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1. Mai in Bayern: Mehrere Hundert Teilnehmer bei Demos | BR24

© BR/Katharina Pfadenhauer

Die traditionellen Kundgebungen zum Tag der Arbeit hat der DGB in diesem Jahr ins Internet verlagert. In mehreren bayerischen Städten haben sich heute dennoch Gewerkschaftsaktivisten zu Kundgebungen auf der Straße getroffen.

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1. Mai in Bayern: Mehrere Hundert Teilnehmer bei Demos

Die traditionellen Kundgebungen zum Tag der Arbeit hat der DGB in diesem Jahr ins Internet verlagert. In mehreren bayerischen Städten haben sich am 1. Mai dennoch Gewerkschaftsaktivisten zu Kundgebungen auf der Straße getroffen - mit Mindestabstand.

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Christiaan Boissevain von den Gewerkschaftslinken ruft in sein Megafon, um den Demonstrationszug in München zu dirigieren: "Wir werden jetzt in Zweierreihen zum Marienplatz ziehen, wir brauchen hier nicht aufzuhören. Bitte Abstand halten und auf dem Marienplatz auch Abstand halten". Man sieht ihm die Anstrengung an, mit der er versucht, gegen die Demonstrations-Chöre anzuschreien. Eine Lautsprecheranlage hatte das Münchner Kreisverwaltungsreferat nicht genehmigt. Etwa 350 Teilnehmer ziehen von der Schwanthalerstraße zum Marienplatz.

"Vermummungsgebot" am Tag der Arbeit

Das gab es an einem 1. Mai in Bayern noch nie: "Vermummungsgebot" bei Demonstrationen. Doch der 1. Mai stand diesmal im Zeichen des Infektionsschutzes: Viele Demonstranten trugen Masken und sie hielten meist Abstand.

Erlaubt waren in Bayern ursprünglich nur Kundgebungen mit fünfzig Teilnehmer, auch hätten die Demonstranten nicht durch die Straßen ziehen dürfen, sondern sich nur an einem Ort versammeln. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte allerdings in der Nacht kurzfristig den Demonstrationszug genehmigt, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

Auge zugedrückt: Deutlich mehr Teilnehmer als erlaubt

Auch die Polizei vor Ort war tolerant: Nachdem sich alle Demonstranten an die Sicherheitsvorgaben hielten, akzeptierten die Beamten, dass deutlich mehr Menschen an den Kundgebungen teilnahmen. Auf dem Münchner Marienplatz beispielsweise war eine Kundgebung mit offiziell nur 50 Teilnehmern genehmigt, im weiteren Umfeld fanden sich nach Polizeischätzungen ungefähr 350 Menschen ein.

Auch in Nürnberg durften bis zu dreihundert Demonstranten in Kleingruppen durch die Straßen ziehen. Laut Polizei hielten sich alle an die Abstandregelungen.

DGB verlagert Aktionen und Reden ins Netz

Weil der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) seine Aktionen ins Internet verlagert hatte, haben linke Aktivisten in mehreren bayerischen Städten kurzfristig Kundgebungen organisiert. Dem DGB warfen Demonstranten - größtenteils Aktivisten aus der Linken Szene - vor, Playmobil im Internet zu spielen, anstatt auf der Straße Präsenz zu zeigen.

Gerade in der jetzigen Zeit wäre das dringend nötig gewesen, sagt Christiaan Boissevain von den Gewerkschaftslinken. Schließlich sei das Arbeitszeitgesetz ausgehebelt worden, gerade im Gesundheitsbereich. Die Ruhezeiten habe man von elf auf neun Stunden verkürzt: "Das ist eine enorme Belastung. Mir kann niemand weismachen, dass die Kolleginnen und Kollegen freiwillig mehr arbeiten wollen."

Gewerkschaftslinke: Bessere Bedingungen für wichtige Branchen

Auch die Gewerkschaftslinke Helga Schmid beklagt die Zustände auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Arbeitsbedingungen würden künftig noch prekärer und es werde ihrer Meinung nach einen massiven Wirtschaftseinbruch mit einer Massenarbeitslosigkeit geben. "Wir haben heute bewiesen, dass Kundgebungen mit Abstand und Masken möglich sind", so Schmid, "das hätte der DGB unserer Meinung nach auch organisieren können."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB hatte ursprünglich bundesweit mehrere hundert Veranstaltungen geplant, die meisten davon traditionell in Bayern. Auf dem Münchner Marienplatz wollte Verdi-Bundesvorsitzender Frank Werneke als Hauptredner sprechen, in Bamberg wurde der bayerische DGB-Landesvorsitzende Matthias Jena erwartet und der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn in Augsburg.

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