10

OECD-Untersuchung zu Schulleistungen Auch benachteiligte Kinder können spitze sein

Sozial benachteiligte Schüler können zu den leistungsstärksten gehören - wenn die Bedingungen dafür stimmen. Und die liegen nicht, wie oft vermutet, in kleinen Klassen und besonders guter Ausstattung der Schulen. Die OECD kommt zu dem Ergebnis: Nicht mehr Geld ist nötig, sondern mehr Zeit.

Von: Janina Lückoff

Stand: 29.01.2018

Symbolbild: Unterricht einer Schulklasse. | Bild: picture-alliance/dpa

Kinder, die trotz eines ungünstigen sozialen oder wirtschaftlichen Umfelds solide Leistungen in der Schule erbringen, sind "resilient". Und diese resilienten Kinder werden mehr: Zwischen den Jahren 2006 und 2015 stieg der Anteil dieser Schülerinnen und Schüler von 25 auf gut 32 Prozent. Das ist die gute Nachricht, die die Auswertung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, ergeben hat.

Enorme Bildungsanstrengungen vollbracht

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher nennt den Anstieg beeindruckend. Er sei vor dem Hintergrund enormer Bildungsanstrengungen nach dem sogenannten Bildungsschock in den 2000er Jahren zu betrachten: Ganztagesschulen, stärkere Integration durch die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen, Förderung im frühkindlichen Bereich, Förderung von Schülern mit Migrationsanstrengungen – da habe sich viel getan, so Schleicher.

Keine Chancen ohne Bildung

Die Zahl der resilienten Schüler müsse weiter steigen, sagt Schleicher, weil Bildung eine der entscheidenden Zukunftsressourcen sei.

"Die Menschen, die an einer guten Erstausbildung scheitern, haben kaum noch Chancen, das jemals wieder aufzuholen. Wir reden immer vom lebensbegleitenden Lernen – das ist auch sehr wichtig. Aber die Tatsache ist, dass die Menschen, die eine gute Erstausbildung haben, an all diesen Chancen immer weiter teilnehmen, und diejenigen, die das nicht haben, im Grunde immer weiter zurückfallen."

Andreas Schleicher, OECD-Bildungsdirektor

Studie bringt überraschende Ergebnisse

Die OECD hat untersucht, was getan werden kann, um Kindern aus einem sogenannten bildungsfernen Elternhaus zum schulischen Erfolg zu verhelfen. Das Ergebnis ist überraschend: Es spielen andere Faktoren eine Rolle, als vielerorts angenommen wird.

Faktor Eins: Eine gute soziale Mischung an der Schule.

Benachteiligte Schüler profitieren vom gemeinsamen Unterricht mit bessergestellten Schülern - und zwar ohne, dass dabei die guten Schüler schlechter würden, betont OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Auch da sei Deutschland durch die Zusammenführung von Haupt- und Realschulen auf einem guten Weg; das bringe eine stärkere "Durchmischung", die sich eben positiv auswirke.

Faktor Zwei: Ein positives Schul- und Unterrichtsklima

Wenn wenig Zeit im Unterricht verloren gehe, wenn das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ein gutes und persönliches sei, wenn das Arbeitsklima an der Schule stabil und diszipliniert sei, dann sei die Resilienz doppelt so gut, sagt der OECB-Bildungsdirektor. Benachteiligte Schüler schnitten unter diesen Bedingungen also sehr viel besser ab. Auch ein stabiles Lehrerkollegium und ein motivierender Führungsstil der Schulleitung spiele dabei eine große Rolle.

Ebenso könnten außerschulische Aktivitäten dazu beitragen, den "Teufelskreis" von sozialer Benachteiligung und schlechten Schulleistungen zu durchbrechen, sagt Andreas Schleicher.

Weniger wichtig: Klassengröße und finanzielle Mittel

Kleine Klassen und besonders gute Ausstattung der Schulen, mit zum Beispiel vielen Computern, spielen dagegen laut der OECD-Studie keine Rolle dabei, ob Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien gut in der Schule sind. Wichtig sei, wie die Mittel genutzt werden.

Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen und Lehrerverbands, weiß, was benachteiligte Kinder brauchen. Die Förderung sozial benachteiligter Kinder sei "ganz easy", sagt sie. Es brauche eine Lehrerin, die in der Früh da ist, ein gutes Klassenmanagement, Anleitung im Lernprozess. Allerdings:

"Es fehlt die Zeit für das einzelne Kind. Ob ich 18 oder 24 Kinder in der Klasse habe: Für das einzelne Kind, das schwer bedürftig ist, fehlt mir die Zeit. Manchmal fehlt mir auch die Expertise. Wir sind zum Beispiel im Bereich der Inklusion und der Integration manchmal auch mit unseren Kompetenzen nicht gut genug ausgestattet."

Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen und Lehrerverbands

Dabei wäre beides der Schlüssel zu besser Bildung, sagt auch OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher: Das entscheidende für Bildungserfolg sei, lernen zu individualisieren. "Dass wir uns nicht fragen: Wo schicken wir die Schüler hin, sondern: Was können wir für die Schüler tun."


