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Nach Möbelhaus-Bilanzfälschung BayernLB wohl mit Millionen-Verlusten

Die Bayerische Landesbank muss wohl Millionen-Verluste hinnehmen. Denn der Möbelkonzern Steinhoff kann nach einem Bilanzfälschungs-Skandal offenbar seine Schulden nicht mehr zahlen. Auch mehrere andere Banken müssen nach Informationen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" Kreditausfälle in Höhe von Hunderten Millionen Euro hinnehmen.

Von: Jan-Lukas Strozyk, Benedikt Strunz

Stand: 15.02.2018

Außenansicht der BayernLB mit bayerischem Löwen | Bild: pa/dpa/Ulrich Baumgarten

Die BayernLB war bei Steinhoff-Finanzierungen finanziell stark engagiert. Dem Vernehmen nach hatte sie Kredite von mehr als 200 Millionen Euro vergeben, um den aggressiven Expansionskurs der Steinhoff-Gruppe zu ermöglichen.

Mindestens 60 Millionen Verlust?

Aus Marktkreisen heißt es, die Bayerische Landesbank habe sich von einem Teil der faulen Kredite bereits mit hohen Verlusten getrennt. Insgesamt soll die Bank allein durch diese Verkäufe rund 60 Millionen Euro verloren haben. Weitere 50 Millionen Euro hat die BayernLB noch in Form von Steinhoff-Krediten in den Büchern. Sie sollen durch Immobilien abgesichert sein. Die Bank wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch ob das Institut angesichts der Verluste an dem geplanten Jahresergebnis für 2017 in Höhe von rund 500 Millionen Euro festhalte, sagte ein Sprecher nicht.

Weitere Verlierer

Die Schweizer Bank UBS hat für das vierte Quartal fast 80 Millionen Schweizer Franken an Kreditverlusten verbucht, ein Großteil davon ging mutmaßlich wegen der Steinhoff-Krise verloren. Die Commerzbank ist mit einem dreistelligen Millionen-Betrag an einer Steinhoff-Finanzierung beteiligt, der nun womöglich auszufallen droht. Das berichtete das "Manager Magazin". Betroffen sind neben den deutschen Banken auch amerikanische Investbanken wie Citigroup, Bank of America und JP Morgan, auch die französische Bank BNP Paribas hat wohl hohe Kreditrisiken verbucht.

Steinhoff: Mindestens zehn Milliarden Schulden?

Inwiefern die Steinhoff-Gruppe zumindest einen Teil der Kredite in Zukunft zurückzahlen kann, ist ungewiss. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass der Konzern insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro Schulden hat. Inzwischen weiten sich die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Börsencrash der Steinhoff-Gruppe aus. Wie NDR und "SZ" erfahren haben, prüft die Finanzaufsicht BaFin in diesem Zusammenhang unter anderem, ob es zu Fällen von Insider-Handel gekommen ist. Eine entsprechende Vorprüfung wurde Ende vergangenen Jahres abgeschlossen.

Zweitgrößter Möbelkonzern nach Ikea

Steinhoff gilt mit mehr als 112.000 Mitarbeitern und 13 Milliarden Euro Umsatz als weltweit zweitgrößter Möbelkonzern nach Ikea. In Deutschland ist der Konzern vor allem über die Marke Poco bekannt.

Im Dezember gab die Steinhoff-Gruppe bekannt, dass sie Unregelmäßigkeiten in den eigenen Jahresabschlüssen festgestellt habe. Der Verdacht steht im Raum, dass die eigenen Manager die Zahlen gefälscht hatten.


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