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Wirbel um Banner: Nürnberger Ultras trauern um Neonazi | BR24

© picture alliance/Ina Fassbender

Diskussion unter Fans des 1. FC Nürnberg. Die "Nordkurve" trauerte um einen führenden Neonazi. Auch der 1. FC Nürnberg steht in der Kritik.

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Wirbel um Banner: Nürnberger Ultras trauern um Neonazi

Wie rechts sind Nürnberger Ultras? Ein Banner vor dem Max-Morlock-Stadion, auf dem die Nordkurve um einen Neonazi trauert, sorgt für Diskussionen. Kritik wird auch am 1.FC Nürnberg laut. Der Verein akzeptierte einen AfD-Politiker als Förderer.

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Mitte September stirbt der Club-Fan Christian K. bei einem Neonazi-Treffen in Thüringen an einem Herzinfarkt. Dass sein Tod ein Verlust für die bundesdeutsche Neonazi-Szene ist, zeigt sich an den Reaktionen seiner Kameraden: Die bundesdeutsche Neonazi-Szene kondoliert, auch führende Neonazis der Partei "Der Dritte Weg" aus Franken zeigen sich bestürzt. Auf Christian K.s Grab sind Trauerschleifen der Neonazi-Vereinigungen "Hammerskins" und der verbotenen Organisation "Blood and Honour" zu sehen. Daneben eine Trauerschleife seiner Fußballfreunde aus der "Nordkurve Nürnberg".

BR-Rechtsextremismus-Experte: Christian K. war Stütze der Neonazi-Szene

Nach Ansicht des Rechtsextremismus-Experten im BR Studio Franken, Jonas Miller, spielte Christian K. eine große Rolle in der Neonazi-Szene. Christian K. sei Aktivist bei "Blood and Honour" gewesen, einem verbotenen Neonazi-Netzwerk. Diese Gruppe organisiere weltweit Konzerte und rechte Musikveranstaltungen, verfüge über einen bewaffneten Arm namens "Combat 18" und trage zur Verbreitung neonazistischer Propaganda bei.

"Christian K. war nach BR-Informationen ein wichtiger Bestandteil von "Blood and Honour". Ich selbst habe ihn auf großen Neonazi-Konzerten im In- und Ausland gesehen. Bei einem Festival im vergangenen Jahr in Norditalien zu Ehren Adolf Hitlers war K. ebenfalls anwesend. Auch hier zeigte er ganz offen seine Verbindung zu "Blood and Honour" und trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Blood and Honour Deutschland"." Jonas Miller, Rechtextremismus-Experte des BR Studio Franken

Club-Fans entrollten Trauer-Transparent für führenden Neonazi

Ihre Trauer zeigen die Fußballfans auch vor dem Max-Morlock-Stadion. "Ruhe in Frieden, K. (Anm. der Redaktion: Name in Koseform) Nordkurve Nürnberg“ ist auf einem Transparent zu lesen. Christian K. galt in der 1.FCN-Fanszene als aktiver Unterstützer der "Ultras".

Fankritik: Fanbeauftragter wusste von Christian K.'s Gesinnung

Die Behauptung des 1. FC Nürnberg auf Twitter, die Fanbetreuung des Club habe "keinerlei Kenntnisse über die Gesinnung dieser Person", nämlich dem Neonazi Christian K., gehabt, wird aus Fankreisen dementiert. Demnach habe der Fanbeauftragte Jürgen Bergmann sehr wohl um die rechtsextreme Gesinnung von K. gewusst. Er habe sie nur nicht thematisiert. Bergmann selbst bekräftigte im Gespräch mit dem BR hingegen, die Mitteilung, dass es sich bei dem Verstorbenen Fan um einen rechten Kader handelte, sei eine Überraschung.

"Im Außenbereich des Max-Morlock-Stadion wurde ein Transparent angebracht, auf dem einem verstorbenen Clubfan gedacht wurde. Wie sich herausstellte, war dieser Clubfan weit über die Grenzen Frankens hinaus als führende Kraft in der rechtsradikalen Nazi-Szene bekannt. Der 1. FC Nürnberg ist nahezu geschockt über diese Mitteilung." Jürgen Bergmann, Fanbeauftragter des 1. FC Nürnberg

Im bereits erwähnten Twitter-Chat vom 3. Oktober schreibt der 1. FC Nürnberg: "Es gibt beim #FCN keinerlei Verständnis für "rechts" und gar keinen Platz. Keinen Millimeter." Eine klare Aussage, an der sich der Club messen lassen muss. Der 1. FC Nürnberg will sich am Nachmittag noch äußern.

Schon früher Vorfall mit rechtsextremem Club-Fan

Im Februar 2018 griff der Club bereits einmal durch. Da wurde dem Verein bekannt, dass der stellvertretende Vorsitzende des offiziellen Nürnberger Fan-Clubs "Club Warriors", Frank A., eine Veranstaltung der NPD organisierte, und das überdies als neu gewählter Vize-Chef des Nürnberger Kreisverbands der rechtsextremen Partei.

Der Vorstand des 1. FCN drohte den "Warriors", den Status als offiziellen Fanclub zu entziehen, sollte A. nicht rasch aus dem Vorstand des Clubs ausscheiden. Der 1. FC Nürnberg reagierte damit schnell. Der Anstoß dafür kam jedoch nicht von der Vereinsführung. Aufgebrachte Fans hatten Druck gemacht.

Nürnberger OB-Kandidat der AfD ein "Business-Partner" des 1. FCN

Den AfD-Politiker Roland Hübscher ließ der Club in den eigenen Reihen allerdings gewähren. Nach BR-Informationen war Hübscher zwei Jahre Mitglied im Business-Fan-Club des 1. FCN, und von 2018 bis Sommer dieses Jahres war er auf der Website des Vereins auf Marketingebene als "Partner" des FCN aufgeführt. Hübscher trat dabei in seiner beruflichen Eigenschaft als Vermögensberater auf.

Es war jedoch spätestens seit dem Wahlkampf zur Kommunalwahl 2020 öffentlich bekannt, dass Hübscher als OB-Kandidat der AfD in Nürnberg antrat. Einwendungen oder gar Sanktionsandrohungen des 1. FC Nürnberg gab es nicht.

Beispiel Eintracht Frankfurt: Club-Fans fordern Abgrenzung von der AfD

Dabei hätte sich für eine Trennung von Hübscher eine günstige Gelegenheit ergeben: 2018, als der Präsident von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, erklärte, wer AfD wähle, könne kein Mitglied bei der Eintracht sein. Zu der Zeit wurde bereits viel über den völkischen "Flügel" der AfD diskutiert. Der Verfassungsschutz hat den "Flügel" im April dieses Jahres zum Beobachtungsfall erklärt.

Es gab Nürnberger Fan-Gruppen, die das zum Anlass nahmen, den 1. FC Nürnberg aufzufordern, sich ein Beispiel an Eintracht Frankfurt zu nehmen und sich klar von der AfD zu distanzieren. Doch sah der Verein nach Fanangaben keine Handhabe. Es hieß, man könne vertraglich nicht gegen den Club-Partner und AfD-Mann Hübscher vorgehen.

Stellungnahme des 1. FC Nürnberg

Der Verein hat eine ausführliche Anfrage des BR erhalten. Wie sich der 1.FCN geäußert hat, lesen Sie hier.

© Bayern 2

Weil die Ultras Nürnberg auf einem Banner eines verstorbenen Nazis gedenken, steht die Fanszene rund um den 1. FCN vor einer Zerreißprobe. Der Verein distanziert sich von der Aktion.

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