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8.000 Streikende im öffentlichen Dienst Bayern: Massive Warnstreiks treffen Familien und Reisende

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben den Alltag vieler Menschen - auch in Bayern - beeinflusst. Am Dienstag stand der Süden im Fokus: Kindergärten, Hallenbäder und Theater geschlossen, keine Müllabfuhr, Flugausfälle. Am Mittwoch wird im Norden des Freistaats gestreikt.

Von: Birgit Harprath

Stand: 10.04.2018

München: Drei Frauen halten während einer Großkundgebung auf dem Marienplatz in München Zettel mit der Aufschrift "Wir sind es wert." in den Händen. | Bild: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Ob Verwaltungskraft, Müllmann, Krankenpfleger oder Erzieherin als wäre es ein Betriebsausflug zog es viele von ihnen heute nach München - Streikweste an und Trillerpfeife im Mund. Im Protestzug ging es quer durch die Stadt um für die Forderung zu demonstrieren.

Sechs Prozent mehr

Sechs Prozent - mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Diese beiden Zahlen hörte man heute auf der Kundgebung in München oft. Konnte sie auf Streikplakaten oder Flugblättern lesen.

"Die Lebenshaltungskosten steigen, in Folge dessen brauchen wir auch mehr Geld."

Streikender

"Überall werden die Tarife erhöht. Entsprechend müssen wir auch mithalten können. Entsprechend sollte sich dann auch bei uns bemerkbar machen und nicht bloß mit einem Trinkgeld. Und nachdem nicht mal ein Angebot jetzt da ist, ist das sowieso eine Frechheit."

Streikender

Streik trifft alle

Die Kritik trifft Bund und Kommunen - die Folgen der heutigen Aktionen aber die Bürgerinnen und Bürger. Mülltonnen wurden nicht geleert, Straßen nicht gereinigt. Die Eltern mussten sich frei nehmen oder einen Babysitter organisieren, weil mehr als die Hälfte der bestreikten Kitas laut Verdi heute nicht geöffnet hatten.

"Sechs Prozent, wir sind es wert."

Motto der Streikenden

400 Flüge fielen aus

Diesen Ruf bekamen heute auch Passagiere zu hören, die vom Münchner Flughafen aus starten wollten. Rund 400 Flüge aber wurden annulliert. Kräfte beim Bodenverkehrsdienst luden Gepäck nicht ein oder aus, der Sicherheitscheck war dünn nur besetzt. Trotz Warnung gestern schon waren einige Reisende überrascht.

Die Arbeitgeber versuchten die Folgen des Warnstreiks möglichst gering zu halten - manchmal wie am Flughafen aber mit Mitteln, die nicht bei allen Streikenden ankamen.

"Es wurde heute den Beschäftigten, die heute an diesem Streiktag arbeiten eine doppelte Stunde versprochen und ein 20-Euro-Gutschein zum tanken. Das ist es wert, dass man dann in die Arbeit geht?"

Streikender

Am Mittwoch wird in Nordbayern gestreikt

In Nordbayern bleiben am Mittwoch Kitas geschlossen, Mülltonnen werden nicht geleert. In Würzburg legen die Fahrer der Straßenbahn die Arbeit nieder.

Kommunen ohne Verständnis für Streik

Viele nahmen das Angebot nicht an. Insgesamt kommt die Gewerkschaft Verdi am Dienstag auf 8.000 Streikende in Bayern. Eine Zahl, die Thomas Böhle nicht begeistert. Der Verhandlungsführer der Kommunen hält die Aktionen nach dem zweiten Treffen für überzogen.

"Ich habe den Eindruck, dass es schon in den bisherigen Runden auf einem guten Weg war und gerade deswegen verstehe ich diese Streiks überhaupt nicht. Zumal sie ausschließlich zu Lasten Unbeteiligter erfolgen."

Thomas Böhle, Verhandlungsführer der Kommunen

"Machen wir kein Angebot, wird gestreikt. Machen wir ein Angebot, wird gesagt, es ist viel zu niedrig. Es geht um Mobilisierung der eigenen Klientel - und das müssen wir hinnehmen."

Thomas Böhle

Kommenden Sonntag wird in Potsdam weiterverhandelt. Die Gewerkschaften wollen ein konkretes Angebot von Bund und Kommunen hören. Und wenn das nicht präsentiert wird.

"Dann bin ich bereits nochmal zu streiken bis ihnen klar wird, dass wir es ernst meinen."

Streikender 


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