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1.500 Landwirte, 900 Traktoren: Bauernprotest in Unterfranken | BR24

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Deutschlandweit haben in den vergangenen Tagen Landwirte, wie etwa hier in Iphofen, gegen die Agrarpolitik protestiert.

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1.500 Landwirte, 900 Traktoren: Bauernprotest in Unterfranken

Gewässerrandstreifen, Düngeverordnung, rote Zonen: Vielerorts gehen derzeit Landwirte auf die Straße, um gegen die Agrarpolitik zu demonstrieren. In Iphofen kamen mehr als 1.500 zusammen. Dort bekam Bayerns Umweltminister ihren Unmut zu spüren.

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Mehr als 1.500 Landwirte haben den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) im unterfränkischen Iphofen empfangen - mit 900 Traktoren, einem Pfeifkonzert, aber auch mit Applaus. Vor dem Feuerwehrhaus machten die Bauern aus verschiedenen Sparten ihrem Ärger über die derzeitige Agrarpolitik Luft. Vor allem die Problematik der Nitratmessstellen und die damit verbundene Einteilung der Gebiete in rote Zonen, die Einführung von Gewässerrandstreifen und die geplante Düngeverordnung sorgen bei den Landwirten für Unmut.

Allein bei der Definition der verschiedenen Gewässer gäbe es Unklarheiten, so Claus Hochrein von der Organisation "Land schafft Verbindung", die zum Schlepper-Spalier aufgerufen hatte. Auch beim Nitrat im Grundwasser gäbe es Unterschiede, so Hochrein: "In anderen Bundesländern wird der Grundwasserkörper so untersucht, dass man auch differenzieren kann: Kommt es aus dem landwirtschaftlichen Hintergrund, oder kommt es von undichten Kläranlagen oder undichten Kanälen, oder kommt es einfach aus der Geologie und dem Boden selber."

Weinbauern fürchten Einschränkungen

Auch die neue Düngeverordnung stelle die Bauern vor riesige Probleme. Hier kommt Kritik vom Fränkischen Weinbauverband. Denn die Düngeverordnung treffe Biowinzer gleichermaßen wie konventionell wirtschaftende Winzer. "Wir düngen nur nach Bodenuntersuchungen und jetzt sollen wir nochmal 20 Prozent reduzieren. Das geht für uns gar nicht", so der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands Arthur Steinmann. Die Reduzierung der Stickstoffdüngung um 20 Prozent bedeute auch weniger Einsatz von Komposten, die für den Humusaufbau wichtig seien. Erosionsschutz durch Grüngutschnitt werde weiter erschwert, heißt es.

Auch Trester, also die Reste der Trauben, wie Kerne und Beerenhaut würden laut Weinbauverband künftig als "Wirtschaftsdünger" angesehen, was ebenfalls Einschränkungen bedeute. Umweltminister Thorsten Glauber begegnete den Landwirten mit großem Verständnis. Er wolle sich für weitere Messstellen einsetzen und die Mittel dafür bereitstellen, um die Gebiete besser differenzieren zu können. Damit soll den Landwirten ermöglicht werden, ihre Gebiete auch weiter bewirtschaften zu können.

Landesamt widerspricht Nitrat-Kritik der Bauern

Zur Kritik von Landwirten an den Messungen der Nitratbelastung im Grundwasser und der Ursachenforschung nahm das Landesamt für Umwelt schon Ende November Stellung. Auf Anfrage des BR erklärte der Präsident des Bayerischen Landesamts für Umwelt, Claus Kumutat, dass Kläranlagen keinen Einfluss auf die Belastung des Grundwassers mit Nitrat haben. Gleichzeitig räumte Kumutat ein, dass 10 bis 15 Prozent der öffentlichen Kanäle zwar undicht seien, die dadurch verursachte Nitratbelastung sei aber untergeordnet. Unabhängig davon aber dränge man darauf, dass die undichten Kanäle saniert werden.

Hinsichtlich der Kritik an den Wassermessstellen sagte das Bayerische Landesamt für Umwelt zu, Messpunkte einzeln zu überprüfen, dieser Prozess laufe bereits. Bisher aber habe man festgestellt, dass im weit überwiegenden Teil die Vorwürfe hinsichtlich der Messstellen unberechtigt gewesen seien.

Die Einleitungen von gereinigtem Abwasser aus den Kläranlagen in Oberflächengewässer fallen Kumutat zufolge nicht ins Gewicht. Denn im Grundwasser sind die Grenzwerte stellenweise überschritten, in Bächen und Flüssen dagegen nicht. "Im Oberflächengewässer wird der Stickstoff derart groß verdünnt und schnell abtransportiert, dass er keinen Einfluss hat auf die Belastung im Grundwasser", sagte Kumutat dem BR.

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💡 Nitrat in Bächen und Flüssen stammt größtenteils aus der Landwirtschaft

Im Grundwasser sind die Grenzwerte stellenweise überschritten. In Bächen und Flüssen nicht. Dass aus belasteten Bächen und Flüssen Nitrat ins Grundwasser gelangt, ist laut dem Leiter des Landesamts für Umwelt (LfU), Claus Kumutat, mengenmäßig nicht relevant. "Im Oberflächengewässer wird der Stickstoff derart groß verdünnt und schnell abtransportiert, dass er keinen Einfluss hat auf die Belastung im Grundwasser“, sagte Kumutat dem BR. "Die Belastung der Fließgewässer aus den Kläranlagen liegt bei rund 17 Prozent. 83 Prozent stammen aus diffusen Quellen rechts und links der Gewässer, im Wesentlichen aus der Landwirtschaft." Kläranlagen arbeiten so, dass die Vorgaben des Gesetzgebers zuverlässig eingehalten werden. Die Landwirtschaft schafft das in einigen Regionen im Bezug auf die Qualität des Grundwassers nicht. Das liegt auch an dem enormen flächenmäßigen Anteil der Landwirtschaft.