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Alexander Bachmann im Gespräch 20 Jahre DNA Analyse in Deutschland

Heute vor 20 Jahren hat sich das Bundeskriminalamt entschlossen, mit der Speicherung von DNA-Mustern zu beginnen. Alexander Bachmann – Hauptkommissar und Leiter der DNA-Datenbank des BKA - im Interview mit der radioWelt:

Stand: 17.04.2018

Heute vor 20 Jahren hat sich das Bundeskriminalamt entschlossen, mit der Speicherung von DNA-Mustern zu beginnen.  | Bild: dpa-Bildfunk

radioWelt: In Ihrer DNA-Analysedatei sind inzwischen rund 1,2 Millionen Muster gespeichert. Wie viele Daten kommen täglich dazu und wozu braucht man diese?

Bachmann: Ich schätze mal etwa 500 Datensätze kommen täglich bundesweit dazu. Diese Daten sind genauso wie Fingerabdrücke auch aus Spuren von Tatorten oder von verurteilten Straftätern, von Beschuldigten aus laufenden Strafverfahren gewonnene Proben, die untersucht werden und ebenso wie Fingerabdrücke in einer Datenbank gespeichert werden.

radioWelt: Normalerweise heißt es ja dann zum Techniker „bringen Sie das Ganze ins Labor“. Wie gewinnt man denn DNA?

Bachmann: Das ist im Grunde genommen eine Art Blackbox. Man schickt es tatsächlich in ein Labor. Dort wird es in einem Analysegerät unter Einsatz von unter anderem auch Laserbestrahlung ausgewertet. Diese Zahlenwerte werden an die Erfassungsstellen in BKA und Landeskriminalämtern geschickt und dort in der DNA-Datenbank erfasst.

radioWelt: Sie haben schon die Fingerabdrücke erwähnt: Fingerabdrücke oder DNA-Material – was ist denn wichtiger heutzutage?

Bachmann: Das kann man so nicht sagen. Wir stehen auch nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen uns. Fingerabdrücke werden niemals von der DNA ersetzt werden können. Wir gehen ja von ganz unterschiedlichen Spurenarten aus. Fingerabdrücke sind etwas, was ich sehen und sichern kann. Darauf werden wir von der Polizei niemals verzichten können. Die DNA gibt andere Spurenarten her. Das sind Spermaspuren, Schweißspuren, Blutspuren. Das kann man mit Fingerabdrücken überhaupt nicht vergleichen, denn es sind ganz andere Spurenarten, die wir hier untersuchen.

radioWelt: Ist es wirklich so, dass jeder Mensch, also knapp sieben Milliarden inzwischen, eine andere DNA hat?

Bachmann: Ja, das ist richtig. Vom Grund her ist natürlich jede DNA gleich aufgebaut. Jeder Mensch funktioniert ja gleich. Wenn mein Gehirn sagt „heb´ den rechten Arm“, dann hebe ich den rechten Arm und dann heben auch Sie den rechten Arm. Genau das ist auch alles in der DNA aufgebaut. Aber: es gibt sehr viele Teile in der DNA, wo die vier Basen anders angeordnet sind. Deshalb kann man sagen, dass jeder Mensch gewisse Variationen in seiner DNA hat, die ihn einzigartig machen.

radioWelt: Jeder Mensch ist aber auch nicht unfehlbar. Gab es schon mal Fälle, wo sich so eine DNA „geirrt“ hat?

Bachmann: Das hat es mit Sicherheit schon gegeben, bestimmt auch schon in Deutschland. Allerdings sind bei uns entsprechende Sicherungsmechanismen eingebaut. Kein Mensch darf in Deutschland beispielsweise nur aufgrund der Tatsache, dass er in der DNA-Datenbank getroffen worden ist, gleich verurteilt werden. Wir haben entsprechende Gerichtsverfahren, wo zusätzliche  Beweise eingeholt werden müssen. Die Polizei in Deutschland ist auch dazu verpflichtet, nicht nur be-, sondern auch entlastendes Material zu sammeln. Wir haben schon Gerichtsverfahren gehabt, wo eine Person aufgrund der Spurenlage als Tatverdächtiger in Frage gekommen ist. Aber er hat ein Alibi, und dieses Alibi ist muss die deutsche Polizei überprüfen. Und wenn sich dabei herausstellt, dass er es gar nicht gewesen sein kann, dann hat sich dieser DNA-Beweis im Grunde genommen als nutzlos herausgestellt.


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