle habe die Stadt noch Gestaltungsspielraum, so Döhla. Im Herbst werde sie einen Nachtragshaushalt vorlegen.

Persönliche Bilanz fällt positiv aus

Zwölf bis 14 Arbeitsstunden prägen den Alltag der ersten Hofer Oberbürgermeisterin. Da mehrere Führungskräfte gleichzeitig mit ihrem Amtsbeginn in Ruhestand gingen und dazu noch der bisherige Pressesprecher Ende 2019 gekündigt hatte, standen gleich wichtige Personalentscheidungen an. Und kaum im Amt, musste sich Döhla auch noch mit dem Verdacht auseinandersetzen, dass ein Rathausmitarbeiter Gelder veruntreut haben soll. Trotz allem fällt ihre persönliche 100-Tage-Bilanz positiv aus:

"Ich habe hier eine Aufgabe, die zu mir passt und die mich noch mehr erfüllt, als ich mir vorher gedacht hätte." Eva Döhla, Oberbürgermeisterin Stadt Hof

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!