10

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Sachsendreier, Montag, 29.Januar, 22:56 Uhr

4. Bildungsdesaster dank zu viel Einfluss links-grüner Politiker.

Wenn jetzt Lehrern Zeit für Kinder fehlt, dann liegt das an der Idiotie der Inklusion. Wenn man ein wirklich gutes Niveau bekommen und auch erhalten will, muss man gleichgestellte Kinder zusammen einschulen. Also Kinder mit Handicaps für sich, die anderen auch für sich. Vermischt man die Kinder untereinander, stören die sich nicht nur gegenseitig, sondern auch den Unterricht. Der Lehrer kann nur eins, entweder er hält Unterricht, oder er kümmert sich um den Autisten oder die ADHS-Schüler im Klassenkollektiv. Legt er zu viel Tempo vor, kommen die Sonderfälle nicht mit. Stellt er sich auf diese ein, langweilen sich die ganz klugen Mitschüler und verlieren ihren Leistungswillen. Es wird so das Mittelmaß gefördert. Für ein Land, das man ehemals als das der Dichter und Denker bezeichnete, FATAL!

  • Antwort von Truderinger, Montag, 29.Januar, 23:21 Uhr

    und genau deswegen habe ich bei meinen Kindern auch darauf geachtet, dass sie nur mit Wessikindern in der Klasse waren. Oder halt mit Migrantenkindern!

  • Antwort von Lehrer, Montag, 29.Januar, 23:56 Uhr

    @Sachsendreier
    Inklusion macht schon Sinn, wenn die entsprechenden Kinder auch die Chance haben, das Bildungsziel der Schule zu erreichen, z.B. bei körperlich behinderten Kindern. Ich hatte da selber mal einen Fall, der den Abschluss leicht geschafft hätte, wenn er nicht wegen seines Gesundheitszustands die Schule hätte abbrechen müssen (hat es körperlich leider nicht mehr geschafft). Bei geistigen Behinderungen sieht es anders aus. Da ist dann eine Schule, die darauf eingestellt ist mit kleinen Lerngruppen und speziell ausgebildeten Kollegen, die die Schüler optimal fördern können, die bessere Wahl).

    @Truderinger
    Geht's Ihnen nicht gut, oder was soll der Quatsch? Seriös geht anders. Oder wollen Sie vielleicht nur andere provozieren?

Nautilus, Montag, 29.Januar, 22:48 Uhr

3. Ach Gottchen, immer die gleiche Leier...

Was sind um Himmels Willen in einem "reichen" Land "benachteiligte Kinder"? Mit Vollendung des 6ten Lebensjahres beginnt die Schulbildung. Für jedes Kind. Und auch immer in einer Klasse, mit dem gleichen Lehrer für den Jahrgang. Also, wo sind da denn benachteiligte Kinder? Wer im Unterricht aufpasst, der hat Chancen. Egal, wohin er danach heimgeht. Und wer besonders toll mit kommt, der kann auch das Abi machen. Egal, woher er kommt! Dieses ewige Gejammer der grün-linken Weltverbesserer ist nicht mehr zu ertragen. Die sollten mal woanders hin - da gibt es wirklich Baustellen und da können die auch mal praktisch mit wirken.

  • Antwort von nightmare, Dienstag, 30.Januar, 00:48 Uhr

    Schüler, die sich auf den Hosenboden setzen und aufmerksam zuhören, was die Lehrkräfte ihnen vermitteln, werden Erfolg haben, gleichgültig, woher sie kommen. Wenn es später bei hinreichend Talent wegen fehlender finanzieller Mittel oder Beziehungen nicht zum ganz großen Wurf reicht, sollte ihnen der Staat mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Oliver M., Montag, 29.Januar, 22:24 Uhr

2.

" ... Das Ergebnis ist überraschend: Es spielen andere Faktoren eine Rolle, als vielerorts angenommen wird ..."
Manchmal zweifle ich echt. Da werden Faktoren als neu und überraschend verkauft, die seit Jahren bekannt sind, aber vehement ignoriert werden.

Kontrabraß, Montag, 29.Januar, 21:59 Uhr

1. Das glaube ich nicht. Ich habe meine berechtigten Zweifel!

Mir nahestehende Personen arbeiten in dieser, ich sag mal "Branche": Ich erhalte daher ungefilterte Informationen direkt von der Bildungsfront! Diese stehen diametral dem entgegen was hier kolportiert wird. Eine Meldung des Systems. Eine Meldung wert hinterfragt zu werden.

  • Antwort von Lehrer, Montag, 29.Januar, 22:42 Uhr

    @Kontrabraß
    Naja, dass kleine Klassen, ein gutes Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern und Disziplin gut für den Unterrichtserfolg sind, stimmt schon, aber dafür brauche ich keine Studie, das weiß ich auch so aus 25jähriger Erfahrung.
    Dass eine wild zusammengewürfelte Klasse aus guten und schlechten Schülern, d.h. eine Gesamtschule - inzwischen auch Gemeinschaftsschule genannt - für mehr Qualität sorgen soll, halte ich eher für Unfug, aber das versucht uns Schleicher seit Jahren zu erzählen. Die guten Schüler langweilen sich dann, wenn ich alles zum fünften Mal erklären muss, und die schlechten haben immer nur noch die Hälfte verstanden, wenn sie zu unbegabt, zu bequem zum Lernen oder zu unkonzentriert zum Zuhören sind. Das sieht man ja am Bildungsniveau der Bundesländer, die Gesamtschulen mit einem recht gemischten Publikum haben.

  • Antwort von Truderinger, Montag, 29.Januar, 23:02 Uhr

    Wuhu, da hat aber wieder einer vertrauliche Informationen direkt von der Quelle, die dem gemeinen Volk vom System vorenthalten werden. Was wissen Sie noch? Was planen die Rothschilds? Was die Bilderberger? Und was befindet sich in der hohlen Erde? Bitte lassen Sie uns Doofe teilhaben!