BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Hausarztpraxis in Bischofsgrün seit 100 Jahren in Familienhand | BR24

© BR/Kristina Kreutzer

100 Jahre gibt es im oberfränkischen Bischofsgrün eine Hausarztpraxis in Familienhand. Anfang Juli wurde Jubiläum gefeiert. Das Besondere aber: Die Praxis wird bereits in der dritten Generation von einem Ärzte-Ehepaar geführt.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Hausarztpraxis in Bischofsgrün seit 100 Jahren in Familienhand

100 Jahre gibt es im oberfränkischen Bischofsgrün eine Hausarztpraxis in Familienhand. Anfang Juli wurde Jubiläum gefeiert. Das Besondere aber: Die Praxis wird bereits in der dritten Generation von einem Ärzte-Ehepaar geführt.

Per Mail sharen

Seit 1998 haben Michael und Thekla Hieber die Praxis hier. Das Ehepaar hat sich in der Studienzeit kennengelernt. Sie entscheidet sich 1999 gemeinsam mit ihrem Mann Michael, die Praxis ihrer Eltern in Bischofsgrün zu übernehmen. Es ist eine Praxis mit Tradition.

Die erste Generation

Vor genau 100 Jahren, im Sommer 1920, haben Karl und Dorothea Schmidt die erste Hausarztpraxis gegründet. Er stammte aus dem oberfränkischen Heilklimaort. Sie aus Ostpreußen.

"Die haben das dann hier aufgebaut. Das war schwierig am Anfang natürlich. Ein Auto hatten sie zunächst nicht. Das haben sie erst 1931 angeschafft. Und auch einen Röntgenapparat, sie hatten eine Röntgengenehmigung." Karl-Herbert Schmidt über seine Eltern

Die Zeiten waren hart. In der Inflationszeit der 1920er Jahre war oft das Geld nach der Abrechnung mit der Krankenkasse nichts mehr wert, als es bei den Ärzten ankam. Oft ging das Auto kaputt, bis Ersatzteile kamen dauerte es – die Alternative: Hausbesuche zu Fuß, oder im Winter auf Ski.

"Wie die das geleistet haben kann man sich gar nicht mehr vorstellen." Karl-Herbert Schmidt über seine Eltern

Im Zweiten Weltkrieg wurde Dorothea Schmidt verpflichtet, als Landärztin das Gebiet rund um den Ochsenkopf bis Goldkronach zu versorgen. 1949 starb ihr Mann Karl. 13 Jahre lang war sie die alleinige Ärztin. 1962 wurde der 69-Jährigen Dorothea Schmidt das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Für den selbstlosen Einsatz in den Kriegs-und Nachkriegsjahren.

Die zweite Generation

Es ist das Jahr, in dem auch ihr jüngster Sohn Karl-Herbert in die Praxis einsteigt. Viel früher, als er eigentlich wollte. Er war gerade 28 Jahre alt. Auch er kam nicht alleine in seine Heimat zurück. In seiner Assistenzzeit in Schwäbisch Hall lernte er seine Frau Doris kennen. Auch sie: Ärztin. Und so bekam Bischofsgrün erneut ein Ärzte-Ehepaar. Als praktischer Arzt und lange Zeit auch als Geburtshelfer arbeitete Karl-Herbert Schmidt gemeinsam mit seiner Frau Doris bis Silvester 2001 in der Praxis.

Die dritte Generation

Nun ist Tochter Thekla in der dritten Generation an der Reihe. In neuen, ausgebauten Praxisräumen. Ihr Berufsbild habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, sagt Ehemann Michael Hieber.

"Früher war es mehr Notfallversorgung, Akutversorgung, Versorgung bei Geburten. So ist es heute vor allem eine Behandlung und Management von chronischen Krankheiten. Die technischen Möglichkeiten sind ganz andere und auch die Dokumentation nicht zu vergleichen." Michael Hieber, Hausarzt in Bischofsgrün

Das Ehepaar Hieber hat vier Kinder. Ob eines davon in ihre Fußstapfen tritt, ist offen. "Die sollen einfach machen, was sie möchten. Das ist das Wichtigste", so die Eltern.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!